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Seit der großen Flüchtlingswelle, die im Jahre 2015 nach Deutschland schwappte, will die Entwicklungshilfe mehr darauf abzielen, die Lebensumstände zu verbessern, um die Menschen von der Flucht aus ihrer Heimat abzubringen. Als "Hilfe zur Selbsthilfe" beschreibt der ehemalige Entwicklungshelfer Karl Weis das Konzept, mit dem er bereits Ende der 70er Jahre in Kenia in Afrika arbeitete. Das bedeutet, in Krisenherden wie Pakistan, Afghanistan oder auch Kenia Perspektiven zu schaffen, indem Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstätten gebaut werden. Und so die Fluchtursachen sozusagen im Keim zu ersticken. Um eine seiner Wirkungsstätten zu besuchen, reiste der 75-Jährige Holzgerlinger erst im Januar wieder ins knapp elftausend Kilometer entfernte Kenia.

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HOLZGERLINGEN. Sechzehn Mal hat Karl Weis die weite Welt bereist. Heute blickt er gerne auf seine zahlreichen Hilfsprojekte in Afrika und Asien zurück. Der aus der Oberpfalz stammenden Rentner absolvierte nach der Bundeswehr eine Lehre zum Kraftfahrzeugmechaniker. Und wie kam es zu dem Schritt zur Entwicklungshilfe? "Über meine Arbeit als Kfz-Mechaniker wurde ich 1966 für ein Projekt nach Indien berufen", erzählt Weis. Bereits auf dem Schiff von Amsterdam nach Bombay, dem heutigen Mumbai stellte sich allerdings heraus, dass das Projekt abgesagt werden musste. "Und weil ich ja irgendwo unterkommen musste, landete ich auf einer Farm", erklärt Weis. Die Farm war damals im Rahmen der grünen Revolution entstanden und beherbergte die erste Universität im Landwirtschaftssektor, die U.P. Agriculture University Pantnagar im nordindischen Distrikt Nainital. Dort war Weis für die sportlichen und sozialen Aktivitäten der auf der Farm lebenden Studenten zuständig.

"Ich habe immer schon gerne mit Menschen gearbeitet"

Zurück in Deutschland bereitete sich Weis bereits auf neue Projekte in der Entwicklungshilfe vor. Der Eifer hatte ihn gepackt. "Ich habe einfach schon immer gerne mit Menschen gearbeitet", erklärt der 75-Jährige. Nachdem er sich dann doch vorerst seinem Beruf als Kfz-Mechaniker widmete und den Meister daraufsetzte, ging es für ihn wieder an die Uni. In Köln studierte er Pädagogik und spezialisierte sich später Richtung Jugend- und Erwachsenenbildung. Sein Schwerpunkt lag dabei auf dem Technologietransfer in Entwicklungsländer.

Bevor Karl Weis sein neu erlerntes Wissen in der Praxis anwendete, war er von 1975 an drei Jahre als Referent für entwicklungspolitische Bildungsarbeit tätig. "Um die Probleme der Dritten Welt mehr ins Bewusstsein unserer Bevölkerung zu bringen", beschreibt Weis seine Tätigkeit bei der Akademie Klausenhof im Landkreis Wesel. Anschließend reiste der Pädagoge 1978 für vier Jahre nach Kenia, um mit der Karl-Kübel-Stiftung, Bensheim, am Gemeinwesen-Entwicklungsprojekt in Kandara zu arbeiten. Ziel des Projekts war es, der Landflucht entgegenzuwirken, indem in ländlichen Regionen Infrastruktur geschaffen wurde. Dabei ging es vor allem darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Die Ausbildungsstätten, Colleges, Schulen, Kindergärten und Läden sollten möglichst bald ohne weitere Hilfe von außen auskommen.

