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Tipps, die den Haushalt kindersicher machen

Kinder sind bekanntermaßen begeisterungsfähig und lieben es, auf Entdeckungsreise zu gehen. Die ersten – wenn auch zunächst unbeholfenen – Schritte sind bei der Reise durch die eigenen vier Wände durchaus behilflich. Damit das Kind, welches Gefahrensituationen anfangs nicht einzuschätzen weiß, seine Tour durch das Haus sicher beendet, können beim Bau und der Hauseinrichtung bereits einige Dinge miteingeplant werden, die mögliche Gefahrenquellen für die Kleinsten vermeiden und beseitigen.

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    Drehknöpfe, Steckdosen oder der Blick durch das Fenster: Sobald das Kind laufen kann, geht es auf Entdeckungstour. Mögliche Gefahrensituationen sollten vermieden werden – z.B. durch einen Herdschutz. (Foto: © Africa Studio – fotolia.com #111358398)

Autor: Sabrina Kohlbecher

Artikel vom 17. Juli 2017 - 12:01

Die Entwicklungsstufen des Kindes

Je nachdem in welcher Entwicklungsphase sich das Kind befindet, gibt es jeweils verschiedene Dinge, die für eine Gefahrensituation sorgen können. Pro Jahr passieren etwa 200.000 Kinderunfälle im häuslichen Bereich, die unter anderem mit generellen, babysicheren Tipps, zu vermeiden sind. Wenn das Kind robbt, ist alles, was sich in Bodennähe befindet (z.B. Kabel und Steckdosen) erreichbar und kann die Sicherheit des Kindes gefährden. Das Kind verfügt in jeder Entwicklungsphasen über jeweils andere Fähigkeiten. Dementsprechend sind bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

0-1 Jahre:

Häufige Bauchlage und robbende oder krabbelnde Bewegungen.
Wahrnehmung der Umwelt mit Mund und Händen.

  - Vieles wird angefasst oder in den Mund gesteckt

Erste Lauf- und Sprechversuche.

1-3 Jahre:

Das Kind kann laufen, klettern (Treppen).
Sprachfähigkeit verbessert sich.
Trotzphase: Stimmungsschwankungen sind keine Seltenheit.

3-5 Jahre:

Wachstumsphase: Kind gewinnt an Kraft und entdeckt seine Umwelt im Laufschritt (Fortbewegung ist selbstständig möglich).

Versteht immer mehr Zusammenhänge und motorische Fähigkeiten bilden sich aus (kann z.B. einen Schlüssel im Schloss drehen).


Für jede Altersstufe gilt natürlich, dass das Kind unter Beobachtung stehen sollte. Dennoch sind Gefahrenquellen, vorsorglich aus dem Weg zu schaffen, da sich das Kind vor allem zwischen drei und fünf Jahren beginnt eigeständig durch das Haus zu bewegen und weitere Strecken mit Geschwindigkeit zurücklegen kann.

1. Achtung vor der Hochspannung – Elektrizität als Gefahr

Steckdosensicherung

Was hat es bloß mit dem komischen Kreis, der zwei Löcher hat, auf sich? Kinder zeigen sich bereits im Krabbelalter von Steckdosen fasziniert. Diese können die Kleinen vom Boden aus ohne Probleme erreichen. Werden die Finger oder das Lieblingsspielzeug in die Steckdose gesteckt, kann es jedoch zum gefährlichen Stromschlag kommen. Für die Sicherung der Steckdosen gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Selbstklebende Schutzscheiben

Sie können nachträglich über die Löcher geklebt werden und eignen sich besonders für Steckdosen, die häufig in Gebrauch sind. Zur Nutzung, ist der Stecker zunächst mit der Schiebe zu drehen. Wenn der Stecker wieder gezogen wird, verschließen sich die Löcher automatisch.

Nicht-klebende Steckdosensicherungen

Diese Sicherungen bedecken die Löcher komplett und sind nur mit einem Werkzeug oder einem Schlüssel entfernbar.

