array(29) { ["artikel_id"]=> string(9) "111033491" ["titel"]=> string(40) "Von kleiner Form zu höchster Virtuosität" ["untertitel"]=> string(121) "Evgenia Rubinova hat den dritten Abend beim diesjährigen Böblinger Pianistenfestivals gegeben - und ihr Publikum entzückt" ["vorspann"]=> string(362) "

Evgenija Rubinova ist aus den Programmen des Pianistenfestivals nicht wegzudenken. Fünf Konzerte absolvierte sie bereits im Rahmen der Reihe und sorgte jüngst mit einer Einspielung von Beethovens Hammerklavier-Sonate für Aufsehen. Am Freitag zeigte sie sich als berauschende Virtuosin und Meisterin der kleinen Formen.

VON BORIS BELGE

" ["redid"]=> string(2) "13" ["text"]=> string(4070) "

BÖBLINGEN. Wer sein Konzert mit Franz Liszts zweiter "Ungarischer Rhapsodie" beschließt, der möchte sein virtuoses Ausnahmetalent unter Beweis stellen. Evgenija Rubinova machte bei ihrer Wiedergabe keine Gefangenen, sondern inszenierte die Liszt'sche Magie in einer Art und Weise, wie sie dem Publikum den Atem nahm. Bis ins Äußerste gesteigerte Tempi sowie volle Souveränität in Extremlagen und technisch schier unmöglich zu realisierende Passagen waren aber nur der eine Grund für den stürmischen Applaus des Publikums zu Ende des Konzerts. Rubinova stellte auch in diesem "Schaustück" eine musikalische Intelligenz und Geschmeidigkeit unter Beweis, die sie von manchen Solistenkollegen unterscheidet.

Das Programmheft wetterte gegen eine "Klassikszene, wie sie durch populäre Hits und ihre mediale Verwertbarkeit dominiert wird". Nur so sei zu erklären, dass im Schatten monumentaler Beethovensonaten wie der Appassionata und der Waldstein-Sonate die Sonate Nr. 22 in F-Dur op.54 - zwischen den beiden erstgenannten entstanden - kaum zu hören sei.

Es braucht energische Präsenz undzugleich innere Ruhe

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die zweisätzige Sonate eine Herkulesaufgabe für die Interpretin bedeutet: Sie muss innerhalb kurzer Zeit den Spagat zwischen der "kleinen" Form des ersten Satzes und seinem scheinbar harmlosen Beginn und dem konzertant-virtuos-furiosen Schluss bewältigen, ohne sich in Ruhe in das Werk einspielen zu können. Letztlich braucht es da die energische Präsenz und gleichzeitige innere Ruhe Rubinovas, um eine solche Sonate erfolgreich aufzuführen. Die Wiedergabe war eine Sternstunde, in der Rubinova ihr Publikum auf eine musikalische Entdeckungsreise in das unbekanntere Ouevre Beethovens mitnahm.

Das galt auch für die beiden ersten Stücke des Abends. Vor allem Beethovens "variierte Themen über Volkslieder" op. 105 könnten allzu leicht als kassemachende Gelegenheitswerke eingestuft werden. Dem trat Rubinova entschieden entgegen, indem sie auf faszinierende Art und Weise unter Beweis stellte, was eine Variation leisten kann: Sie taucht ein scheinbar belangloses Thema immer wieder in andere Klangfarben, dreht und wendet es, bis seine ganze Kostbarkeit zum Vorschein kommt.

Die Pianistin machte aus dieser Aufgabe keine Pflichtübung, sondern fügte sich in den im 19. Jahrhundert üblichen improvisatorischen Geist, in dem das Ausprobieren und Variieren weit populärer und wichtiger war als im heute weitgehend erstarrten und auf wenige Werke fixierten klassischen Musikbetrieb. Gerade in schnellen Läufen, die ihre Spannung aus Gegenbewegungen und Synkopen bezogen, artikulierte sie teils so agogisch, dass man schon fast meinte, man hätte es mit hochkarätigster Jazzimprovisation zu tun. Ein großes Vergnügen.

Nach der Pause ein heißblütiger"Don Giovanni"

Diesen musikalischen Geist übertrug Rubinova nach der Pause auch auf Frédéric Chopins "Variationen über "Là ci darem la mano'" aus Mozarts Don Giovanni, mit der der Komponist als Jugendlicher für Furore gesorgt hatte. Gewiss, die Heißblütigkeit des jungen Virtuosen konnte Rubinova in aller gebotenen Deutlichkeit wiedergeben, aber auch hier tauchten über dem technisch-virtuosen Flimmern immer wieder musikalische Suchbewegungen auf, Akzente und Pointierungen, die zu einem vertieften Verständnis des Werks beitrugen.

