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Tiefe Einblicke in berührende Themen

"Das Bild von uns": Eine Ausstellung zeigt Kunst geflüchteter Frauen im Landratsamt Böblingen

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    Landrat Roland Bernhard lässt sich die Bilder der Künstlerinnen erklären Foto: Landratsamt

Artikel vom 16. Juli 2017 - 13:36

BÖBLINGEN (red). In einer neuen Ausstellung im Landratsamt Böblingen zeigen geflüchtete Frauen ihre Werke. Die Kunstwerke der Ausstellung "Das Bild von uns" zeigen Frauenmotive und Ansichten der Altstadt von Aleppo. Auf einer Vernissage wurde die Ausstellung von Landrat Roland Bernhard eröffnet. Noch bis Samstag, 22. Juli, sind die Bilder im Foyer des Landratsamtes zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

Die Ausstellung sei eine doppelte Premiere, sagte der Landrat bei der Vernissage vor einigen Tagen: "Das ist die erste gemeinsame Ausstellung dreier Künstlerinnen mit Fluchterfahrung im Foyer des Landratsamtes. Und die drei Frauen stellen sich zum ersten Mal einem Publikum vor." Rawa Saeed, Reem Al Wiher und Somayye Bazrpour geben Einblick in die Themen, die sie berühren, begleiten und bewegen. Sie vereinen unter dem Titel "Das Bild von uns" ihre Lebensbilder aus der Heimat mit den neu hinzugekommenen Eindrücken, die sie im Landkreis Böblingen gewonnen haben.

"Aus den Bildern sprechen tiefe persönliche Erfahrungen und Heimatverlust", findet der Landrat. Dabei haben die Künstlerinnen verschiedene Techniken wie Öl, Acryl, Tinte oder Kreise eingesetzt. So stellt Rawa Saaed Frauenmotive in den Vordergrund, die zerrissen und gespalten erscheinen. Gleichzeitig voller Kraft und Ausdruck wirken, basierend auf dem Mut und dem Willen, etwas Neues erschaffen zu können. Ihre filigrane, plakative Strichtechnik ist stark und kontrastreich.

Reem Al Wiher zeichnet Bilder von ihrer Heimatstadt Aleppo, deren Altstadt 1986 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte wurde. Momentaufnahmen harmonischer Stillleben, mit sinnlichen und aufeinander abgestimmten Farben gestaltet. Sie verströmen eine friedliche Atmosphäre und laden dazu ein, diese Stadt zu entdecken ohne Spuren der Zerstörung und des Niederganges. "Wir kennen von Aleppo meist nur die Bilder aus den Nachrichten. Die Kunstwerke sind ein extremer Kontrast dazu, der uns daran erinnert, wie wertvoll Frieden ist, aber auch wie zerbrechlich", so der Landrat.

Somayye Bazrpour aus dem Iran zeigt in ihren Bildern Frauen, die still und in sich gekehrt erscheinen. In den Bildkompositionen stehen jedoch nicht nur diese Frauen im Mittelpunkt, sondern auch "das Weibliche", das für Kraft, Stärke und Würde steht. Dabei wirkt bei der Betrachtung dieser leisen Gemälde die Stimmung zart, friedvoll und leicht entrückt. Besonders filigran sind außerdem ihre Arabesken und Ornamente auf den Kleidern und Körpern, die wesentlich für die traditionelle Kunst im arabisch-persischen Raum sind.

"Alle drei Künstlerinnen sprechen mit ihren Bildern eine internationale Sprache, die es uns erleichtert, verbindende Interpretationen und Wahrnehmungen zuzulassen. Kunst hat keine Grenzen, keine Hürden", sagt Landrat Bernhard.

Im Mai hat der Landkreis ein spezielles Projekt für geflüchtete Frauen gestartet. Es setzt an den Fähigkeiten, Kompetenzen, Erfahrungen und Talenten an, die diese Frauen mitbringen. Durch Einzelcoachings und direkte Betreuung sollen sie befähigt werden, ihre Fähigkeiten zu erkennen und sich an Qualifizierungsangeboten zu beteiligen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

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