Unterputz-Steckdosen

Steckdosen, die in den Putz integriert sind, bieten hohe Kindersicherheit. Sie haben einen eingebauten Verschlussmechanismus. Wenn der Stecker gezogen wird, verschließen sich die Löcher automatisch. Dies bewirkt die Klappfunktion einer Kunststoffplatte, die hinter den Löchern liegt.

FI-Schalter für das Kinderzimmer

Seit 2009 ist es Vorschrift, einen FI-Schutzschalter in den neu installierten Steckdosen-Stromkreis zu installieren. Bereits bei geringen Fehlströmen wird der Stromkreis innerhalb von ein paar Sekunden unterbrochen. So zum Beispiel, wenn zwischen der Strommenge, die von der Steckdose ausgeht und der, die wieder vom Gerät zurückgeleitet wird, eine Abweichung besteht. Um die Funktionstüchtigkeit des Schalters zu überprüfen, ist mindestens einmal im Monat auf den Prüfknopf des Schalters, der sich im Sicherungskasten befindet, zu drücken.

Kabelsalat verstecken

Auch herunterhängende oder offenliegende Kabel können das Kind motivieren, damit zu spielen, daran zu ziehen oder sogar reinzubeißen. Damit dies vermieden wird, sollten jegliche Elektrokabel im Haus eine ausreichende und vor allem intakte Isolierung besitzen. Um den Kabelsalat zu verstauen, können diese auf verschiedene Art und Weise hinter speziellen Vorrichtungen versteckt werden, so dass diese erst gar nicht das Interesse der Kleinsten wecken. Folgende Möglichkeiten zur Absicherung gibt es:

Fußleisten

Einige Fußleisten, die die Verbindung zwischen Wand und Boden herstellen, sind innen mit einem dünnen Kanal versehen, durch den sich das Kabel führen lässt. Die Fußleisten sind meist mit Nägeln zu befestigen.

Kabelkanal

Ein Kabelkanal ist oft aus Kunststoff, kann zurechtgeschnitten werden und ist mit einer Abdeckung versehen. Das Kabel kann unter die Abdeckung gelegt werden und ist so an die Wand zu kleben oder zu bohren.

2. Vor der Höhe sichern

Treppe und Stufen

Fenstersicherung

Die Welt da draußen ist für Kinder ebenso, wenn nicht meist noch viel interessanter, als die Ereignisse im eigenen Zuhause. Deshalb ist darauf zu achten, dass die Fenster von Kindern nicht alleine zu öffnen sind. Denn Stürze gehören laut folgendem Ratgeberartikel zu den häufigsten Unfallursachen bei Kindern: 23 Prozent der Unfälle passieren durch einen Sturz aus der Höhe und 35 Prozent durch einen Sturz in der Ebene. Um einen gefährlichen Sturz zu vermeiden, sind verschiedene Sicherheitssysteme für Fenster möglich. Solche mit einem integrierten Schloss, das nur durch einen Schlüssel zu öffnen ist, oder Fenstersysteme, die eine Kippsperre besitzen, welche zudem das Fingereinklemmen verhindert. Eine weitere Möglichkeit ist ein integrierter Schieber, der mit ein wenig Kraft eingedrückt werden muss, um das Fenster öffnen zu können.

Fenster zum Abschließen sind eine kindersichere Variante der Fensterausstattung. (Foto: ©  thombach – fotolia.com #52671561)

Sicherheitsglas: Blutige Schnitte vermeiden

Neben der Höhe, können Glassplitter gefährlich werden. Kinder sind oft schnell unterwegs, geraten mit Schwung gegen die Balkontürscheibe oder schießen den Ball durch das Fenster. Damit sich die Jüngsten keine Schnitte zufügen, sind die Scheiben mit Sicherheitsglas zu versehen. Falls das Glas zu Bruch geht, zerfällt es in quadratische Splitter ohne scharfe Kanten, die eine viel geringere Gefahr darstellen. Ein Schutz vor unangenehmen Schnittwunden bieten zudem Splitterschutzfolien, die noch nach Fenstermontage aufgeklebt werden können.

