Axel Finkelnburg gibt Regiedebüt mit Schaubühne Sindelfingen

Das Interview: Rollentausch für Axel Finkelnburg - Der Schauspieler inszeniert in Sindelfingen die Komödie "Venedig im Schnee"

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    Das Schaubühnenensemble freut sich auf die Premiere (von links): Mathias Baier, Florian Penkwitt, Katrin von Hochmeister, Regisseur Axel Finkelnburg und seine Frau Katrin Fotos: Tarek Musleh

Die Schaubühne Sindelfingen feiert mit ihrem neuen Stück "Venedig im Schnee" am Freitag, 29. September, Premiere im Sindelfinger Theaterkeller. Vor der Premiere spricht Axel Finkelnburg (61) im Interview über sein "erstes Mal" auf dem Regiestuhl der Schaubühne.

Artikel vom 22. September 2017 - 10:00

Hallo Herr Finklenburg. Sie stehen bereits seit ihrer Schulzeit als Schauspieler auf der Bühne. Jetzt wagen Sie sich erstmals daran, Regie zu führen. Wie kommt's?

Ganz einfach: Ich bin seit mehr als 40 Jahren Schauspieler. Jetzt will ich die Erfahrungen, die ich mit anderen Regisseuren gesammelt habe, weitergeben. Außerdem genieße ich es, nun auch mal auf der anderen Seite zu sitzen. Das hat den Vorteil, dass man keinen Text auswendig lernen muss.

 

Und wie fühlt sich der Rollentausch an?

Das fühlt sich gut an. Es macht mir wirklich Spaß. Witzig ist nur das Feedback, das ich von den Schauspielern bekomme. Die finden, ich bin zu streng und mache zu wenig Pausen. Als Uli von der Mülbe das gehört hat, musste er grinsen. Als Schauspieler habe ich ihn früher bei seinen Galerietheaterinszenierungen ja so manchen Nerv gekostet (lacht). Ich hatte diese Wandlung bei mir auch nicht erwartet. Aber da kommt eben mein Ehrgeiz durch. Ich will einfach, dass es nach etwas aussieht.

 

Juckt es Sie nicht, selbst mitzuspielen?

Nein. Dieses Stück ist angelegt für jüngere Akteure. Das hätte von der Struktur her nicht gepasst.

Warum haben sie dieses Stück ausgesucht?

Ich habe diese Komödie mit meiner Frau Katrin vor vielen Jahren in Freiburg am Wallgraben-Theater gesehen. Es hat uns sehr gut gefallen. Es traf damals wie heute den Zeitgeist und ist meiner Meinung nach aktueller denn je - zum Beispiel durch das Thema "Willkommenskultur".

 

Sie inszenieren jetzt für die Schaubühne Sindelfingen. In manchen Fällen gründen Regisseure für ihre Inszenierungen aber auch eigene Gruppen. Wäre das für Sie eine Option gewesen?

Ich hatte von Anfang an eine Rollenbesetzung im Kopf. Diese Charaktere habe ich innerhalb der Schaubühne gesucht und gefunden. Im Übrigen gibt es ja in Sindelfingen bereits vier Gruppen, die sich um Termine im Theaterkeller rangeln [die Schaubühne, das Theater Szene03, das Theaterensemble Sindelfingen und das von Ingo Sika geplante Junge Theater Sindelfingen, die Theatergruppe der Sindelfinger Musikschule, Anm. der Red.]. Eine weitere Gruppe würde die Situation nur zusätzlich erschweren. Allerdings könnte ich mir schon vorstellen, in Zukunft für die eine oder andere Gruppe bei einer Produktion die Regie zu übernehmen.

 

Sie haben gesagt, sie hatten von Anfang an eine klare Besetzung für das Stück im Kopf. Wie kam diese zustande?

Mir war es wichtig, die Rollen typgerecht zu besetzen. Mathias Baier ist zum Beispiel der geborene Komödiant, und Florian Penkwitt verkörpert durch seine spröde Art wunderbar die Rolle des Christophe. Aber auch Katrin von Hochmeister und meine Frau passen klasse in ihre Rollen.

 

Das Stück ist populär und wird an vielen Orten gespielt. Haben Sie es für die Inszenierung in Sindelfingen verändert?

Der französische Autor Gilles Dyrek hat als Spielort Paris ausgewählt. Ich habe das so belassen. Allerdings habe ich die Vorlage ein wenig entstaubt und die eine oder andere Passage gestrichen. Auch den Schauplatz habe ich ein bisschen abgeändert: Ursprünglich spielt die Handlung in einer Wohnung, ich habe sie auf eine Dachterrasse verlegt. Mir war es wichtig, mit viel Elan und Tempo zu inszenieren. Nur so funktioniert eine Komödie. Außerdem wollte ich die Bühne und die Kostüme bunt gestalten. So wie das Stück halt ist.

