Anzeige

Telefonzelle als Bücherschrank? Nicht ohne meine Telekom!

Gärtringen hätte gerne die letzte Telefonzelle umfunktioniert - Direkte Übernahme geht aber nicht

  • img
    Gärtringens letzte Telefonzelle wird von der Telekom abgebaut. Ausrangierte Stücke müssen aus Berlin bezogen werden / Foto: red

Artikel vom 10. November 2017 - 14:36

Von Werner Ruess

GÄRTRINGEN. Die Gemeinde Gärtringen würde gerne ihre letzte öffentliche Telefonzelle an der Ecke von Schmied- und Bismarckstraße behalten - und sie ganz unkompliziert in einen öffentlichen Bücherschrank verwandeln. Doch das geht nicht so einfach - die Telekom stellt sich da nämlich quer. Was für einiges Kopfschütteln bei den Gemeinderäten sorgte.

"Die steht leer und das Kabel hängt raus." Mangels Frequenz habe sich die Telekom auch bei dieser letzten verbliebenen Zelle zur Stilllegung und zum Abbau entschlossen, teilte Hauptamtsleiter Norbert Sünder auf eine Anfrage von Dr. Peter Heinkele (CDU) mit. Die Gemeinde habe zwar aus Gründen der Nahversorgung widersprochen, aber kein Gehör gefunden. Da sei ihm, so Sünder, anlässlich der kürzlich erfolgten Einweihung der Gemeindebücherei der Gedanke gekommen, die Telefonzelle - wie schon in anderen Gemeinden praktiziert - als Ableger der Bücherei zu nutzen.

Platz für ausgemusterte Exemplare aus der Gemeindebücherei

Warum nicht also aus der Telefonzelle einen öffentlichen Bücherschrank machen, in den Bücher hineingestellt werden, die bei der Ausleihe nicht mehr gefragt sind, und die dann zur freien Mitnahme angeboten werden. Schließlich sei eine Telefonzelle stabil und wettergeschützt und könne mit Regalen bestückt werden, so Sünders Argumentation.

Deshalb habe er sich an einen mit dem Abbau der Telefonzelle beauftragten Telekom-Mitarbeiter in Tauberbischofsheim gewandt, doch das sei die falsche Adresse gewesen. Die richtige sei die Telekom in Berlin, sei ihm gesagt worden. Auf die Anfrage dort habe man ihm mitgeteilt, dass die Gemeinde die Telefonzelle grundsätzlich zum Preis von 450 Euro erwerben könne. Allerdings nicht die, die vor Ort steht. Sondern nur direkt in Berlin und für den Transport aus der Bundeshauptstadt ins Gäu müsse dann auch noch gesorgt werden: entweder selber holen oder eine Spedition beauftragen.

Nur ein magentafarbenes Modell aus Berlin liegt drin

"Das kann's doch wohl nicht sein", sagte sich Sünder, da komme der Transport ja teurer als die Zelle. Also schrieb er nochmals nach Berlin, dass die Gemeinde Gärtringen bei einer direkten Übernahme hier vor Ort auf jede Gewährleistung der Telekom verzichte. "Aber auf dieses Schreiben habe ich noch keine Antwort erhalten," so Sünder im Gemeinderat.

Gestern gegen Mittag kam sie dann. Ihm sei mitgeteilt worden, dass man die gelben Zellen grundsätzlich nicht erwerben könne. Die würde, so sei ihm erklärt worden, als Ersatzteillager für die anderen alten Zellen genutzt. Aber ein magentafarbenes Exemplar könne man erwerben für 450 Euro - plus Transport aus Berlin. Das müsse man sich nun überlegen, so Hauptamtsleiter Sünder.

Verwandte Artikel