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Zwischen Schwarzwald und Schwabenherz

Interkulturelles Training für Geflüchtete in Herrenberg brachte viele Erkenntnisse zur kulturellen Andersheit

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Artikel vom 08. Februar 2018 - 10:00

HERRENBERG (red). Ein grundsätzliches Verständnis für die Denkweisen und Haltungen der deutschen Gesellschaft zu vermitteln und Unklarheiten auszuräumen, war das Ziel eines interkulturellen Trainings für Flüchtlinge, organisiert vom Herrenberger Amt für Familie, Bildung und Soziales.

Der Alltag der geflüchteten Menschen in Deutschland ist stark durch ihren rechtlichen und sozialen Status geprägt und wird mal mehr, mal weniger von Orientierungslosigkeit und Zukunftsängsten begleitet. Gleichzeitig sehen sich die Geflüchteten mit einem ganzen Bündel fremder, ungewohnter Verhaltensweisen konfrontiert.

Das Kennenlernen und Verstehen dieser unbekannten Normen und Traditionen ist jedoch ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zur Integration und zu einem gelungenen Leben in der neuen Heimat. Dabei geht es nicht darum, die eigene Kultur abzulegen, sondern die in Deutschland geltenden und erwarteten Verhaltensweisen zu verstehen und zu erlernen.

An einem ganzen Wochenende übten die Geflüchteten aus dem arabischen Sprachraum die neuen Verhaltensweisen und ließen sich die Gepflogenheiten in Deutschland erklären. Um dem komplexen Thema gerecht zu werden, wurde das Training auf Arabisch durchgeführt, aber stets mit deutschen Begriffen wie Menschenwürde, Grundgesetz oder Kinderrechte untermauert.

Im Training wurden keine fertigen Rezepte und endgültigen Antworten geboten, sondern reflektierte Einblicke in die Kultur des neuen Landes gegeben, die Wahrnehmung für kulturelle Besonderheiten geschärft sowie die nicht verhandelbaren Werte der demokratischen Gesellschaft verdeutlicht.

Verhaltens- und Denkweisen im Alltag hierzulande neu einjustieren

Aus den familiär und religiös geprägten Beziehungen ihres Heimatlandes kommend, haben Geflüchtete einige Schwierigkeiten diese zentralen Orientierungsinstanzen an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Im umfassend geregelten und strukturierten deutschen Alltag gibt es nur wenig Raum für die mitgebrachten Denk- und Handlungsweisen. Zugleich muss die fremde Umgebung entziffert werden, damit man durch möglichst wenige "Benimmfehler" auffällt. Dies alles bedarf einer enormen Leistung eines jeden Kulturlernenden. Vieles kann erst durch regelmäßiges Tun und häufige Begegnungen mit deutschen Nachbarn verinnerlicht werden, vielleicht sogar die ungewohnte Pünktlichkeit und Zeitplanung.

Des Weiteren sind auch Geflüchtete nicht frei von Stereotypen, wie "in Deutschland sind alle gestresst, niemand hat Zeit". Genauso wundern sie sich über manche Dinge, die für die meisten Deutschen selbstverständlich sind: Bei roten Ampeln stehen bleiben, auch wenn kein Auto kommt. Oder mit dem Fahrrad unterwegs sein, obwohl man ein Auto hat.

Der Kultursprung ist zwar gewaltig, kann jedoch mit gutem Willen und Lernbereitschaft langfristig bewältigt werden. Und ein bisschen Humor schadet sicher nicht. Die am Beginn des Seminars dargestellte großräumige geographische Einbettung Herrenbergs zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb bewerteten die Kursteilnehmer als eine gute Lage - weil Alb auf Arabisch so klingt wie Herz.

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