1992 ging Weis für zwei Jahre für ein ökumenisches Projekt der Diakonie und Caritas im Rahmen der Katastrophenhilfe nach Mogadischu in Somalia. Die Arbeit mit der Katastrophenhilfe beschreibt Karl Weis als das spannendste Projekt: "Wir mussten unsere eigene Sicherheit immer selbst organisieren", erklärt der Pensionär. Danach flog er für zwei Jahre für ein "Human Development Project" der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) nach Quetta in Pakistan. Um die Hilfe im Südsudan zu organisieren arbeitete er 1997 für die Welthungerhilfe und für die Johanniter in Rumbek, Nordkenia.

Das dortige Projekt sollte sein Letztes sein: Karl Weis erkrankte an Malaria, einem Tropenfieber. Den Job in der Entwicklungshilfe hängte er an den Nagel und arbeitete gelegentlich noch als Golflehrer in Urlaubsressorts in Griechenland und Mallorca. Dennoch reiste Weis im Jahre 2008 auf Wunsch eines Freundes beim deutschen Entwicklungsdienst (DED) nach Afghanistan. Der damals 66-Jährige absolvierte einen Kurzeinsatz über drei Monate in Mazar-e Sharif, Kunduz und Faizabad. Er half mit, ein Berufsbildungszentrum und Kraftfahrzeugwerkstätten aufzubauen. Zu der Zeit war die Bundeswehr zur Stärkung der zentralen Regierung und zum zivilen Wiederaufbau in Kunduz stationiert gewesen.

"Friedensdienst" statt Wiedereinführung der Wehrpflicht

In Wirkungsstätten der Organisationen, mit denen Karl Weis arbeitete, kehrt er auch heute noch gerne zurück. Erst im Januar hat er den afrikanischen Kontinent erneut bereist. Und das soll nicht die letzte Reise gewesen sein. Er plant derzeit, künftig die Wintermonate im deutlich wärmeren Kenia verbringen. "Überwintern", nennt er das. So wie die Vögel. In den in Zentralkenia liegenden Dörfern Kiruara, Ndunyu Chege und Kagunduini entstanden mit Hilfe der Karl-Kübel-Stiftung Grundschulen, Kindergärten, Ausbildungszentren, Colleges, Unterkünfte für Studenten, Gartenanlagen und Lebensmittelläden. Zudem gibt es dort heute eine Milchsammelstelle, die die Milch der Bauern nach Nairobi in die Molkerei bringt. Und die Jugendlichen lernen in Computerwerkstätten, mit EDV-Programmen umzugehen.

Der ehemalige Entwicklungshelfer ist begeistert vom Engagement und der Anerkennung der kenianischen Regierung. "Es ist ein Riesenerfolg, dass der Staat die Möglichkeiten, die wir für das College in Ndunyu Chege geschaffen haben, gesehen hat und sie nutzte, um dort ein College zu errichten", so Karl Weis. Die Bildungseinrichtung besuchen heute 200 Studenten.

Weis verurteilte den Militäreinsatz im Afghanistankrieg. Mit fremden Truppen könne in Afghanistan nicht für Frieden gesorgt werden, ist sich der 75-Jährige sicher. Von Waffenexporten hält Weis deshalb gr nichts. "Es ist eine Schande, dass Deutschland Waffen exportiert, vor allem in Länder wie Saudi-Arabien", sagt Weis. Die Bundeswehr hält er für das völlig falsche Instrument, um Entwicklungshilfe und Wiederaufbau zu leisten. Und schlägt daher statt der Wiedereinführung der Wehrpflicht einen sogenannten Friedensdienst vor. Um Entwicklungsarbeit zu unterstützen und Leid und Not in anderen Teilen der Welt zu vermindern, solle jeder Bürger einmal im Leben für zwei Jahre in Entwicklungsländern und Katastrophengebieten mit anpacken. "Dadurch können die Fluchtursachen in den Ländern bekämpft und Perspektiven geschaffen werden", argumentiert Karl Weis.

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Von Chiara Sterk

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    Karl Weis aus Holzgerlingen macht sich Gedanken über erfolgreiche Projekte und Bekämpfung von Fluchtursachen

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