Schauriger Geisterspaß

Die junge Erwachsenengruppe der Böblinger DAT-Kunstschule spielt "Das Gespenst von Canterville" - Premiere ist am Freitag

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    "Geistreiche" Unterhaltung: Im Städtischen Feierraum geht ein Gespenst um Foto: Winkler

Artikel vom 10. November 2017 - 13:42

Von Anne Abelein

BÖBLINGEN. Dieser Familie graust es vor gar nichts: Die neuen Besitzer des Schlosses von Canterville lassen sich einfach nicht erschrecken. Ab 17. November zeigen die jungen Erwachsenen der "Dance Art Theater"-Kunstschule "Das Gespenst von Canterville" nach Oscar Wilde - ein Stück über Familiengeheimnisse und den Zusammenprall von verschiedenen Kulturen. Spuken werden sie im Städtischen Feierraum - von Livemusik-Effekten begleitet.

Beim Vorab-Pressetermin vor Ort findet nicht wie sonst üblich eine Durchlaufprobe statt, sondern die Reflexion über die Rollen und der Feinschliff an einzelnen Szenen sind angesagt. Die Akteure improvisieren Sequenzen für Übergänge, und die Theaterleiterin Prisca Maier-Nieden diskutiert mit ihnen über das Stück. Neun- bis Zehnjährige sind genauso mit von der Partie wie junge Erwachsene zwischen 20 und 30, hinzu kommen Musiker, die mit Cello und Schlagzeug die gespenstischen Klangeffekte kreieren. Die Musiker sind auf Rampen des ungewöhnlichen Bühnenaufbaus postiert: An den Ecken der schwarz-weiß karierten Spielfläche stehen vier Podeste; die Zuschauer sitzen an drei Seiten der Fläche.

"Livemusik ist typisch für meine Inszenierungen", sagt Prisca Maier-Nieden. Die Cannstatterin ist seit März Leiterin der Böblinger Kunstschule und des Fachbereichs Theater. "Das Gespenst von Canterville" ist hier ihre erste Regiearbeit. Vorher hat sie unter anderem am Jungen Ensemble Stuttgart (JES) als Schauspielerin und Theaterpädagogin gewirkt und dabei schon mal mit den Stuttgarter Philharmonikern kooperiert.

"Wir wollten ein Stück für Familien machen", begründet Maier-Nieden die Wahl des Texts. Dass in dem Stück das Kennenlernen eine große Rolle spielt, hat sie darin bestärkt. Schließlich müssen sich auch die jungen Akteure und Maier-Nieden zuerst aufeinander einstellen. "Es geht in dem Stück darum, dass Altes auf Neues prallt", meint sie. In ihrer modernisierten Version des "Gespenst von Canterville" müssen sich zwei Patchwork-Familien in einem Schloss miteinander arrangieren, die teils aus der neuen, amerikanischen und teils aus der alten, britischen Welt stammen.

Die Amerikaner schlagen in dem Stück alle Traditionen in den Wind, und das alte Hausgespenst flößt ihnen keinerlei Respekt ein. Stattdessen amüsieren sich die jungen Söhne über die Blutflecken, die in variierenden Farben im Hause auftauchen, und das weibliche Familienoberhaupt hat vor allem die Vermarktung ihrer Limonade "Zisch up" im Sinn.

"Das Gespenst von Canterville" von 1887 war Oscar Wildes erstes erzählerisches Werk, mit dem er den amerikanischen Materialismus genauso wie den romantischen britischen Geisterglauben persiflierte. Es existieren etliche Theaterfassungen von Wildes Erzählung, doch Maier-Nieden hat in Absprache mit der Gruppe ihre eigene geschaffen: "Ich habe ihnen die Rollen auf den Leib geschneidert", meint sie.

Um das Bewusstsein für die Rollen und die Darstellung zu schärfen, lässt sie die Akteure nun Fragen beantworten. "Wie würdest du den Spielstil beschreiben? Welche Eigenschaften sind dir fremd?" lauten sie zum Beispiel. "Neugierig", "frech" oder "mitfühlend" wie die Figuren fühlen sich die jungen Schauspieler auch selbst; Rachsucht und Strenge sind schon schwerer nachzuempfinden. "Sir Simon ist eine gebrochene Persönlichkeit, die versucht, dies im Alltag zu kompensieren", charakterisiert Julian Heinkele seine Geisterfigur.

Die Frage nach dem Spielstil haben die Teilnehmer noch offen gelassen. "Es gibt zum Beispiel ein psychologisches und ein überzogenes Spiel", erklärt Prisca Maier-Nieden, und damit die Akteure dies nachvollziehen können, dürfen sie nun kleine Zwischenspiele im Gespensterdrama überzeichnet improvisieren und agieren viel temporeicher und emotionaler. Dann geht's an die Feinarbeit; ein Sarg wird auf die Bühne gerollt, und die Akteure spielen eine Szene, in dem ein abgeschlagener Kopf und ein Streich der Lausejungen eine zentrale Rolle spielen. Und siehe da: Das ist schon fast aufführungsreif.

"Das Gespenst von Canterville" erleben kann man am 17. (Premiere), 18., 25. und 26. November sowie am 1., 2., 9. und 10. Dezember im Städtischen Feierraum in Böblingen. Die Geisterstunde schlägt freitags um 19 und am Wochenende um 18 Uhr. Das Stück ist schon für Kinder ab acht geeignet. Kartentelefon: (0 70 31) 669-16 32.
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