Anzeige

Wie sich unser Strompreis tatsächlich zusammensetzt

Der Strompreis ist in den letzten Jahren stark angestiegen

  • img
    Foto: Jürgen Fälchle – 115800692/ fotolia.com

Autorin: Stefanie Huber

Artikel vom 17. Juli 2017 - 11:45

29,80 Cent – so hoch lag der durchschnittliche Strompreis pro Kilowattstunde im April 2016 laut eines Monitoringberichts der Bundesnetzagentur in Zusammenarbeit mit dem Bundeskartellamt. Damit hat die Strompreisentwicklung einen neuen Höhepunkt erreicht, der das Portemonnaie der Verbraucher in nicht unerheblichem Maße belastet. Doch wie kommt der Strompreis überhaupt zustande und wer ist verantwortlich für die deutlichen Erhöhungen in den letzten 20 Jahren? Wollen die Stromkonzerne tatsächlich immer mehr Geld oder gibt es noch andere Ursachen? Diese Fragen sollen nun etwas genauer geklärt werden.

Wie hat sich der Strompreis in den letzten Jahren entwickelt?

Ein Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass der Strompreis seit dem Jahr 2000 deutlich angestiegen ist.

Die Verbraucher mussten in den letzten 5 Jahren also erneut starke Preisanstiege in Kauf nehmen, obwohl die Preisentwicklung schon zwischen 2005 und 2010 erhebliche Mehrkosten mit sich brachte. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 3.500 kW/h pro Jahr musste in den letzten Jahren jeweils folgende Ausgaben kalkulieren:

Foto: Tabelle 1:  Beispielberechnung für einen Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3.500 kW/h, Quelle: eigene Berechnung

Ist Strom als Rohstoff tatsächlich so viel teurer geworden?

Bei den obigen Zahlen stellt sich ziemlich schnell die Frage, ob die Erzeugung von Strom tatsächlich so viel teurer geworden ist. Für eine näherungsweise Antwort ist es erforderlich, sich die Entwicklung der einzelnen Bestandteile des Strompreises genauer anzuschauen:

Foto: Tabelle 2: Strompreiszusammensetzung 2006 und 2016, Quelle: Bundeswirtschaftsministerium

Hier lässt sich unschwer erkennen, dass die tatsächlichen Stromkosten sich zwischen 2006 und 2016 zwar um 63% erhöht haben, der Kostenanstieg bei den Abgaben jedoch mit 357% noch wesentlich höher ausgefallen ist. Somit scheinen staatlich veranlasste Strombestandteile die Hauptursache für die Preisexplosionen der letzten Zeit zu sein.

Was steckt hinter den einzelnen Strompreisbestandteilen?

Wie bereits beschrieben, besteht der Strompreis aus verschiedenen Komponenten. Deren Bedeutung und Zusammensetzung wird nun etwas genauer erklärt:

1. Tatsächliche Stromkosten

Dieser Posten stellt das tatsächliche Geschäft der Stromkonzerne dar. Einen großen Teil macht hierbei die Energiebeschaffung aus, da Strom entweder erzeugt oder eingekauft werden muss. Darüber hinaus haben Stromanbieter auch weitere Kosten:

  - Vertrieb (Marketing, Kundengewinnung, Kundenservice)
  - Verwaltung (Buchhaltung)
  - Personal
  - Gebäudenutzung
  - Weitere Geschäftskosten

Da ein Stromanbieter zudem einen Gewinn erwirtschaften möchte, spielt auch die aufgeschlagene Marge in diesem Kostenpunkt eine nicht unwichtige Rolle.

2. Netzentgelt

Netzentgelte sind Gebühren, die jeder Netznutzer an den jeweiligen Netzbetreiber entrichten muss. Die meisten Stromanbieter in Deutschland verfügen nämlich nicht über ein eigenes Stromnetz, sondern „mieten“ die Netzinfrastruktur des Netzbetreibers in ihrer Region. Da Stromnetze sogenannte „natürliche Monopole“ sind, werden die Netzentgelte von der Bundesnetzagentur reguliert. Je nach Kostenstruktur und Netzbeschaffenheit dürfen die Netzbetreiber unterschiedlich hohe Netzentgelte berechnen, die jeweils für eine Regulierungsperiode von 5 Jahren festgelegt werden. Jeder Netzbetreiber muss sein Netzentgelt im Internet veröffentlichen.

