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Teller mit brennender Kerze nach einer Bedienung geworfen

Landgericht Stuttgart verurteilt 26-Jährigen in zweiter Instanz zu fünf Monaten Haft auf Bewährung

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    Symblbild: Archiv

Artikel vom 12. Januar 2018 - 18:42

Von Bernd S. Winckler

HERRENBERG. Weil ein 26-Jähriger einen Glasteller mit einer brennenden Kerze nach einer Bedienung geworfen hatte, wurde er jetzt vom Stuttgarter Landgericht in zweiter Instanz zu fünf Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Am späten Abend des 21. Juli letzten Jahres hatte die Bedienung in einem Herrenberger Lokal am Reinhold-Schick-Platz den Zorn des Mannes auf sich gezogen, weil sie seinen Wunsch nach einer bestimmten orientalischen Musik aus dem Automaten ignoriert hatte. Daraufhin hatte er einen schweren Glasteller, auf dem sich eine brennende Kerze befand, nach ihr geworfen.

Die Frau erlitt durch das heiße Wachs Verbrennungen an den Armen sowie leichte Abschürfungen durch etwaige Glassplitter. Lebensbedrohend waren die Verletzungen aber nicht. Zwar sei die Kerzenflamme während des Wurfs verlöscht und hatte daher keinen Schaden angerichtet, dennoch hätte ein Feuer ausbrechen oder das Haar der Bedienung entzündet werden können, so das Gericht. Nach der Attacke war der 26-Jährige aus der Gaststätte geflüchtet, hatte sich aber am nächsten Tag bei der Kellnerin entschuldigt, betonte der Angeklagte.

In erster Instanz hatte das Böblinger Amtsgericht eine vollendete gefährliche Körperverletzung als erwiesen angesehen und den Mann zu fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. In der Berufungsinstanz vor dem Stuttgarter Landgericht begehrte der Angeklagte nunmehr einen Freispruch, weil er - wie er beteuerte - den Teller samt Kerze gar nicht geworfen habe. Die sei ihm nur versehentlich beim Vorbeilaufen heruntergefallen. Auch habe er nicht mitbekommen, dass die Frau dabei verletzt wurde. Ihn treffe somit keine Schuld. Allerdings gab er zu, dass er bereits betrunken in dem Herrenberger Lokal erschienen war: Zehn bis fünfzehn Glas Wodka habe er intus gehabt.

Eine unglaubwürdige Geschichte, befanden die Stuttgarter Richter, zumal Zeugen den Wurf bestätigten. Ein Zeuge sagte gar aus, dass der Angeklagte der Kellnerin auch ins Gesicht geschlagen hatte. Den erhofften Freispruch gab es nicht, allerdings wurde die Strafe nun zur Bewährung ausgesetzt. Der Grund: Das Opfer bestätigte, dass der Täter sich bei ihr am nächsten Tag entschuldigt und sie die Entschuldigung auch angenommen hatte.

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