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Zu schnell: Fahrer des Mülllasters wird angeklagt

Staatsanwaltschaft Tübingen: Zu hohe Geschwindigkeit war Ursache des Unfalls, bei dem fünfköpfige Familie ausgelöscht wurde

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    Es war ein Fahrfehler: Am 11. August kippte ein Mülllaster in der Kurve auf einen VW Golf, in dem eine fünfköpfige Familie saß. Alle Insassen kamen ums Leben Foto: SDMG

Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat am Montag Anklage beim Landgericht Tübingen gegen einen 54-jährigen Mann aus Calw wegen fahrlässiger Tötung in fünf Fällen erhoben. Der Vorwurf: Der Mann war mit einem Mülllaster zu schnell gefahren. Der Unfall, bei dem eine fünfköpfige Familie ums Leben kam, war vermeidbar.

Artikel vom 22. November 2017 - 11:54

MÖTZINGEN/TÜBINGEN (red/hds). Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch bekanntgab, ist der Angeschuldigte nach bisherigen Erkenntnissen am 11. August mit dem Lkw seines Arbeitgebers vom Industriegebiet Wolfsberg kommend auf der Graf-Zeppelin-Straße in Nagold unterwegs gewesen. Bei dem Lkw handelte es sich um einen Müllwagen mit Haller-Aufbau und einem Gewicht von rund 20 Tonnen. Nachdem der 54-Jährige zunächst auf der Gefällestrecke mit angepasster Geschwindigkeit gefahren war, beschleunigte der Lkw vor der gut einsehbaren und übersichtlichen Linkskurve kurz vor der Einmündung zur L 361. Der Angeschuldigte soll hierbei zu spät erkannt haben, dass diese Linkskurve mit der gefahrenen Geschwindigkeit von rund 50 km/h nicht befahren werden konnte, so dass der Lkw vorhersehbar und vermeidbar außer Kontrolle geriet.

Beim Einfahren in die L 361 versuchte der Fahrer, das Fahrzeug nach rechts Richtung Mötzingen zu steuern, wobei der Lkw aber aufgrund der für den Einbiegevorgang zu hohen Geschwindigkeit nach links auf die Gegenfahrbahn abdriftete, wo er zur linken Seite kippte und auf einen aus Richtung Mötzingen kommenden VW Golf fiel. Die fünf Insassen des Wagens verstarben noch an der Unfallstelle infolge der schweren Verletzungen. Darüber hinaus erlitt der 26-jährige Beifahrer des Angeschuldigten Prellungen und Schnittwunden.

Die Staatsanwaltschaft geht aufgrund der Ermittlungen und insbesondere des unfallanalytischen Gutachtens davon aus, dass diese schweren Folgen für den Angeschuldigten vorhersehbar und vermeidbar gewesen wären, wenn er die Linkskurve mit einer angepassten Geschwindigkeit von 30 km/h befahren hätte.

Insbesondere konnte der Sachverständige bei den umfangreichen technischen Untersuchungen keine Mängel an dem Lkw feststellen, die das Unfallgeschehen erklären könnten. Vielmehr habe sich die Bremsanlage in einem technisch einwandfreien Zustand befunden und Mängel im Bereich der Bremsen konnten ausgeschlossen werden. Laut dem Sachverständigem ist der Lastwagen in einem sehr guten Zustand gewesen und es seien auch keine Fehler, die auf ein selbsttätiges Beschleunigen des Lkw schließen ließen, feststellbar gewesen. Es verbleibe, so das Fazit des Gutachtens, ein Bedienfehler des Fahrers als Unfallursache.

Darüber hinaus ergaben die Ermittlungen keine Hinweise auf körperliche Mängel bei dem Angeschuldigten. Auch eine alkoholische Beeinflussung des Fahrers lag nicht vor.

Der Angeschuldigte hat im Ermittlungsverfahren technische Mängel als Unfallursache angeführt. Einzelheiten hierzu bleiben der Aufklärung in der Hauptverhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Tübingen vorbehalten.

In rechtlicher Hinsicht wertet die Staatsanwaltschaft Tübingen die Tat als fahrlässige Tötung in fünf tateinheitlichen Fällen (§ 222 StGB) in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung (§ 229 StGB). Das Strafgesetzbuch sieht hierfür einen Strafrahmen von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe vor. Da es bei der Anklage wegen fahrlässiger Tötung in diesem Fall keine Haftgründe gebe, bleibt der 54-Jährige bis auf Weiteres auf freiem Fuß, so Presse-Staatsanwältin Tatjana Grgic.