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Intensive Momente auf der Intensivstation

Die English Drama Group des Böblinger Max-Planck-Gymnasiums bot drei Abende lang eindrucksvolles Theater

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    Star ist todkrank und klammert sich in ihrer Fantasiewelt an ihr Idol John Lennon Foto: Martin Wecker

Die English Drama Group des Böblöinger Max-Planck-Gymnasiums führte jetzt "John Lennon & Me" von Cherie Bennetts auf. Es ging um Fantasie und Träume, Lüge und wahre Freundschaft sowie das Leben mit einer tödlichen Krankheit.

Artikel vom 08. Januar 2018 - 16:18

Von Martin Wecker

BÖBLINGEN. "Happiness is just how you feel when you don't feel miserable": Das Glück, das in der Abwesenheit von Elend besteht, ist auch unter ungünstigen Bedingungen erreichbar, sagt uns John Lennon, der trotz Starruhms sein Leben lang mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hatte. Ein Fan von John Lennon ist die 16-jährige Stella Grubner, die sich selbst Star nennt, an Mukoviszidose leidet und daher ihr halbes Leben in einem Krankenhaus für schwerkranke Kinder, verbracht hat.

Sie wäre gerne eine berühmte Schauspielerin, hat eine blühende Fantasie, denkt sich Geschichten aus und spielt selbstgeschriebene Szenen für ihre Mitpatienten. In ihrer Fantasiewelt, in die sie ihrem unerfüllten Leben entflieht, ist sie im Gespräch mit John Lennon, der sie mit seiner Musik und seinen Einstellungen bestärkt.

Star gibt sich zwar zynisch und extrem cool, doch wird schnell klar, dass sie sich eigentlich nach einem normalen Leben sehnt mit Freundinnen, einer normalen Schule und den banalen Freuden. Ein solches Leben rückt in greifbare Nähe, als sie in Gestalt der etwas naiven Courtney (mit komödiantischem Talent gespielt von Lisa Andres) eine neue Zimmernachbarin erhält, eine an ihrer Schule beliebte Cheerleaderin, die nicht ernsthaft krank zu sein scheint. Um Courtneys Freundschaft zu erlangen, inszeniert Star sich so, wie sie sich selbst gerne sehen würde, ihre Krankheit spielt sie herunter. Da sie sich auch einen "Boyfriend" erfindet, den sie freilich nicht hat, greift ihr Spiel auf weitere Krankenhausinsassen aus und sorgt für allerlei komische Verwicklung und Verwirrung. Dass der für die Rolle herangezogene neue Patient Jeff (sehr überzeugend dargestellt durch Finn Beier) am Ende tatsächlich ihr Freund ist, zeugt von der kreativen Seite der Fantasie. Als am Ende Courtney unvermittelt stirbt, bricht aus Star die Wut heraus auf die Ungerechtigkeit des Lebens und auf ihre Mutter, die nur ihre Freundin sein will, ihr aber nie eine Mutter war. In einem versöhnlichen Schlusstableau deutet sich eine neue Qualität der Beziehung an.

Seit Jahren eine gewissermaßen feste Größe im jugendlichen Theaterleben Böblingens sind die Aufführungen der English Drama Group des Max-Planck-Gymnasiums an drei Abenden in der Aula am Murkenbach. Die behutsame Übergabe der Leitung von Reinhilde Weiß-Freisinger an Kristina Kraemer in den letzten drei Jahren ist mit der Inszenierung von "John Lennon & Me", der ersten alleinigen Regiearbeit Kraemers, nun erfolgreich abgeschlossen.

Nachdem im letzten Jahr die rasant überdrehte Shakespeare-Adaption "Midsummer/Jersey" gespielt wurde, entschied man sich in diesem Jahr wieder für ein ernsteres Stück, das allerdings trotz seiner belastenden Thematik sehr leichtfüßig im Gewand einer Teenager-Komödie daherkommt. Nach einer nur knapp dreimonatigen intensiven Probenzeit konnten die zwölf Darsteller (darunter die Lehrerin Annette Neubauer in einer kleinen Paraderolle als gnadenlose Krankenschwester), die Regisseurin sowie die Schüler aus dem Technik-Team an den Abenden im brausenden Applaus die Früchte ihrer Arbeit genießen.

Zum Erfolg beigetragen haben der stimmige Einsatz der Musik (nicht nur) von John Lennon, das reduzierte und suggestive Bühnenbild sowie Ideen der Inszenierung, die über Cherie Bennets Vorlage hinausgehen.

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