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Sindelfingen entschlammt den Eisweiher

Kosten für die Sanierung des Eisweihers in der Freizeitanlage am Goldbach in Sindelfingen sind auf über eine Million Euro gestiegen

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    Halb abgelassen präsentiert sich der Eisweiher in der Freizeitanlage Goldbach derzeit. Foto: Ruchay-Chiodi

Über eine Million Euro hat die Stadt für die Entschlammung des Eisweihers am Goldbach veranschlagt. Darin enthalten sind die Kosten für die Neugestaltung des Grünbereichs um den See. Kommt mehr Schlamm zum Vor- schein als angenommen, muss die Stadt Geld drauflegen. Doch Klarheit bekommt sie erst, wenn der Damm zum Bach abgedichtet ist.

Von Werner Held

Artikel vom 04. Januar 2017 - 18:15

SINDELFINGEN. Die Entschlammung des Eisweihers in der Goldbachanlage, der in Sindelfingen auch als Schlanderersee bekannt ist, steht schon lange auf dem Wunschzettel der Stadt. Wegen Geldmangels stellte sie das Projekt immer wieder zurück. Auf dem Rathaus war man froh, dass es gelang, bis zum Stadtjubiläumsjahr 2013 den Klostersee von Sedimenten zu befreien und dessen Umgebung neu anzulegen.

Doch der Handlungsbedarf am Eisweiher wächst. Nicht nur weil er gut mit Schlamm gefüllt ist, der die Wasserqualität beeinträchtigt. Sondern auch weil die baulichen Anlagen marode sind. Die in den 1980er-Jahren zur Ufersicherung eingebauten Holzpalisaden sind so angegriffen, dass sie zusammenbrechen, wie Gert Schwentner von der Abteilung Stadtentwässerung und öffentliche Gewässer den Stadträten erklärte. Und auch der Damm zum Goldbach hin muss dringend saniert werden. Das Wurzelwerk der Bäume, die darauf wachsen, und die Wühltätigkeit von Nagetieren haben ihn so durchlöchert, dass der Wasserspiegel des Weihers nicht mehr zu kontrollieren ist.

Das Amt für Grün und Umwelt hat den Eisweiher abgepumpt. Der Angelsportverein Sindelfingen hat den Fischbestand abgefischt (die KRZ berichtete). Denn nur wenn das Wasser vollkommen ausgelaufen ist, lässt sich exakt ermitteln, wie viel Schlamm sich tatsächlich am Seegrund befindet. Und die Menge des Sediments bestimmt sehr stark die Sanierungskosten, weil Abfuhr und Deponierung der Pampe teuer sind. Im Kreis Böblingen beispielsweise nimmt laut Gert Schwentner keine Deponie solche Materialen auf. Die Verantwortlichen sind sich nach ersten Untersuchungen aber ziemlich sicher, dass der Schlamm wenigstens keine Schadstoffe enthält, die die Kosten weiter in die Höhe treiben würden.

Doch vollkommen abgelassen werden kann der Weiher erst, wenn der Damm zum Goldbach hin abgedichtet ist. Denn derzeit fließt immer wieder Wasser aus dem Bach in den See nach. Ob der Damm völlig neu aufgebaut oder mit einer Spundwand dichtgemacht wird, ist noch nicht entschieden. Doch wie immer diese Entscheidung ausfällt: Die Experten sehen keinen anderen Weg, als Bäume und Sträucher auf dem Damm zu roden. Das soll in den nächsten Wochen abgegangen werden.

„Bäume haben auf dem
Damm nichts verloren“

„Da kommt mir der Naturschutz zu kurz“, wandte Freie-Wähler-Fraktionschefin Ingrid Balzer ein, als Gert Schwentner und Hartmut Knoch, der Leiter des Amts für Grün und Umwelt, das Vorhaben im Technik- und Umweltausschuss vorstellten. Die Rodungsnotwendigkeit leuchtete ihr nicht recht ein. „Wir müssen uns der Macht des Faktischen beugen“, hielt Knoch dagegen. Er versprach, dass der Eisweiher nach Abschluss der Sanierung mit einer „neuen, adäquaten Begrünung“ umsäumt werde. Doch eins stellte Gert Schwentner klar: „Bäume haben auf dem Damm nichts verloren.“
700 000 Euro sind in den Doppelhaushalt 2016/17 für die Entschlammung des Eisweihers eingestellt. Die aktuelle Kostenkalkulation steht bei 1,075 Millionen Euro.

Bei der Kalkulation der Kosten für die Schlammentsorgung hat sich Gert Schwentner an der Menge orientiert, die bei der Sanierung der Klosterseen zum Vorschein gekommen ist. Damals mussten 7000 Kubikmeter Sediment entsorgt werden. Dem Gemeinderat blieb kurz vor Weihnachten nichts anderes übrig, als die fehlenden 375 000 Euro nachzuschießen. Die Arbeiten sollen Ende 2017 abgeschlossen sein. Dann soll die Goldbachanlage, nach dem Sommerhofenpark mit dem Klostersee die bedeutende Grünanlage Sindelfingens, wieder uneingeschränkt genutzt werden.

 

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