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Energie aus Müllmeiler hält Fernwärmepreise stabil

Stadtwerke Sindelfingen GmbH hat seit ihrer Gründung 50 Kilometer Wärmeleistungen verlegt - Neues Preisgefüge für Tarifkunden - Glasfaserausbau läuft

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    Der Energietunnel unter der Rudolf-Diesel-Straße: Durch diese Rohre zapfen die Stadtwerke Fernwärme aus dem Heizkraftwerk auf dem Gelände des Daimler-Werks ab Fotos: red (3), Thomas Bischof (2)

Der Ausbau der Fernwärme sei der einfachste Hebel, um fossile Brennstoffe zurückzudrängen, sagt Dr. Karl Peter Hoffmann, der Geschäftsführer der Stadtwerke Sindelfingen GmbH. Das Unternehmen hat gerade seine Preisstruktur für die Fernwärme umgebaut, was mit Preissenkungen für die Tarifkunden verbunden ist.

Artikel vom 12. November 2017 - 06:59

Von Werner Held

SINDELFINGEN. Als die Stadtwerke Sindelfingen 1998 vom städtischen Eigenbetrieb zur GmbH wurden, gab es lediglich kleine Fernwärmeinseln. Doch das neu formierte Unternehmen klemmte sich schnell hinter den Ausbau dieser umweltfreundlichen Art der Energieversorgung. Heute durchziehen rund 50 Kilometer Fernwärmeleitungen die Stadt, die sich zu einem veritablen Netz gemausert haben. Die Wärme stammt zum Teil aus eigenen Blockheizkraftwerken. Zu größeren Teil nutzt das Unternehmen Abwärme des Restmüllverbrennungsanlage in Böblingen und aus dem Daimler-Kraftwerk. "Wir haben in den vergangenen 15 Jahren 40 Millionen Euro in den Netzausbau investiert", sagt Gebhard Gentner, der zusammen mit Hoffmann an der Spitze der Stadtwerke steht.

Jahr für Jahr listet die Geschäftsführung auf, wie viel Kohlendioxid durch ihre Arbeit eingespart worden ist. Von den 50 000 Tonnen, die da 2016 zu Buche stehen, entfallen 25 000 Tonnen auf die Fernwärme. Gentner sieht noch ein erhebliches Wachstumspotenzial bei diesem Geschäftsfeld. "Je teurer Öl und Gas werden", sagt er, "desto bessere Vertriebschancen haben wir, da die Wärme aus der Müllverbrennung unseren Preis stabil hält." Dass durch den Streit über die Fernwärmepreise in Böblingen auf diese Energieart gerade ein schlechtes Licht fällt, bedauern Hoffmann und Gentner.

Deshalb haben die Stadtwerke bei der Überarbeitung ihres Preisgefüges für die Tarifkunden "noch genauer" hingeschaut, "als wir das ohnehin tun". Seit dem 1. Oktober 2017 beträgt der Arbeitspreis 8,94 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Der Grundpreis liegt bei einem Anschlusswert bis zu 10,0 kW bei 119,40 Euro. Für jedes weitere Kilowatt Wärmeleistung darüber hinaus fallen 20,59 Euro an. Der Mess- und Abrechnungspreis beträgt 72,59 Euro im Jahr. Gentner und Hoffmann versichern, dass kein Kund mehr bezahlen müsse als bisher. Ganz im Gegenteil: "Die Preise sinken durchschnittlich um fünf Prozent." Künftig werden sie jedes Jahr nach einer von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gutgeheißenen Formel der Kostenentwicklung angepasst. Erstmals passiert das in Sindelfingen zum 1. Januar 2019.

Betroffen von dieser Neuordnung sind die etwa 410 Tarifkunden, die die Stadtwerke in Maichingen und Darmsheim haben. An sie gehen weniger als zehn Prozent der Wärmeleistung. Den überwiegenden Teil der Fernwärme nehmen rund 300 Großkunden ab. Das sind öffentliche Einrichtungen, Schulen, Wohnkomplexe, Einkaufszentren, die extra Verträge mit entsprechenden Preisanpassungsklauseln haben. Das sind vor allem jene Liegenschaften, die in den vergangenen 15 Jahren auf Fernwärme umgestellt haben. Mit jedem dieser Großkunden haben die Stadtwerke ihr Leitungsnetz weiter ausgebaut.

Straßenzug um Straßenzug bauen die Stadtwerke auch ihr Glasfasernetz aus. Seit dem Start auf dem Flugfeld 2008 mit 1390 Kunden sind weitere knapp 1000 in Darmsheim, in den Landhaussiedlung, in den Allmendäckern, in Böblingen ("Wohnen am Stadtgarten") und in Grafenau ("Neue Mitte") hinzugekommen. 75 Kilometer Glasfaser sind in den Straßen verlegt, auf 40 Kilometer summieren sich die Hausanschlüsse. Karl Peter Hoffmann bezeichnet die DSL-Versorgung in Sindelfingen manchen Unkenrufen zum Trotz als "gut bis zufriedenstellend". Doch sei sie ausbaufähig und vor allem dort, wo alte Kupferkabel liegen, nichts für die Zukunft. "Flächendeckender Glasfaserausbau ist alternativlos", sagt Hoffmann. Man müsse nicht wie Ludwigsburg 60 Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Stadt in die digitale Zukunft zu katapultieren, aber man müsse konsequent sich bietende Chancen nutzen. "Wo immer wir ohnehin Leitungen austauschen müssen, legen wir auch gleich Glasfaser rein", erklärt Hoffmann. Wenn Anlieger von Ausbaustrecken die Bauarbeiten sehen, kämen sie oft auf die Stadtwerke zu. "Der Bagger", sagt der Geschäftsführer lachend, "ist ein guter Akquisiteur."

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