Sindelfinger Bandfestival: Lob von Gästen und Musikern

Spätestens mit der vierten Auflage von "Dit is schade" hat sich das Sindelfinger Bandfestival zu einer starken Marke entwickelt

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    Nordlichtgestalten: Die Band Leoniden aus Kiel war einer der Headliner am ersten Festival-Tag Foto: Gaetano Di Rosa

Artikel vom 20. September 2017 - 17:24

SINDELFINGEN. "Laut - aber herzlich", so lässt sich das alternative Festival "Dit is schade" wohl am besten beschreiben, das am Wochenende zum vierten Mal im Jugendhaus "Süd" stattgefunden hat. Wenn die Bands loslegen, vibrieren dort schon mal die Wände. Doch gerade der kleine Rahmen macht das Musik-Event zu etwas ganz Besonderem. Sowohl für die Bands, als auch für die Gäste.

Aus wenig Platz viel gemacht: Was man aus einem Jugendhaus alles herausholen kann, das hat das Orga-Team des "Dit-is-schade"-Festivals gezeigt. Zum Beispiel, indem sie gleich auf zwei Bühnen Live-Musik anbieten. "Auf der größeren in der Halle treten meistens die Headliner wie die Leoniden auf", erklärt Hannah Schmidbauer. Gemeinsam mit Tobias B. Bacherle und Tim Vogrin ist die 20-Jährige das Herz der Festival-Planung. Die andere Bühne befindet sich im Eingangsbereich. Das ist zwar etwas eng - aber der Stimmung tut das keinen Abbruch. Oder vielleicht verleiht auch gerade die Nähe zu den Künstlern dem Ganzen sein eigenes Flair. Und auch das Außengelände ist für diejenigen, die sich gerade nicht in der Musik verlieren, bestens ausgestattet. "Wir haben hier eine kleine Bar und Sitzgelegenheiten", zeigt Schmidbauer. "Und das Ganze gibt es natürlich auch indoor, wir wussten ja nicht, wie das Wetter wird." Ein besonderer Hingucker sind die von hinten beleuchteten Lettern auf dem Dach des Jugendhauses, die schon von Weitem den Titel des Festivals verkünden. "Das war ein Sponsoring", erklärt Schmidbauer stolz.

Viele kommen wegen des Festivals, nicht wegen der Bands: Am späten Freitagabend ist das Jugendhaus gut gefüllt. Für die Veranstalter ist das schon mal eine große Erleichterung. "Der Vorverkauf war zwar genauso wie im letzten Jahr", meint Schmidbauer. "Aber mit den Besuchern kann man sich trotzdem nie sicher sein." Schließlich würde sich auch mancher vom Wetter abschrecken lassen. Und das war am Wochenende eher mau. "Es haben ja nicht alle mitgekriegt, dass es indoor ist." Hannah Schmidbauer gehört übrigens von Anfang an dem Organisationsteam des Festivals an. Die Planung solcher Musik-Veranstaltungen macht ihr sogar solchen Spaß, dass sie das auch gerne mal beruflich machen möchte. Ein erster Schritt in die Richtung ist bereits getan: Demnächst wird sie ein Studium in Musik-Business an der Pop-Akademie beginnen. Kein Wunder, denn schließlich ist die Sindelfingerin auch selbst begeisterte Festival-Gängerin, wie die vielen Bändchen an ihrem Arm beweisen. "Aber aus dem Publikum sind auch viele Leute da, die nur wegen des Festivals an sich kommen und nicht unbedingt wegen der Musik", ist sich Schmidbauer sicher.

Endlich wird Sindelfingen mal wieder Leben eingehaucht: Ein Beispiel dafür ist Lukas. Der 19-Jährige ist eigentlich kein großer Fan der Musik, wie er verrät. "Aber hier freut man sich über alles, was mal los ist", sagt der Döffinger. "Es ist schön, dass der Stadt mal wieder Leben eingehaucht wird", findet er. Seine Begleiterin Marie ist aber auch wegen des Line-Ups vor Ort. "Hier treten auch größere, echt geile Bands auf wie die Leoniden, die man auch auf Spotify hört", ist die 22-jährige Stuttgarterin begeistert. Doch auch die Bewerbung der Veranstaltung hat beide sehr beeindruckt. "Die haben ja Buttons und alles mögliche verteilt und man konnte die Tickets diesmal auch im Internet kaufen, das macht die Sache viel entspannter", findet Marie. "Die haben sich da wirklich Mühe gegeben", findet sie. "Außerdem kann man hier Prominente sehen, hier laufen ja auch Politiker rum", lacht Lukas.

Zwischen zwei Welten: Damit ist natürlich Tobias Bacherle gemeint. Denn der Bundestagskandidat der Grünen war schließlich ebenfalls an der Planung der Veranstaltung beteiligt - und wird am Samstagabend selbst mit seiner Band Immersion auftreten. Gar keine einfache Sache, wie er rückblickend gesteht. "Tim, Hannah und die Techniker haben da einen grandiosen Job gemacht und das Ganze gerettet", weiß der 22-Jährige zu schätzen. Er selbst sei am Freitag noch den halben Tag für seine Kampagne unterwegs gewesen. "Das war das erste Mal, dass ich hierher kam und wirklich alles schon stand." Dass das Festival so stark mit seinem Wahlkampf kollidieren würde, hatte der Sindelfinger am Anfang noch nicht geahnt. "Das hat natürlich auch zu Fehlern geführt", gibt Bacherle zu. Zum Beispiel dass die Techniker und Bands wichtige Infos erst zwei Tage vorher bekommen hätten. "Ich dachte, ich hätte die Sachen weitergeleitet", ist Bacherle reumütig. "Für die anderen war das aber sicher alles noch viel stressiger als für mich."

Zwischen Wahlkampf und Festivalfieber

Trotzdem würde der junge Politiker die Organisation so eines Events nicht missen wollen. "Das ist einfach auch genau der richtige Ausgleich", findet Bacherle. "Das ist eine ganz andere Welt als die Politik." Sollte er in den Bundestag einziehen, würde er dieses Festival aber auch weiterhin auf die Beine stellen wollen. "Diese Woche würde ich mir immer freinehmen", ist er sich sicher. "Und dann würde ich sicher auch finanziell etwas dazugeben und für mehr Promotion sorgen, damit das hier noch professioneller werden kann." Man merkt Tobias Bacherle deutlich an, wie viel Herzblut er in das "Dit-is-schade"-Festival steckt. "Ich meine, die Leute hier reißen sich ein Bein aus, um dem Publikum und den Künstlern eine schöne Zeit zu bieten und so etwas auf die Beine zu stellen", so Bacherle. "Was will man denn noch?" Vor dem nächsten Morgen graut ihm aber mittlerweile doch ein wenig: "Ich werde bis drei oder halb vier hier sein und muss dann um 8 Uhr in Leonberg sein, weil da meine Marktplatz-Tour beginnt", erklärt Bacherle.

Nicht nur Großstädte verdienen eine Chance: Der Idealismus ist es auch, der die Kieler Band "Leoniden" als Headliner des Freitagabends nach Sindelfingen gelockt hat. "Das hier ist so ein süßes, kleines, nettes, familiäres Festival", findet Band-Mitglied Lennart. "Das hat sich auf jeden Fall gelohnt." Den Zwölf-Stunden-Weg von einem ins andere Ende Deutschlands treten die Jungs gerne an. "Wir leben aber auch am logistisch ungünstigsten Ort", lacht der Musiker. "Jedes Wochenende beginnt im Grunde damit, durch die Welt zu eiern." Auf 45 Festivals haben die Leoniden in diesem Jahr bereits gespielt. "Und von all denen haben die Sindelfinger auf jeden Fall am meisten Werbung gemacht", stellt Lennart anerkennend fest. "Großstädte haben es da halt viel einfacher, aber die Sindelfinger haben sich auch auf jeden Fall sehr viel Mühe gegeben", meint er. "Und Deutschland besteht eben nicht nur aus acht Medienstädten", fügt sein Kollege Jakob hinzu. "Warum sollte so ein Festival in einer Stadt wie Sindelfingen nicht funktionieren?"

Anstrengungen, die sich lohnen: Funktioniert hat es auf jeden Fall. Das ist jedenfalls Hannah Schmidbauers Resümee, während sie Sonntagnachmittags nach zwei anstrengenden Festivaltagen das Jugendhaus wieder in ein Jugendhaus verwandeln muss. "Die Besucherzahlen lagen insgesamt ungefähr bei 450 Leuten, das ist eine echt gute Zahl", freut sich die engagierte Organisatorin. Ihre Persönlichen Highlights seien Kid Dad und die Leoniden gewesen. "Aber auch die Newcomer, wie Art of Boys waren richtig gut." Trotzdem eine ganz schön anstrengende Sache, so ein Festival. "Bis Montag müssen wir hier alles wieder komplett fertig haben", ächzt die junge Frau. "Aber gelohnt hat es sich auf alles Fälle, die Leute waren sehr zufrieden."

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