3. Abgaben

Die Abgaben machen heute den größten Einzelposten innerhalb des Strompreises aus. Doch was verbirgt sich eigentlich genau dahinter? Der Kostenpunkt fasst verschiedene Teilaspekte zusammen:

a) EEG-Umlage

Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist zur Finanzierung des Ausbaus erneuerbarer Energien erschaffen worden. Wer heute eine Photovolatikanlage oder ein Windrad betreibt, erhält eine fixe Einspeisevergütung (quasi eine Preisgarantie) für den dadurch erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien. Wenn durch ein großes Stromangebot der Marktpreis an der Strombörse sinkt, müssen die Stromanbieter trotzdem die fixe Einspeisevergütung bezahlen. Um eine Überlastung der Anbieter zu vermeiden, bezahlen die Privathaushalte den Differenzbetrag in Form der EEG-Umlage. Ein Blick auf die Entwicklung der EEG-Umlage macht schnell deutlich, warum die Abgaben in den letzten Jahren so stark angestiegen sind:

Foto: Abbildung 2: Entwicklung der EEG-Umlage, Quelle: Netztransparenz.de

b) KWK-Aufschlag

Betreiber von Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) können für erzeugten KWK-Strom unter bestimmten Voraussetzungen Zuschläge vom Netzbetreiber erhalten. Nach einem Ausgleichsmechanismus zwischen den einzelnen Netzbetreibern können einzelne Betreiber verbleibende Kostenbelastungen als zusätzliche Netzentgelte berechnen. Diese werden in Form des KWK-Aufschlags von den Stromlieferanten an den Endkunden weitergegeben. Im Jahr 2017 liegt der KWK-Aufschlag bei 0,438 Cent pro kW/h.

c) Umlage nach §19 Abs. 2 der StromNEV

Wenn Letztverbraucher durch Sonderreglungen wie einen besonders hohen Stromverbrauch individuelle Netzentgelte beantragen können, müssen die sich daraus ergebenden Zusatzkosten ausgeglichen werden. Dies erfolgt zunächst über einen Ausgleichsmechanismus zwischen den Netzbetreibern. Die daraus entstehenden Mehrbelastungen werden in Form einer Umlage allen Letztverbrauchern über den Strompreis in Rechnung gestellt. Im Jahr 2017 liegt die §19 Abs. StromNEV-Umlage bei 0,388 Cent pro kW/h.

d) Wenn es bei der Netzanbindung von Offshore-Windkraftanlagen zu Verzögerungen oder Störungen kommt, erhalten die Anlagenbetreiber vom jeweiligen Netzbetreiber eine entsprechende Entschädigung. Diese dürfen die Netzbetreiber jedoch weiter auf die Netzentgelte und die Stromanbieter letztlich auf den Strompreis für die Endverbraucher umlegen. Zum Schutz der Verbraucher ist die Offshore-Umlage jedoch auf maximal 0,25 Cent pro kW/h begrenzt. Aktuell liegt diese bei -0,028 Cent pro kW/h.

e) §18 AbLaV-Umlage

Bei der Umlage für abschaltbare Lasten geht es um Industriebetriebe, die ihre ansonsten hohe Energieabnahme kurzzeitig auf Abruf senken können. Dies kann erforderlich werden, um die Stabilität und einwandfreie Laststeuerung im Stromnetz zu gewährleisten. Da die Unternehmen dafür eine entsprechende Vergütung bekommen, dürfen die Netzbetreiber diese Kosten umlegen. Am Ende bezahlt der Endverbraucher sie über den Strompreis. Die §18 AbLaV-Umlage beträgt im Jahr 2017 0,006 Cent pro kW/h.

f) Konzessionsabgabe

Konzessionsabgaben müssen Netzbetreiber an die Kommunen entrichten, um deren Wege mit ihrer Infrastruktur nutzen zu können. Der konkrete Wert der jeweiligen Abgabe richtet sich nach dem jeweiligen Wegenutzungsvertrag, jedoch wird eine Höchstgrenze je nach Größe der Gemeinde vorgegeben. Die durchschnittliche Konzessionsabgabe lag im Jahr 2016 bei 1,65 Cent pro kW/h.