Virtuosität ist bei Rubinova kein Wert an sich, sondern ein Mittel zum Zweck. Von der bescheidenen Zurückhaltung zeugten auch ihre kurzen Auf- und Abmärsche ans Klavier ebenso wie die Weigerung, außer einer kleinen Zugabe das Konzert zu verlängern. Das Böblinger Publikum quittierte jede einzelne Leistung mit stürmischem Applaus.

" ["datum"]=> string(19) "2016-01-25 04:33:01" ["datum_von"]=> string(19) "2016-01-25 04:34:12" ["daily_hash"]=> string(32) "c552c5f111787f3ba8b68704f73b0d00" ["prioritaet"]=> NULL ["ressort"]=> string(7) "Kultur:" ["ressort_id"]=> string(3) "121" ["rubrik"]=> string(6) "Kultur" ["rubrik_id"]=> string(3) "308" ["offen"]=> string(1) "0" ["keywords"]=> string(190) "Publikum, Beweis, Sonate, Beethovens, Don Giovanni, Präsenz, Ruhe, Evgenija Rubinova, Applaus, Geist, Pause, Art, Böblinger, Virtuosität, Pianistenfestivals, Konzert, Form, Wiedergabe, Weise" ["galerie_id"]=> string(1) "0" ["autor"]=> NULL ["video_id"]=> string(1) "0" ["dossier_id"]=> string(1) "0" ["vote_id"]=> string(1) "0" ["comments"]=> string(1) "0" ["importtyp"]=> string(1) "0" ["priokat"]=> string(1) "0" ["paid_epaper"]=> NULL ["paid_artikel"]=> NULL ["artikelAdZone"]=> NULL ["native_advertising"]=> string(1) "0" ["bilder"]=> array(1) { [0]=> array(8) { ["bild_gross_id"]=> string(10) "11727963_l" ["bild_mittel_id"]=> string(10) "11727963_m" ["bild_klein_id"]=> string(8) "11727963" ["bildunterschrift"]=> string(131) "Begeisterte ihr Publikum einmal mehr: Evgenia Rubinova im Württembergsaal der Böblinger Kongresshalle Foto: Thomas Bischof / Archiv" ["bild_breite"]=> string(3) "690" ["bild_hoehe"]=> string(3) "458" ["bild_rid"]=> string(2) "13" ["bild_groesse"]=> string(5) "46941" } } }
  • Von kleiner Form zu höchster Virtuosität

    Evgenia Rubinova hat den dritten Abend beim diesjährigen Böblinger Pianistenfestivals gegeben - und ihr Publikum entzückt

    Kultur Evgenija Rubinova ist aus den Programmen des Pianistenfestivals nicht wegzudenken. Fünf Konzerte absolvierte sie bereits im Rahmen der Reihe und sorgte jüngst mit einer Einspielung von Beethovens Hammerklavier-Sonate für Aufsehen. Am Freitag zeigte sie sich als berauschende Virtuosin und Meisterin der kleinen Formen.VON BORIS BELGEBÖBLINGEN. Wer sein Konzert mit Franz Liszts zweiter "Ungarischer Rhapsodie" beschließt, der möchte sein virtuoses Ausnahmetalent unter Beweis stellen. Evgenija Rubinova machte bei ihrer Wiedergabe keine Gefangenen, sondern inszenierte die Liszt'sche Magie in einer Art und Weise, wie sie dem Publikum den Atem nahm. Bis ins

WEITERLESEN?

  • Abonnement kaufen

    Mit Online-Abonnement oder -Upgrade den vollen Zugang zu Online-Artikeln und E-Paper.

    Zum Aboladen!
  • Tagespass kaufen

    24 h Zugriff auf alle Online-Artikel plus eine E-Paper-Ausgabe nach Wahl. Preis: 1,- Euro.

    Zugang kaufen!

Sie sind bereits Abonnent?


Schon gewusst?
Die KREISZEITUNG als E-Paper-App für Mobil-Geräte (Apple und Android)

  • originalgetreue Darstellung der Zeitung auf Tablet und Smartphone
  • optimierte Navigation und Bedienung mit Zoomfunktion uvm.
  • Offline-Lesefunktion zum Lesen ohne Internetverbindung
  • Textansicht mit skalierbarer Schriftgröße im Lokalteil
Die Apps für Apple- und Android-Geräte finden Sie hier:
Erfordert iOS-Version 7.0 oder neuer. Erfordert Android-Version 2.3.3 oder höher.
Fotogalerien lokal
Fotogalerie Kultur
Ortsnachrichten
  • leonberg weil aidlingen sindelfingen boeblingen ehningen gaertringen schoenaich steinenbronn holzgerlingen weilimschoenbuch altdorf-hildrizhausen nufringen herrenberg jettingen
Facebook
Kinonews
Wetter
Börse
  • DAX
    Chart
    DAX 12.696,00 +0,20%
    TecDAX 2.232,50 -0,58%
    EUR/USD 1,1409 +0,28%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation