Seriös und sympathisch

CD-Tipp

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Artikel vom 10. August 2017 - 16:42

Von Jan Renz

Evgenia Rubinova ist eine sehr seriöse und sympathische Künstlerin. Deshalb ist sie ein gern gesehener Gast beim Internationalen Pianistenfestival in der Böblinger Kongresshalle, fast könnte man sie als Publikumsliebling bezeichnen. Niemand war so häufig hier wie sie, sie war die erste Pianistin, die für ein volles Haus sorgte. Heute lehrt sie Klavier am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg, das Teil der Universität ist.

Beim großen Böblinger Beethoven-Zyklus, der im letzten Jahr zu Ende ging, übernahm Rubinova die schwierigste Aufgabe: Ludwig van Beethovens "Hammerklaviersonate". Dafür erntete sie viel Lob (die KRZ berichtete): etwa von Artur Pizzaro von der BBC: "Ein absolut kolossales Konzert von einer absolut außergewöhnlichen Pianistin", urteilte er.

Mit ihrer neuen CD bleibt Rubinova bei Beethoven. Sie spielt überwiegend vernachlässigte Musik des Bonner Feuerkopfs. Auf ihrer CD präsentierte sie einen eigenen Beethoven, den Meister des Liedes, den Meister der Variation und den Meister der Klaviersonate. An "Die ferne Geliebte" lautet der berühmte Liederzyklus von Beethoven, Rubinova spielt die Bearbeitung des großen Pianisten Franz Liszt. Diesen Liedern gibt Rubinova eine romantische Note. Deutlich unbekannter sind zwei Variationszyklen: 6 Variationen D-Dur op. 76 und 12 Variationen über den Russischen Tanz aus Wranitskys Ballett "Das Waldmädchen". Das etwas polternde Thema aus op. 76 verfeinert die Pianistin beeindruckend.

Ihr Beethoven ist nicht so extrem wie der Michael Korsticks: Korstick spielt die langsamen Beethoven-Sätze sehr langsam und die schnellen sehr schnell. Es ist ein explosiver Beethoven. Anders bei Rubinova: Ihr Beethoven besitzt feinsinnigen Charme. Sie setzt auf geschmeidiges, ästhetisches Spiel. Es ist alles da: die Lyrik, die Dramatik, Beethovens Eigenwille. Rubinova musiziert ausgeglichen und klangschön, ruhig und gelöst. Zwei frühe Sonaten aus opus 10 hat sie ausgewählt: die in c-Moll und F-Dur. Letztere liefert sie prägnant ab, das übermütige Finale gelingt gestochen und vital. An diesem Beethoven kann man seine Freude haben.

Ludwig van Beethoven: An die ferne Geliebte. Klavierwerke. Evgenia Rubinova. Telos 2016.
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