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Pkw-Neuzulassungen im kreis Böblingen liegen im Plus

Die Kraftfahrzeuginnung kritisiert fehlende Daten des Bundesamts zur Entwicklung in den Schadstoffklassen

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    Gut frequentiert war 2017 die Zulassungsstelle im Böblinger Landratsamt: Insgesamt gab es im Landkreis 38 349 Neuzulassungen Foto: SRC/Archiv

Neue Autos gingen 2017 gut im Kreis Böblingen: 38 349 Pkw-Neuzulassungen meldet die Zulassungsstelle des Landratsamtes als Jahresergebnis. Unter dem Strich wurde damit die Zulassungszahl vom 2016 um 582 Pkw oder 1,5 Prozent getoppt.

Artikel vom 15. Januar 2018 - 15:42

KREIS BÖBLINGEN (red). "Für unsere Betriebe ein erfreuliches Ergebnis", sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart.

In der Region lag die Nachfrage nach Neuwagen laut einer Pressemitteilung auch über dem Vorjahr. Insgesamt wurden 3076 Pkw mehr neu zugelassen, macht ein Plus von 1,8 Prozent. "Nicht so erfreulich ist dagegen das Ergebnis bei den Gebrauchtwagenverkäufen", kommentiert Treiber die 37 992 Besitzumschreibungen im Kreis, die 466 Fahrzeuge oder 1,2 Prozent unter der Vorjahreszahl liegen. "Ein größeres Problem ist dieser leichte Rückgang aber nicht", sagt der Kreisvorsitzende Thomas Höfle.

Weil's vor allem in Stuttgart mit minus 15,9 Prozent deutlich schlechter lief, ist der regionale Rückgang größer: Insgesamt 9349 Besitzumschreibungen weniger, sind ein Minus von 3,8 Prozent. Diesen Rückgang einfach auf die Dieseldiskussion zu schieben, geht aber nicht, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher: "Bei gebrauchten Dieseln hatten wir in Stuttgart einen regelrechten Boom, da haben sich die Besitzumschreibungen glatt verdoppelt." Im Kreis Böblingen ging die Zahl dagegen um 2,2 Prozent zurück.

Wieso die Stuttgarter gebrauchte Diesel "kaufen wie geschnitten Brot" (Torsten Treiber), kann die dortige Zulassungsstelle nicht erklären. Seit eine neue Software eingeführt wurde, kann nur noch das Kraftfahrt-Bundesamt diese Daten liefern. Oder auch nicht: "Voraussichtlich ab März 2018", schätzt dessen Pressesprecher Stephan Immen gibt es dazu Informationen. Treiber ist sauer. "Damit stochern wir knapp sechs Wochen vor den Fahrverbotsverhandlungen vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in einer wichtigen Frage im Nebel", kritisiert er. "Dabei wäre es wichtig zu wissen, ob und wie sich im Dieselbestand in Stuttgart und der Region die Zahlen der Fahrzeuge nach den Schadstoffklassen Euro Nix bis Euro 6 geändert haben."

Die Vermutung, dass in Stuttgart aber auch anderswo in der Region vor allem alte Diesel durch jüngere der nicht fahrverbotsbedrohten Klasse Euro 6 ausgetauscht wurden, liegt nahe. "Das wäre eine positive Nachricht", sagt Treiber "und ein wichtiges Argument, bei der Verhandlung über Fahrverbote, egal ob einzeln oder per Blauer Plakette. Aber nichts Genaues wissen wir nicht und wir kommen uns ausgerechnet in diesem Punkt vor wie in einem Auto, in dem der Tacho nichts anzeigt. Die Digitalisierung in der Verwaltung habe ich mir anders vorgestellt", kritisiert er den Datenstau mit Blick aufs KBA.

Was die Zulassungsstellen in der Region an Daten zur Verfügung stellen können, reicht aber wenigstens aus, um "eine für das Kraftfahrzeuggewerbe unter dem Strich positive regionsweite Bilanz zu ziehen. Verglichen mit dem 31. Dezember 2016 haben wir in der Region einen Pkw-Bestand, der mit rund 1,61 Millionen Pkw um 23 113 Pkw oder 1,46 Prozent höher liegt als im Vorjahr. Das kann man gut finden oder nicht, es zeigt auf alle Fälle klar, dass es einen starken Bedarf an Autos gibt." In diesem Pkw-Bestand sind 3802 Elektro-Pkw enthalten. Das ist ein Zuwachs um rund 50 Prozent, "aber wir liegen damit immer noch im Promillebereich." Dazu kommen 10 137 Hybridfahrzeuge (plus 44,8 Prozent).

Und "der Diesel hat sich auch ganz gut gehalten", sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher: 523 329 Diesel-Pkw im regionalen Bestand sind zwar 9215 aber damit nur gerade mal 1,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. Bei den Pkw-Neuzulassungen war mit 60 183 oder 35,1 Prozent mehr als jeder dritte neue Pkw ein Diesel. Im Vorjahr hatte der Anteil an den Neuzulassungen mit 66 614 allerdings noch um 6431 Pkw höher und damit bei 39,1 Prozent gelegen. Bei den Besitzumschreibungen gab es durch den Stuttgarter Gebrauchtdiesel-Boom und ein weiteres Plus im Rems-Murr-Kreis auch im regionalen Durchschnitt Zuwachs bei den Dieselbesitzumschreibungen: plus 12 420 oder 16,6 Prozent.

Der Pkw-Bestand im Landkreis liegt zum Jahreswechsel bei 245 032

Speziell mit Blick auf den Kreis Böblingen lässt sich sagen: Der Pkw-Bestand lag mit 245 032 um 4003 Fahrzeuge oder 1,7 Prozent höher als im Vorjahr. Von diesen Fahrzeugen haben 83 568 Pkw einen Dieselmotor. Das sind 886 oder ein Prozent weniger als im Vorjahr. Die im Bestand enthaltenen Dieselneuzulassungen gingen von 13 471 Pkw im Jahr 2016 um 1002 Pkw oder 7,4 Prozent auf 12 469 neue Diesel-Pkw zurück. "Damit war mit 32,5 Prozent knapp jeder dritte Neukauf bei uns ein Diesel", sagt Thomas Höfle. Besitzumschreibungen meldet die Zulassungsstelle 37 992 (Vorjahr 38 458/minus 1,2 Prozent). Darin sind 13 151 Diesel (Vorjahr 13 448/minus 2,9 Prozent) enthalten

Die Pkw-Neuzulassungen haben mit insgesamt 38 349 Neuzulassungen den zweithöchsten Wert in den letzten zehn Jahren erreicht - 2009, im Abwrackprämienjahr, waren es 38 837: "Da sagen die Zahlen, dass viele vom Diesel einfach auf andere Antriebsarten, vornehmlich Benziner gewechselt haben", sagt Reher: "Die Neuzulassungen von Nicht-Dieseln sind um 1584 oder 6,5 Prozent auf 25 880 gestiegen. In denen sind 402 neuzugelassene Elektro-Pkw enthalten, der überwiegende Rest, auch die 814 Hybriden, die hier mitzuzählen sind, tankt Super oder gibt mit Gas Gas."

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