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Bundestagswahl 2017: Unterwegs mit Grünen-Kandidat Tobias Bacherle

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Facebook, Instagram, Twitter, YouTube: Der Grünen-Bundestagskandidat Tobias Bacherle ist in allen Sozialen Medien präsent. Im Wahlkampf beschäftigt er sogar einen eigenen Kameramann. Sebastian Brandt dokumentiert Bacherles Auftritte und stellt aufgearbeitete Häppchen von dessen Aktivitäten ins Netz.

Artikel vom 12. September 2017 - 15:00

Von Werner Held

SINDELFINGEN. Samstagvormittag, Sindelfinger Marktplatz. Tobias Bacherle kommt aus Leonberg. Seine Sindelfinger Parteifreunde warten an ihrem Stand bereits auf ihn. Die Landtagsabgeordnete Thekla Walker begleitet den Bundestagskandidaten. "Er hat mir mit seinen neuen Ideen in meinem Wahlkampf sehr geholfen", sagt die Frau, die 2016 den Landtagswahlkreis Böblingen gewann. "Jetzt helfe ich ihm." Eine große Hilfe wäre zunächst einmal ein Kaffee. Thekla Walker verschwindet in der Holanka-Bar und kehrt kurz darauf mit zwei Cappuccino zurück.

Da hat Elizabeth Geisser den 22-jährigen Studenten der Politik- und Islamwissenschaft bereits in ein Gespräch über Flüchtlinge verwickelt. Sie geißelt, dass Innenminister Thomas de Maizière den Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus weiter aussetzen will; das laufe der Forderung des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte zuwider. Bei Tobias Bacherle rennt sie mit dieser Haltung offene Türen ein. Er hält die Position de Maizières nicht nur aus humanitären, sondern auch aus politischen Gründen für ein Unding: "Integration kann doch nicht gelingen, wenn die Familie eines Flüchtlings in einem anderen Land und möglicherweise in Gefahr ist!"

Sebastian Brandt hat seine Sony-Kamera gezückt und hält in bewegten Bildern fest, wie Kandidat Bacherle mit den Menschen diskutiert. Der 30-Jährige hat gerade sein Online-Management-Studium abgeschlossen. Die Begleitung Bacherles ist sein erster Job. Brandt schneidet aus dem Rohmaterial kurze Clips, die der grüne Wahlkämpfer alle ein, zwei Tage auf seine Homepage oder auf YouTube stellt. Mit den Sozialen Medien, sagt Bacherle, erreiche er zielgenauer die Menschen, die sich vorstellen könnten, grün zu wählen, als mit Plakaten, Anzeigen oder bei Hausbesuchen. Allein den Clip, in dem er Omid Nouripour, den außenpolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagfraktion interviewt, hätten bei einem Drehaufwand von einer Dreiviertelstunde 6000 Leute gesehen.

Doch allein auf die Sozialen Medien stützen will Bacherle seinen Wahlkampf nicht. Den Wirkungsgrad von traditionellen Medien hat er anfangs gehörig unterschätzt. Er konnte sich beispielsweise nicht vorstellen, wie viele Menschen die Amtsblätter der Gemeindeverwaltungen lesen. "Das war eine spannende Lektion für mich." Seit er sie gelernt hat, taucht das, was im Netz steht und ihm wichtig ist, auch in den Bleiwüsten der Gemeindeblätter auf. SWR Aktuell hat Bacherle in einer Serie über junge Bundestagkandidaten porträtiert. "Auf diesen Beitrag haben mich wahnsinnig viele Menschen angesprochen", schildert der Jungpolitiker ein weiteres Aha-Erlebnis. Auch das gute, alte Fernsehen taugt offenbar noch dazu, den Bekanntheitsgrad eines Kandidaten zu steigern - wenn auch vorwiegend in der älteren Generation.

Bei Doppelresidenz-Modell muss er passen

"Ich würde gerne mit Ihnen über das Doppelresidenzmodell sprechen", geht Johannes Fels auf den Grünen-Kandidaten zu. Fels setzt sich dafür ein, dass die Kinder getrennt lebender Paare gleich lange bei beiden Elternteilen leben. Er erwischt Bacherle auf dem falschen Fuß, was dieser auch unumwunden zugibt. Doch er verspricht, sich in das Thema zu vertiefen und nachzulesen, wie die offizielle Haltung seiner Partei in diesem Punkt ist. "Man kann nicht von alles eine Ahnung haben", sagt der 22-Jährige trocken.

Außer dem Flüchtlingsthema wird Tobias Bacherle bei fast jedem Zusammentreffen mit Wählern auf die Mobilitätspolitik der Grünen angesprochen. "Viele meinen, wir wollten Autos verbieten", berichtet er von tiefsitzenden Ängsten in einer automobilen und von Fahrzeugbau stark abhängigen Region. Doch die Grünen, erklärt Bacherle ein ums andere Mal geduldig, würden sich lediglich für emissionsfreies Autofahren einsetzen, und wollen das mit anderen Mobilitätskonzepten verbinden. "Daraus entwi-ckeln sich dann oft spannende Diskussionen", sagt Bacherle.

Jetzt aber ist er bei einem ganz anderen Thema gefragt. Zwei Männer möchten wissen, wie die Grünen das Rentenproblem lösen wollen. Von der Rente kommt das Gespräch auf die Krankenversicherung und schließlich auf prekäre Arbeitsverhältnisse, Mindestlohn, Überstunden.

Als sich die Unterhaltung im Kreise zu drehen beginnt, versucht Tobias Bacherle sie zu beenden. Er zeigt auf Sebastian Brandt und sagt lachend: "Ich möchte nicht, dass mein Kameramann Überstunden leisten muss."

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