Sonnenschutz: Gefährliches Verheddern vermeiden

Falls das Kinderzimmerfenster nicht mit einem elektronischen Rollo versehen ist, wird dieses meist durch ein Plissee oder ein Rollo mit einem seitlichen Zugsystem vor Erhitzung geschützt. Jedoch birgt die Schnur viele Gefahren: Das Kind kann darüber stolpern, einen Gegenstand vom Fensterbrett reißen, der auf dem Kopf landen kann, oder sich damit sogar strangulieren. Um der Gefahr vorzubeugen, hat die EU eine DIN-Norm verabschiedet, die vorschreibt, dass bei Sonnenschutzprodukten eine Kindersicherung mitzuliefern ist. Diese Sicherung kann unter anderem in einer Spannvorrichtung bestehen, mit der die Schlaufe fest an der Wand – circa in einer Höhe von 150 Zentimetern – anzubringen ist. Einige Hersteller liefern auch Schnurwickler mit, um die die Zugschnüre – ebenso mit einem Bodenabstand von 150 Zentimetern – zu wickeln sind.

Balkon

Die Sonne genießen die Kleinsten im Sommer genau wie die Erwachsenen am liebsten im Freien und zwar nicht nur im Garten, sondern auch auf dem Balkon in der ersten oder zweiten Etage. Damit es beim Spielen oder baden auf dem Balkon nicht gefährlich wird, sollten folgende Hinweise beachtet werden:


Schutz beim Spielen im Außenbereich

Schutz vorm Ertrinken: Der kindgerechte Gartenteich

Jegliche Wasserquelle (Regentonne, Teich oder Pool), in die das Kind fallen könnte, ist in jedem Fall mit einer festen und dichten Plane abzudecken. Oft reichen schon wenige Zentimeter Wassertiefe aus und das Kind gerät in Gefahr. Denn geraten die Kinder erst einmal mit dem Kopf unter Wasser, machen sie – im Gegensatz zu Erwachsenen – keine Abwehrbewegungen und können innerhalb weniger Sekunden ertrinken. Deshalb ist um den Teich eine Umzäunung anzubringen, die zum Beispiel aus engmaschigem Maschendraht besteht. Damit der Teich für die Erwachsenen problemlos zu erreichen ist, kann ein Tor eingebaut werden, das sich automatisch schließt und fest einhakt, wenn der umzäunte Bereich verlassen oder betreten wird. Die Umzäunung sollte mindestens einen Meter hoch sein. Als zusätzlicher Schutz bieten sich Baustahlgitter an, die wie hier beschrieben in den Teich einzubauen. So können die Kinder Pflanzen und Tiere im speziell angelegten „Kinderteich“ sicher betrachten.

 Vorsichtsmaßnahmen für das Spiel im Garten: Sichere Spielgeräte

Spannend wird der Garten jedoch nicht nur durch schwimmende Teichbewohner, sondern auch kindgerechte Spielgeräte. Die Geräte sollten in jedem Fall das GS-Prüfzeichen oder das TÜV-Siegel aufweisen, altersgerecht sein und auf einem stabilen Untergrund stehen. Zudem ist beim Aufbau auf Nägel zu verzichten und eine Verschraubung vorzuziehen. Die Schrauben sollten nicht hervorragen und zum Beispiel mit einer Mutter zu sichern. Für Standfestigkeit die Pfosten der Geräte tief in den Boden eingraben und – falls nötig – mit Beton beschweren. Das Fundament rund um die Geräte sollte einen Sturz abdämpfen – z.B. Rindermulch oder Sand – und etwa 20 Zentimeter hoch sein.

 


Spielgeräte regelmäßig überprüfen:

Bodenverankerung, Funktionstüchtigkeit einzelner Teile, Untersuchung auf verrostete/lose Schrauben oder Feuchtigkeitsschäden/morsches Holz. Besonders beim Übergang Winter-Frühjahr, sind Geräte aus Holz zu überprüfen.

Fazit

Die Sicherung des Haushalts ist bereits beim Hausbau miteinzuplanen. Je nach kindlicher Entwicklungsstufe sind andere Sicherheitsmaßnahmen wichtig. Eine Übersicht markiert noch einmal mögliche Gefahrenzonen einzelner Wohnräume und liefert eine Checkliste für den kindersicheren Haushalt.

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