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Busproblem: Weils Bürgermeister Lahl platzt der Kragen

Schultes Wolfgang Lahl aus Weil im Schönbuch ist ungehalten über das Landratsamt Böblingen

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Seit dem neuen Bus-Fahrplan laufen Schüler und Eltern in Weil im Schönbuch Sturm wegen gestrichener Linien (die KRZ berichtete). Nach Ferienende sind die Probleme nicht geringer geworden. Als ein für Donnerstag anberaumter Gesprächs- termin auf dem Landratsamt platzte, riss Bürgermeister Lahl der Geduldsfaden.

Artikel vom 13. Januar 2018 - 15:54

Von Hans-Dieter Schuh

WEIL IM SCHÖNBUCH. Über die Absage des Termins durch das Landratsamt ist Bürgermeister Wolfgang Lahl richtig sauer. "Die Elternvertreter und auch ich haben dafür kein Verständnis", so Lahl gegenüber der KREISZEITUNG. Zeit genommen für den Termin hätten sich nicht nur Elternvertreter aus Weil im Schönbuch für Schüler in Weil, Holzgerlingen und Böblingen, sondern auch die Ortsvorsteher aus Breitenstein und Neuweiler und die von den Bus-Kürzungen betroffenen Schulleitungen. Das Landratsamt hat den Gesprächstermin am Mittwochabend per E-Mail auf den kommenden Freitag verlegt, weil der Vertreter des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) den Termin aufgrund von Krankheit abgesagt habe. Das Landratsamt, so Pressesprecher Dusan Minic, bitte um Verständnis dafür, dass die Verkehrsfachleute in Böblingen den Versuch, eine Lösung zu finden, nicht ohne das Detailwissen des Fachmanns beim VVS machen wollte.

Ein Verständnis, das Lahl allerdings nicht unbedingt aufbringen wollte: "Wir verlieren wieder acht Tage." Denn er habe den Landkreis, der verantwortlich sei für den Öffentlichen Personennahverkehr im Kreis Böblingen, vor vier Wochen angeschrieben mit dem Angebot, bei einer Lösung zu kooperieren. In dem Schreiben habe er die Problematik anhand von Fahrplänen beziehungsweise der gestrichenen Linien aufgezeigt, um dann bei einem Gesprächstermin im Januar nicht die Probleme, sondern über Lösungen zu diskutieren. Aus diesem Angebot der Kooperation sei nun schlicht eine Forderung geworden, denn Lösungsmöglichkeiten hätte man bereits vor dem donnerstäglichen Gesprächstermin abstimmen können.

Der Ärger kocht mittlerweile weiter hoch. Und zwar gleich mehrmals am Tag. Eltern berichten gegenüber der Gemeindeverwaltung und auch gegenüber der Zeitung von kritikwürdigen Zuständen. Zum Beispiel ein Vater aus Breitenstein, der die Busabfahrt am Dienstagmorgen in Breitenstein in Richtung Gemeinschaftsschule Weil im Schönbuch beobachtet hat: "Der Bus kam bereits voll besetzt an. Ich bezweifle, dass für weitere Personen die Zulassung ausgereicht hat, zumal in Breitenstein etwa 20 Kinder zugestiegen sind. Die hintere Tür hat zunächst einen aufgesetzten Schulranzen eingeklemmt. Der Bus selbst sollte um 7.45 in Breitenstein abfahren und 7.56 an der Schule ankommen. Der Bus hatte bereits in Breitenstein neun Minuten Verspätung, so dass ein pünktliches Erreichen des Unterrichts auch heute nicht möglich war (Unterrichtsbeginn in Weil im Schönbuch: 8 Uhr)." Außerdem stimmen die Abfahrtszeiten von der Gemeinschaftsschule Weil nicht mehr mit dem Schulschluss überein: Der Bus fährt fünf Minuten zu früh ab.

Eine Beschreibung, wie sie auch Bürgermeister Lahl von anderen Eltern kennt. Und von der Schulleitung in Weil: "Die Schüler kommen jeden Tag zu spät an", kam bei ihm als Rückmeldung an. Beim Schönbuch-Gymnasium (SGH) und der Otto-Rommel-Realschule (ORR) in Holzgerlingen, die von Schülern aus Weil, Breitenstein und Neuweiler angesteuert werden wollen, ist das nicht anders. "Der Status quo vor Dezember sollte beibehalten werden", sagt Rektor Sebastian Schimmer vom SGH. Sein Kollege Christian Metzger von der ORR schließt sich an: "So, wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben", sagt er und wünscht sich die "Phantombusse" als Idealfall" zurück.

Die treuesten Fahrgäste dürfen nicht vergrault werden

Verbessert wurden nach Protesten relativ schnell lediglich die Bedingungen an der Schönbuchbahn: Der Landkreis ließ den Zweckverband als Betreiber morgens einen dritten Wagen anhängen, um die durch den Bus-Ausfall entstandene drangvolle Enge zu mildern. Wobei laut Aussagen von Nutzern die Bahn schon in den "guten alten Zeiten" vor Dezember mit drei Wagen fuhr. Verbessert wurde auch die Problemzone innerhalb Holzgerlingens, wo sich die Schüler aufgrund der gestrichenen Busse auf die relativ lange Fußstrecke vom Haltepunkt Bahnhof zu den Schulen machen mussten. Dort werden jetzt Shuttlebusse eingesetzt.

Dass jetzt von fünf Buslinien, die die Weilemer Schülerinnen und Schüler nutzten, bloß noch eine übrig ist, ist für Lahl "ein unhaltbarer Zustand". Der Bürgermeister geht ins Grundsätzliche: "Ich bin deshalb so angefressen, weil in dem angeblich reichsten Landkreis der Republik für alles Geld da ist, selbst für Nachtbusse, nicht aber für die Schüler." Lahl: "Es ist ein bildungspolitisches No-Go, dass es der Landkreis nicht schafft, die Schüler in akzeptabler Weise zur Schule zu bringen. Damit werden über kurz oder lang die treuesten Fahrgäste vergrault."

Ein betroffener Vater sagt es ähnlich: "Wenn man Grundschulkindern beibringt, dass der ÖPNV unzuverlässig und überfüllt ist, werden die Kinder dann als Erwachsene diesen als vollwertige Alternative sehen?" Ein anderer unterstellt gar Schlimmeres: Will man mit der Verschlechterung des Busverkehrs die Nutzer verprellen, um dann sagen zu können, leere Busse müssten gar nicht mehr finanziert werden?

Für Bürgermeister Lahl ist jedenfalls nicht verwunderlich, dass die Zahl der busfahrenden Schüler möglicherweise schon im Abnehmen ist - wie am Mittwochmorgen, wo zumindest im Bus zur Gemeinschaftsschule alle Platz fanden. Er vermutet, dass Eltern nach und nach Fahrgemeinschaften organisieren. Dies sei jedoch keine Lösung. Lahl: "Wir wollen es so haben, wie es vor dem 10. Dezember war."

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