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In den Katakomben der Geschichte

Ein Seminarkurs führte Mildred-Scheel-Schüler in das Hauptstaatsarchiv des Landes

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    Blick ins Mittelalter: Die Schüler betrachten eine Ablassurkunde aus dem Kloster HirsauFoto: red

Artikel vom 14. November 2017 - 13:54

BÖBLINGEN (red). Am Anfang einer wissenschaftlichen Arbeit stehen die Themenfindung und die Suche nach passender Literatur. Letzteres stand für den Seminarkurs der Mildred-Scheel-Schule am 25. Oktober auf dem Programm.

Ziel war die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart-Mitte. Hier erhielt jeder einen persönlichen Büchereiausweis und eine Einführung, wie man am besten vorgeht, um bei dieser riesigen wissenschaftlichen Bibliothek Fachbücher, Zeitschriftenaufsätze und anderes Material zu finden.

Danach gingen die Schüler von Seminarkurslehrer Steffen Straube-Kögler ins Hauptstaatsarchiv, das direkt neben der Landesbibliothek in Richtung Charlottenplatz liegt. Dort wurden sie von Dr. Wolfgang Mährle begrüßt, der als stellvertretender Referatsleiter auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Zu Beginn führte er die Gruppe in die Aufgaben des Archivs und Nutzung für Forschungszwecke ein. Um dies nicht allzu trocken zu gestalten, zeigte er viele Archivalien.

So durften die Schüler als erstes in die Restaurierungswerkstatt gehen und dort darüber grübeln, aus welchen Gründen Bücher - oder besser gesagt Zeitdokumente - zerfallen und was man dagegen unternehmen kann. Aber damit nicht genug, immer tiefer ging es hinunter in die Katakomben an der Konrad-Adenauer-Straße und näher an das "Herz" des Archivs heran.

Im nächsten Untergeschoss erwarteten die Besucher alte Landkarten, Urkunden, Ablassbriefe sowie eine Überraschung. Diese bestand aus gesammelten Akten über die Rote Armee Fraktion und den Selbstmord von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Stammheimer Gefängnis 1977. Für kurze Zeit durften die Kursschüler in den Dokumenten lesen.

Die "Goldene Bulle" lagert im Tresor

Um das Ganze zu toppen, ging's nun in das Kernstück des Archivs, das Magazin. In ihm lagern kilometerweise historische Akten, wie über Erwin Rommel, Fritz Haber, den Entwickler des Giftgases im Ersten Weltkrieg, oder über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Hohenlohe. Passend zu den Themen der anvisierten Seminararbeiten hatte Dr. Mährle Dokumente vorbereitet. Sie warteten darauf, in Augenschein genommen zu werden.

Als krönenden Abschluss der Exkursion zeigte er in einem Tresorraum die Goldene Bulle des Kaisers Karl IV aus dem Jahr 1356. Sie ist eines der wichtigsten "Grundgesetze" des Heiligen Römischen Reiches, da sie die Wahl des deutschen Königs durch die sieben Kurfürsten vom Mittelalter bis 1806 regelte. Diese Urkunde gibt es nur in sieben Exemplaren und ist Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes.

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