4. Steuern

Die Steuern auf Strom teilen in zwei verschiedene Steuerarten auf:

a) Stromsteuer

Die Stromsteuer wurde erst im Jahr 1999 eingeführt und dient zum Teil der Finanzierung der Sozialversicherung. Der Gedanke dahinter besteht in der Idee, Energieverbrauch im Sinne einer klimafreundlichen Politik stärker zu besteuern und im Gegenzug den Faktor Arbeit zu entlasten. Aktuell liegt die Stromsteuer bei 2,05 Cent pro kW/h.

b) Umsatzsteuer

Natürlich muss auch auf den Stromverbrauch die Umsatzsteuer in Höhe von 19% gezahlt werden. Diese wird jedoch auf den Bruttopreis erhoben, so dass mit jeder Strompreiserhöhung auch die zu zahlende Mehrwertsteuer ansteigt. Dies gilt auch für eine Erhöhung der Abgaben. Somit sorgt also eine höhere EEG-Umlage zusätzlich auch noch für eine Steuererhöhung, die den Verbraucher zusätzlich belastet.

Wie ist der Strompreisanstieg letztlich zu bewerten?

In den letzten 10-20 Jahren ist der Strompreis insgesamt recht deutlich angestiegen. Dies ist zu einem gewissen Teil der normalen Inflation und auch der Kostenstruktur für die Stromanbieter geschuldet. Viel deutlicher sind allerdings die staatlich veranlassten Abgaben gestiegen. Allein die EEG-Umlage hat sich seit dem Jahr 2010 mehr als verdreifacht und die Einführung neuer Umlagen wie der Offshore-Umlage dürften auf Dauer ebenfalls dafür sorgen, dass weitere Strompreiserhöhungen zu erwarten sind. Darüber hinaus können auch die höheren Steuerkosten pro kW/h nicht vernachlässigt werden, die vor allem durch die Tatsache entstehen, dass die Mehrwertsteuer immer auf den gesamten Preis inklusive der Abgaben erhoben wird.

Welche Preisentwicklung ist in den nächsten Jahren zu erwarten?

In den nächsten Jahren ist tendenziell eher noch mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen, da trotz Subventionskürzungen neue Einspeisevergütungen hinzukommen und die alten Photovoltaikanlagen mit einer Frist von 20 Jahren gefördert werden. Der bis 2022 komplett zu vollziehende Atomausstieg könnte den Druck diesbezüglich noch erhöhen, da viel erzeugte Energie wegfällt, welche zum Teil auch durch erneuerbare Energiequellen aufgefangen werden muss. Wenn die alten Förderungen jedoch auslaufen und der Atomausstieg mit seinen Folgen verdaut wurde, könnten sich die Strompreise stabilisieren. Bis dahin ist eher damit zu rechnen, dass Verbraucher noch mehr Geld für ihre Stromversorgung zahlen müssen.

Foto: Die Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen ist nach wie vor ein großer Kostenfaktor, Quelle: TimSieger-batcam – 86005283/ Fotolia.com

Fazit

Strom ist heute deutlich teurer als zu Beginn des Jahrtausends. Dies liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an den klimapolitischen Zielen der Regierung und der damit verbundenen Förderung erneuerbarer Energien. Immerhin erreichen die neuen Energiequellen mittlerweile durchaus Gewinnungskosten, die mit denen fossiler Energieträger mithalten können. Sollte also irgendwann keine EEG-Umlage mehr anfallen, könnte Strom tatsächlich wieder günstiger werden.

Verwandte Artikel