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20.000 Euro für fünf Jahre Ruhe auf der Böblinger Bahnhofstraße

Von Otto Kühnle

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    Mit 300 bar schießt Sebastian Veljacsk die Kaugummis von der Oberfläche

Allzu schnell sah der wunderbare portugiesische Granit in der Böblinger Bahnhofstraße schmuddelig aus. Der Bauhof biss sich an den Kaugummis regelrecht die Zähen aus, konventionelle Reinigung half wenig. Jetzt soll mit einer Versiegelung für fünf Jahre Ruhe sein.

Artikel vom 12. August 2017 - 17:14

BÖBLINGEN. Das Wasser ist 80 bis 100 Grad heiß, aus der Lanze schießt es mit 300 bar Druck auf das Granitpflaster. Da kapitulieren vor Sebastian Veljacsk sogar die Kaugummis. Die meisten zumindest. Doch die Reinigung mit der Druckdüse ist nur der erste Waschgang, den die Stadt dem Fußgänger-Belag angedeihen lässt. Denn danach tobt sich auf der gesamten Fläche die Hochdruck-Krake aus. „Nur“ mit 250 bar, dafür mit ordentlich Lärm. Und einem sichtbaren Ergebnis.
Moose, Algen, Pilze, Flechten, Blütenstaub – das alles löst das Reinigungsgerät aus den Poren. Natürlich spült es auch etwas Sand aus den Fugen, doch die Menge hält sich in Grenzen, so dass man darauf verzichtet, die Fugen zwischen den Platten wieder zu verfüllen. Viel wichtiger ist die anschließende Versiegelung mit Cleanforce. Einem Produkt, das die Platten so versiegeln soll, dass sie einfach zu reinigen sind und sich zum Beispiel Kaugummis gar nicht erst so richtig in die Oberflächen fressen. Properla heißt das Wundermittel und ist lösemittelfrei, wie die Stadt betont.
Einen „deutlichen Vorher-nachher-Effekt“ hat Stadtpressesprecher Wolfgang Pfeiffer bei seiner Inspektion bemerkt. Fünf Jahre soll die Versiegelung halten und dabei die Rutschfestigkeit nicht beeinträchtigen. Dafür greift die Stadt auch ordentlich in die Tasche. Die Jagd auf Kaugummis kostet 90 Cent pro Quadratmeter, der Flächenputz 1,90 Euro. Rund 20 000 Euro soll das strahlend neue Aussehen der erst zwei Jahre alten Beläge kosten.

Bis zum Elbenplatz hoch

Obwohl die Anwohner informiert wurden, kämpfen die Saubermänner von Cleanforce doch mit Bestuhlungen, Sonnenschirmen und Pflanzen. Auch die Räder an der Post in der Talstraße bekamen eine unfreiwillige Dusche ab. Uli Cleß und Sebastian Veljacsk arbeiten sich die nächsten Tage die Bahnhofstraße hoch und die Talstraße bis zum Kreisel hinunter. Auf dass für die nächsten Jahre wieder Ruhe herrscht in Böblingens neuem Freiluft-Wohnzimmer.

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