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Kevin Bandel aus Gültstein kreiert Fertig-Cocktails aus regionalen Produkten

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    Wenn das Wohnzimmer zur Cocktailbar wird: Kevin Bandel aus Gültstein testet seine neuen Kreationen zumeist im Kreise seiner Freunde Fotos: Sandra Schumacher

Artikel vom 30. Dezember 2017

GÜLTSTEIN (scu). Sie heißen "Munich Fizz", "Chocolat Daiquiri" oder "Birne Sour" und erinnern allein durch diese Namen an die großen internationalen Cocktailklassiker. Aber irgendwie sind sie doch ganz anders. Gültsteiner Original eben. Und genau so hat es Kevin Bandel auch gewollt, als er vor drei Jahren sein Start-up-Unternehmen "Kevin Bandel Cocktails" gründete. Und wenn morgen alle Welt feuchtfröhliche Silvesterpartys feiert, ist das für ihn auch eine Gelegenheit zur Marktforschung.

Wie er zu der Idee kam? "Da muss ich etwas länger ausholen", sagt der 26-Jährige. Früher sei er immer gerne mit seinen Kumpels zusammen auf Festivals gegangen. Treuer Begleiter der Jungs-Clique: ein oder auch mal mehrere Kästen Bier. "Irgendwann kamen aber auch die Mädels mit", erinnert sich Bandel. Und die seien von dem Gerstensaft eher weniger angetan gewesen. Die vermeintliche Lösung: Fertigcocktails aus dem Supermarkt. "Die haben aber absolut nicht geschmeckt. Da habe ich gedacht, dass ich es besser machen könnte." Ziel war es, Cocktails zusammenzustellen, die zwar in Flaschen abgefüllt werden, aber schmecken sollten wie frisch zubereitet.

Zunächst folgten zahlreiche Tastings (Verkostungen) der bereits vorhandenen Produkte auf dem Markt. Dabei fand der gelernte Koch schnell heraus, was an den Inhalten der Dosen aus dem Supermarkt nicht stimmte. "Sie waren entweder zu süß oder zu stark", so Bandel. Das liege vor allem an den künstlichen Zusatzstoffen, die die Getränke haltbar machen sollen, die aber auch nicht besonders gut schmeckten. "Wenn man das überdecken will, muss man zu Extremen greifen", erklärt Bandel.

Zusatzstoffe kommen ihm deshalb nicht in die Tüte - äh, Flasche. Die benötigten Aromen stellt Kevin Bandel, der auch eine Fortbildung als Barkeeper gemacht hat, lieber selbst her. So entstehe beispielsweise durch das Einlegen von Kakobohnen in Rum ein schokoladiger Geschmack, der Schokoladen-Sirup gänzlich überflüssig mache. Der einzige Nachteil, wenn man Zusatzstoffe weglässt: Bandels Cocktails müssen kühl gelagert werden und sind nicht ganz so lange haltbar.

Eine weitere Besonderheit der Gültsteiner Produktpalette ist, dass Kevin Bandel stark auf regionale Zutaten wie das Streuobst setzt. Gleich vier schwäbische Versionen klassischer Cocktails hat er daher im Angebot. Neben dem "Birne Sour", der auf einem Birnenbrand basiert, gibt es auch einen "Zwetschgen-Daiquiri" oder auch einen "schwäbischen Cosmopolitan". Während der klassische "Cosmo" sich aus Wodka und Cranberry-Saft zusammensetzt, verwendet Bandel Apfelbrand und Kirschlikör. "Der kommt vor allem bei den Mädels gut an", weiß der Fachmann. Aber auch für echte Kerle habe er etwas im Angebot: Den "Old Apple", eine Kombination aus Whiskey und Apfel.

Die Ideen für die verschiedenen Kreationen bekommt Bandel auf unterschiedlichen Wegen. Zumeist aber inspiriere ihn ein bestimmtes Produkt. "Dann suche ich nach den Zutaten, die gut mit diesem Produkt zusammenspielen." Seine persönliche Empfehlung: Der "Munich Fizz", der Weißbier und Gin miteinander vereint. "Es ist eine verrückte Mischung, und viele Leute schreckt der Gedanke von Bier im Cocktail ab", sagt Bandel. Allerdings sei die Biernote so fein, dass man sie im Gesamtgebilde des Cocktails nur als malzige Süße wahrnehme, die den Gin gut unterstütze.

Insgesamt 13 Produkte hat Kevin Bandel derzeit im Angebot, in diesem Jahr habe er rund 3000 Flaschen über seinen Online-Handel und auf Messen verkauft. "Irgendwann möchte ich davon leben", sagt er. Da er derzeit aber noch als Standortleiter für acht Cafés in der Region Stuttgart zuständig sei, läuft das Hauptgeschäft für sein Start-up am Wochenende ab. Unterstützung erhält er dabei von seiner Verlobten Rebecca. Früher habe das Paar alles noch in der eigenen Küche produziert, mittlerweile seien die Anfragen aber so stark gestiegen, dass Bandel das Abfüllen in eine gastronomische Küche eines Bekannten verlagert habe. "Ich bin aber bereits auf der Suche nach einer eigenen", verrät er.

Ob neue Kreationen in die Produktpalette aufgenommen werden, entscheiden zumeist die Tastings, die er gemeinsam mit seinen Freunden abhält. Auch die kommende Silvesterfeier wird vielleicht die eine oder andere Neuerung im Angebot zur Folge haben. "Aber wenn man es für sich selbst macht, fühlt es sich sowieso nicht wie Arbeit an", sagt Kevin Bandel.

Wer sich übrigens Sorgen macht, dass der junge Cocktailmixer aus Gültstein des Öfteren seine "Schicht" mit einem fiesen Kater beendet, der sei beruhigt. "Da ich für meine Cocktails hochwertige Zutaten und weniger Zucker verwende, bekommt man davon nicht den klassischen Schädel am Morgen danach."

Zur Person: Kevin Bandel ist 1991 in Herrenberg geboren. Von 2007 bis 2011 absolvierte er eine Kochausbildung, teils im Hotel Kaiser in Mönchberg, das seinem Vater gehört, und teils im Landhaus Feckl in Ehningen. Anschließend war Bandel ein Jahr Küchenchef im Hotel Kaiser und machte seine Fachhochschulreife im Bereich Hauswirtschaft. Ab 2012 war er stellvertretender Küchenchef im Mauerwerk in Herrenberg bevor er sich 2014 zum Barista und Barkeeper weiterbilden ließ. In diesem Jahr gründete er auch sein Start-up-Unternehmen. Seit 2015 ist er als Standortleiter für acht Café-Bars in der Region Stuttgart verantwortlich.

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