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Kalender 2018: Farbspiele und leise Lichtblicke

Der Tübinger Freizeitfotograf Werner Schaal legt erneut den Jahreskalender Schönbuch-Impressionen vor - KRZ verlost zehn Exemplare

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    Ein zauberhaftes Licht und eine Stimmung von großer Ruhe geht von der verschneiten Winterlandschaft aus - das Dezemberblatt im Jahreskalender der Schönbuch-Impressionen Foto: Werner Schaal

Vielleicht sogar noch eine Spur schmucker als sonst kommt der neue Jahreskalender Schönbuch-Impressionen daher, den der Tübinger Fotograf Werner Schaal nun bereits zum 18. Mal im Auftrag des Naturpark- Fördervereins vorlegt. Der Kalender ist wie immer vergriffen, doch die KRZ hat sich zehn Exemplare gesichert, die sie nun verlost.

Artikel vom 28. Dezember 2017 - 00:30

Von Martin Müller

KREIS TÜBINGEN / KREIS BÖBLINGEN. Es sind bezaubernde Licht- und Farbenspiele, die der Tübinger Hobbyfotograf eingefangen hat. Dabei von einer Tiefenschärfe und farblichen Abschattierung, die nur deshalb zustande kommen kann, weil der 65-Jährige sich das Prinzip der Mehrfachbelichtung zunutze macht. Die Kamera aufs Fotostativ geschnallt, werden Belichtungsreihen und bei Nahaufnahmen zudem noch unterschiedliche Schärfeebenen eingefangen, die Werner Schal dann später hinter dem Rechner mit Lightroom und Photoshop gewissermaßen übereinander legt. Heraus kommen nicht nur gestochen scharfe, sondern eben auch lichtdurchflutete Fotografien, die beinahe mehr zeigen, als es das menschliche Auge zu fassen vermag.

Beispiele gefällig? Da ist der goldene Herbstwald im Oktober beim Neckarhang. Die Herbstimmung im November - eine Komposition aus dunklen Zaunpflöcken, Rauhreif und Nebel. Oder die verschneite historische Lindenallee auf dem Einsiedel - ein Bild, das die tiefe Ruhe des Winterwaldes ausstrahlt. Nicht essbar, aber von hoher Appetitlichkeit leuchtet das Bild vom Orangenbecherling - einem Schlauchpilz, der schon im Frühsommer aus den Waldböden schießen kann.

Eine andere Serie von Kalenderblättern wiederum widmet sich den bezaubernden fotografischen Momenten, die eher den Schnellschuss und die kurze Belichtungszeit verlangen - für Mehrfachbelichtungen bleibt da schlicht keine Zeit. Da sitzt im Januar zum Beispiel die kecke Amsel auf einem Weißdornzweig und pflückt sich eine der herrlich rotleuchtenden Beeren - und es hat den Anschein, dass das Häufchen gefrorenen Schnees auf dem Zweig nun jeden Moment herunterpurzeln müsste. Ein Eichhörnchen turnt im April einen Baumstamm hinauf - und wirft dem Fotografen noch schnell über die Schulter einen kessen Blick zu. Und im September grüßt der Waldkauz mit seinen kugelrunden schwarzen Augen aus seiner Bruthöhle in die Fotolinse. Dabei weiß man nicht so recht, wer jetzt eigentlich kauziger und knorriger dreinschaut: die kleine Eulenart selbst oder der mächtige Eichbaumriese in seinem tief zerfurchten Borkenkleid. Und die zwei Rehe im Kirnrain spitzen die Ohren, also ob sie das Klackern des Auslösers aufgeschreckt hätte - im nächsten Moment sind sie sicher auf- und davongesprungen.

Großes Vogel- und Insektensterben vor der eigenen Haustür

Wie immer finden sich ganz hinten im Kalender zu jedem Monatsblatt einige erklärende Zeilen. Und Werner Schaal hat dort auch selbst zur Feder gegriffen und eine Art Nachwort hinterlassen. Die Zerbrechlichkeit seiner Fotografien wird da widergespiegelt in einigen nachdenklichen Sätzen des Bildautors: Eines Morgens im Mai erwacht er - und stellt fest, dass irgendetwas nicht stimmt: Er hört keine Vogelstimen mehr. Ein apokalyptisches Erwachen für den Tübinger: Es ist "der stumme Frühling, der uns von Naturschützern bereits in den 90er-Jahren vorausgesagt wurde, und von dem wir hofften, dass er niemals Wirklichkeit wird." Nach aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen, so Schaal, sind durch den Einsatz von hochwirksamen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft die Insektenbestände um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. "Für die Vogelwelt ist das dramatisch. Sie finden auf den gespritzten Feldern keine Nahrung mehr. Die Jungvögel verhungern im Nest oder die Altvögel beginnen erst gar nicht mehr mit der Brut." Einen Ausweg bietet für Schaal nur der ökologische Landbau mit dem Verzicht auf die giftige Spritzbrühe: An einigen Stellen des Naturparks - etwa an den Streuobsthängen des Schönbuchs - werde dies schon praktiziert.

Immerhin: ein leiser Lichtblick.

Im Lesershop der KRZ in der Böblinger Bahnhofstraße gibt es keine Exemplare mehr, die Kalender sind vergriffen. Doch zehn Glückspilze werden bei der Online-Verlosung der KRZ auf http://www.krzbb.de/gewinnspiel ermittelt. Auch Postzuschriften nehmen teil. Annahmeschluss: Dienstag, 2. Januar, 12 Uhr.

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