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Treuer Mitarbeiter mit großem Erfindergeist

Alfred Dengler aus Deckenpfronn steht seit 50 Jahren in Diensten des Mercedes-Benz-Werks Sindelfingen

Artikel vom 18. November 2017 - 01:00

SINDELFINGEN (red). An seinen ersten Tag im Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen erinnert sich Alfred Dengler noch ganz genau. Mit 14 Jahren trat er das erste Mal durch das Werktor und begann eine Ausbildung als Bauschlosser. Das ist über 50 Jahre her. In diesem halben Jahrhundert hat der heute 64-Jährige zahlreiche Veränderungen, Wendepunkte und Entwicklungen im Werk miterlebt und durch seinen Erfinder- und Forschergeist selbst einen Teil Unternehmensgeschichte geschrieben.

Musik spielte während Alfred Denglers 50-jähriger Firmenzugehörigkeit durchgehend eine wichtige Rolle. Bereits als Lehrling trat er dem Chor bei und hatte zu verschiedensten Anlässen zahlreiche Auftritte im Werk. Während das Farbfernsehen in die Haushalte Einzug hielt und die Hippie-Bewegung auf ihren Höhepunkt zusteuerte, gründete Dengler gemeinsam mit seinen Kollegen die Band "Blue Stars". "Wir spielten die Hitparade rauf und runter und das halbe Werk kam zum Tanz", erinnert sich der 64-Jährige. In der Fertigungshalle dagegen gab der Ausbildungsleiter in strengem Ton den Takt an. Bei der Arbeit mit dem heißen Eisen, dem Vorschlagsschmieden, zeigten sich Denglers Geschick und Zielstrebigkeit.

Im Jahr 1970 schloss Dengler seine Ausbildung mit Auszeichnung ab und wurde Versuchsmechaniker für Oberflächentechnik. In der Werkstatt für Verfahrensentwicklung konnte er experimentieren und seinem Forschergeist freien Lauf lassen. Er widmete sich vor allem der Applikationstechnik der Hohlraumkonservierung. Dabei bedarf es des Einsatzes spezieller Düsen und einer sicheren Dosiertechnik, um alle Hohlräume gezielt bei jeder Karosserie zu beschichten. Seine Ideen zur Verbesserung des Prozesses überzeugten, nicht zuletzt durch sein großes zeichnerisches Talent. Er reichte insgesamt neun Patente ein, von denen sechs angenommen und umgesetzt wurden.

Einer der Höhepunkte seiner beruflichen Laufbahn bei Mercedes-Benz war die Beteiligung an der Entwicklung der ersten teilautomatisierten Hohlraumkonservierungsanlage, die in der Automobilbranche jahrelang federführend war. "Die Technik hat sich durchgesetzt und weiterentwickelt, darauf bin ich heute noch sehr stolz", so Dengler. 1979 war Daimler der erste Hersteller, der in der Lackierung gezielt und dosiert bei allen Fahrzeugen Hohlräume beschichten konnte. Knapp 20 Jahre später stand im Werk Sindelfingen die weltweit erste automatisierte Hohlraumkonservierungsanlage. Auch die heute gängige Pistole zur Beschichtung von Oberflächen ist eine Weiterentwicklung von Alfred Denglers 1988 erfundener Codierpistole zur manuellen Applikation.

Die fortschreitende Entwicklung der Technik veränderte im Laufe der vergangenen 50 Jahre auch den gesamten Arbeitsalltag des Mercedes-Benz-Mitarbeiters. In den 80er Jahren kamen die ersten Computer auf den Markt und Roboter erhielten Einzug in das Werk. Alfred Dengler hält Schritt und entwickelt weiter flexible Werkzeuge für die Automatisierung. Sein Rat für die moderne Arbeitswelt lautet dennoch: "Redet lieber miteinander, bevor ihr hunderte Mails schreibt."

Im Sommer 2018 wird Alfred Dengler in Rente gehen. Ruhestand wird es nicht werden, so viel ist sicher. Vor allem der neu erworbene Oldtimer Feuerwehr-Unimog und das Engagement im Motorsportclub Herrenberg sowie die Musik werden dabei eine Rolle spielen. Alfred Dengler hat eine besondere Verbindung zum Werk. Auch sein Vater und seine Onkel waren hier tätig. Die nächste Generation wird durch seinen Sohn Christof vertreten, der ebenfalls seine Ausbildung in Sindelfingen absolvierte und die Tradition somit fortführt.

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