 

Dies ist Ihre erste Inszenierung in Sindelfingen. Was hat ihnen am meisten Spaß gemacht? Und was hat Sie genervt?

Genervt hat mich gar nichts. Allerdings haben mich die Proben schon ein wenig an das Stück "Der nackte Wahnsinn" erinnert, mit dem ich im Frühjahr gemeinsam mit dem Theaterensemble auf der Bühne gestanden bin.

Sie meinen das Stück über eine Theaterproduktion, in dem gezeigt wird, was hinter und vor den Kulissen alles schiefgehen kann?

Genau. Aber zum Glück besteht das Schaubühnen-Team aus lauter erfahrenen und routinierten Kollegen. Deshalb hat mir die Zusammenarbeit wirklich viel Spaß gemacht. Das gilt nicht nur für die vier Protagonisten auf der Bühne, sondern auch für Sandra Schurdak, die meine Regieassistentin ist. Und für Fabian Krause. Ohne ihn hätte ich das tolle Bühnenbild nie so hinbekommen.

 

Was erwartet den Zuschauer, wenn er in den Theaterkeller zu "Venedig im Schnee" geht?

Um es auf den Punkt zu bringen: Anderthalb Stunden Spaß, gespickt mit Sarkasmus, Ironie, Lust, Liebe und auch einer Prise Drama. Kurz gesagt: Unseren Zuschauern wird garantiert nicht langweilig. (red/edi)

 

  Die Schaubühne Sindelfingen präsentiert die Komödie von Gilles Dyrek an folgenden Terminen im Theaterkeller in der Vaihinger Straße 14 in Sindelfingen: Freitag, 29. (Premiere), Samstag, 30. September, sowie Sonntag, 1., Dienstag, 3., Freitag, 6., Samstag, 7., Sonntag, 8., Freitag, 13., Samstag, 14. und Sonntag, 15. Oktober. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, sonntags bereits um 18 Uhr. Karten gibt es beim I-Punkt Sindelfingen unter Telefon (0 70 31) 9 43 25.
  Axel Finkelnburg
    Theater: Am 23. Mai 1956 kommt Axel Finkelnburg in Ratingen zur Welt. Eingeschult wurde er in Sindelfingen, wo er auch zum ersten Mal Theater spielte. In der Grundschule hatte er seinen ersten Bühnenauftritt in dem Stück "Dunkelrote Rosen". Die erste tragende Rolle seiner 40-jährigen Theaterlaufbahn war auf dem "Maichinger Bühnle". Er spielte einen Briefträger. Nach Stationen im Renninger Naturtheater als "Schöner Prinz Christian" folgte er dem Ruf von Sabine Duffner, der Intendantin des Theaterensembles Sindelfingen. In Sindelfingen spielte er unter anderem unter der Regie von Norbert Laubacher, Jürgen Siehr, Karsten Spitzer, Dieter E.Hülle, Axel Krause, Markus Klemenz und vor allem Uli von der Mülbe in vielen Produktion mit. Zuletzt war er als Vogt im Theaterfragment "Denunziert. Verfolgt. Getötet." im Rahmen der diesjährigen Sindelfinger Biennale zu sehen. "Venedig im Schnee" ist seine erste Arbeit als Regisseur.
    Beruf und Politik: Der gelernte Drogist arbeitete bis zu seinem Vorruhestand 30 Jahre lang als Vertriebsbeauftragter bei IBM. Anschließend war er als Erziehungshelfer beim Jugendamt tätig. Als er im Jahr 2014 für die SPD in den Kreistag gewählt wurde, musste er diese Tätigkeit wegen Befangenheit beenden. Seit sieben Jahren ist der 61-Jährige Mitglied im Gemeinderat der Stadt Sindelfingen. Als Lokalpolitiker setzt er sich unter anderem für das kulturelle Leben in seiner Heimatstadt ein. Eine seiner Forderungen: Das Kulturamt solle die theatertreibenden Vereine mit einem größeren finanziellen Polster ausstatten. "Schließlich", so Finkelnburg, "bilden die Schauspielerinnen und Schauspieler das Fundament der Biennale Sindelfingen."
    Hobbys: Der frühere Triathlon-Ironman hält sich mittlerweile vor allem als aktiver Rennradfahrer fit. Eine weiteres Steckenpferd ist für ihn das Kochen. Dieses Hobby betreibt auf hohem Niveau: Im Jahr 2010 wurde er Gewinner bei der ZDF-Sendung "Die Küchenschlacht". Außerdem liebt er die Nordseeinsel Juist - und natürlich seine Frau und Schauspielkollegin Katrin Finkelnburg.

 

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