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Die Kreisel-Zierde passt nicht ins Regel-Schema

Entwurf des Künstlers Fritz Mühlenbeck wird auf dem Holzgerlinger Rathaus einhellig goutiert

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    Der Kreisverkehr an der Altdorfer Kreuzung liegt so, dass die vier Äste nicht geradewegs auf die Mitte zielen – eigentlich dürfte dadurch ein Kunstwerk aus Glas keine Gefahr darstellen. Allenfalls aus Richtung Altdorf könnte man diese Gefahr am grünen Tisch sehen – an Ort und Stelle aber sorgt eine kleine Insel für eine Lenkbewegung nach rechts, also weg von einer gefahrvollen Kreiselmitte Foto: Martin Müller
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    Das Wesen Holzgerlingens in bunten Glasbildern: Fritz Mühlenbeck hat einen Entwurf für die Kunst im Kreisel an der Altdorfer Kreuzung geliefert Foto: red

Nackt und bloß liegt das Zentrum des Kreisels an der Altdorfer B 464-Kreuzung. Das soll aber nicht so bleiben: Holzgerlingen plant, das lang ersehnte Straßenbauwerk mit einem weithin sichtbaren Werk des Künstlers Fritz Mühlenbeck zu schmücken. Doch die Straßenbauverwaltung sperrt sich.

Artikel vom 28. Dezember 2017 - 18:36

Von Hans-Dieter Schuh

HOLZGERLINGEN. Gut ein Jahr ist es her, dass auf der Kreisverkehrsplatte, die die Ingenieure über die B 464 platzierten, die Fertigstellung des Straßenausbaus gefeiert wurde. Seitdem hat sich bei der notwendigen Beschilderung zwar etwas, aber noch längst nicht alles notwendige getan. Und auch das Innere des Kreisels hat sich allenfalls mit natürlichen Anpflanzungen - früher sagte man Unkraut - in Richtung Biotop entwickelt. Aber es gab und gibt Menschen, die sich über die Gestaltung des Kreisverkehrs am Ortseingang Gedanken machen. Zum Beispiel Bürgermeister Wilfried Dölker. Er ist an Fritz Mühlenbeck herangetreten, einen Künstler, der in den letzten Jahren einige Gebäude auf der Schönbuchlichtung mit seinen Werken aus Glas verschönert hat und in Holzgerlingen seit einigen Jahren Ausstellungsräume betreibt. Dölker fragte ihn, ob er nicht einmal einen Entwurf anfertigen könnte. Was Mühlenbeck getan hat.

Er zeigte seinen Entwurf im Technischen Ausschuss und auch im Gemeinderat und erntete im November ein einstimmiges Plazet. Wilfried Dölker verpasst dem Entwurf ihm die Note "gelungen", verbunden mit dem bürgermeisterlichen Auftrag an alle Beteiligte: es "sollte realisiert werden". Der Entwurf ist sozusagen ein typischer Mühlenbeck, wie man ihn in kleinerer Form einer Stele vor den Ausstellungsräumen in der Kerner Straße sehen kann. Das Werk soll zirka 3,50 Meter hoch werden mit drei schlanken, etwa eineinhalb Meter auseinander stehenden Baumsymbolen, an denen an Stahlseilen Glasscheiben befestigt sind mit den wesentlichen Herzensdingen des Städtchens in Sachen Kultur (Burg Kalteneck), Geschichte (Steinzeitfigur), Jugend (Schule), Verwaltung (Rathaus), Industrie (Luftbild) und Wappen der Stadt und der Partnergemeinden. Kosten für die Stadt: zirka 35 000 bis 45 000 Euro.

Freude an Farben

Wichtig ist Fritz Mühlenbeck die Freude an den Farben, die das Werk ausstrahlen soll. So wie man heute an der Stele in der Kerner Straße die Farbveränderungen sehen kann, wenn man sich bewegt und so die gelbe und die blaue Scheibe hintereinander geraten und zu Grün werden, so sollen künftig zumindest die Fußgänger sich an den Farbeffekten erfreuen können. Für die Autofahrer soll die Wirkung lediglich ein Lichteffekt sein.

Und genau da beginnen nun die Probleme. Denn die verantwortliche Straßenbauverwaltung am Regierungspräsidium macht strenge Auflagen bei Kreisverkehren außerhalb geschlossener Ortschaften, damit die Autofahrer durch die Gestaltung des Kreiselinneren nicht in Gefahr geraten. Mühlenbeck hat darauf schon reagiert, indem die tragenden "Bäume" nicht aus massivem Metall sondern aus geknickten und zusammengesetzten Blechteilen bestehen und die eigentlichen Glasbilder in Verbundglas einpackt werden, das im Falle eines Falles wie eine Autoscheibe zersplittert.

RP sagt nein zu dem Vorschlag

Doch das reicht nicht. Nach zwei Verkehrsschauen mit den Sicherheitsexperten und Vertretern der Stadt Holzgerlingen - die die dem Bund gehörenden Anlagen auf eigene Kosten pflegen wird - ist klar, dass niemand eine Lösung aus dem Ärmel schütteln kann. "Der jetzige Vorschlag kann nicht mitgetragen werden", ließ der Leiter des Baureferats am Regierungspräsidium, Andreas Klein, ausrichten. Es darf durch die Gestaltung "keine zusätzliche Gefährdung auftreten", erläutert Pressesprecher Matthias Kreuzinger, sprich das Kunstwerk muss einen "Fahrfehler verzeihen" können. Als problematisch wird vor allem der Kreisverkehrsast Richtung Altdorf angesehen, weil der aus Sicht eines Autofahrers noch am ehesten senkrecht auf die Kreisverkehrsmitte gerichtet und damit gefährlich ist. Außerdem ist man beim RP der Ansicht, dass die Straßenbaubehörde am Landratsamt eigentlich den Hut auf habe in dieser Sache.

Bürgermeister Dölker, in gut 30 Jahren gestählt im Ringen mit Bürgern und Behörden, hofft auf Gespräche im Januar, um Klarheit zu bekommen, "in welcher Form es gehen kann". Zu überlegen wäre beispielsweise, das Glaswerk ein Stück in Richtung Holzgerlingen zu versetzen. "Ich gebe nicht auf", versichert Dölker dem Berichterstatter, um noch ein Ja von allen Behörden zu bekommen. Gut vier Wochen hat er bis zu seinem offiziellen Abschied nach 32 Dienstjahren noch Zeit.

►Kommentar von Hans-Dieter Schuh

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