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Die Hexen stürmen die Rathäuser im Kreis

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    Erst abgesetzt, dann schwer in Action: Böblingens Erster Bürgermeister Tobias Heizmann als Tisch-Kicker Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Einmal im Jahr ist Hexentag. Auch im Landkreis haben sich in vielen Kommunen die Verwaltungen verbarrikadiert und die Bürgermeister verschanzt. Ohne Chance: Am "Schmodzige Doschtig" war die Frauenpower übermächtig und hat die Rathäuser reihenweise eingenommen.

Artikel vom 08. Februar 2018 - 20:06

Von Michael Stürm

KREIS BÖBLINGEN. Um 15.30 Uhr wird der Böblinger Marktplatz zum Tanzboden. Zu krachender Musik tänzeln Figuren mit frazenhaften Gesichtern fordernd vor den Rathaus-Arkaden. Ihr Ziel ist klar: Wir wollen da rein, wo der Herrscher dieser Stadt sitzt. Grün-weiß, grün-schwarz, grün-rot, grün-giftig, braun und blau sind die Gestalten - Abkömmlinge der verschiedenen Böblinger Narrenzünfte. Bereit zum Äußersten, dem Umsturz.

Hexe Sandra hat sich hinter dem Mikrofon postiert und weiß selbst nicht genau, wer sich ihr zum Duell stellen wird. "Der alte Oberbürgermeister, der neue oder ein ganz anderer? Die konnten sich das aussuchen", ruft Moderator Shorty in die Menge.

Wenige Sekunden später ist das Rätsel gelöst. Eine in Rosa gewandete Figur steckt ihren Kopf angriffslustig aus dem Fenster im zweiten Stock: Der Erste Bürgermeister Tobas Heizmann steht bereit zur Verteidigung der Restmacht im Rathaus. "Ein krasser Witz, dass der alte OB nicht mehr auf dem Sessel sitzt", ruft er der Hexe entgegen.

Nach wenigen Minuten Wortgeplänkel und Geplärre ist auch der Vize sturmreif. Der Schlüssel geht an die Hexen, der Wettstreit findet auf dem Marktplatz seine Fortsetzung, Heizmann und seine Rathaustruppe versuchen zumindest die Ehre zu retten: Beim lebendigen Tischkicker-Duell schlagen sich die Verwalter tapfer gegen eine Böblinger Narrenauswahl.

Böblingen war gestern nicht die einzige Kommune, deren Herrschaften für die nächsten Tage außer Gefecht gesetzt wurden. Hildrizhausen, Ehningen, Aidlingen, Grafenau, Gärtringen, Sindelfingen und Deckenpfronn sind seit gestern beamtenfreie Zonen. Als Erster war am Morgen einer der Amtsjüngsten fällig. Daniel Schamburek nahm in Schönaich nach nur wenigen Tagen im Amt bereits den Hut. Nicht ohne sich bereits Autorität verschafft zu haben: Die Hasenberg-Hexen zeigten Respekt vor der Obrigkeit und siezten den Herrn Bürgermeister brav, während sie ihn aus dem Rathaus jagten.