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Guido Plischek ist Kreisbrandmeister im Landkreis Böblingen. Durch die vielen Vorschriften zum Brandschutz in Deutschland hält er es für ausgeschlossen, dass sich eine Brandkatastrophe wie zuletzt in einem Londoner Hochhaus mit über 70 Toten hierzulande wiederholt.

 

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Herr Plischek, durch den Brand in London mit über 70 Toten sind viele Hochhausbewohner verunsichert. Besteht auch hier Grund zur Sorge?
So ein Brand dürfte sich in keinem deutschen Hochhaus wiederholen. Das fängt schon bei den Unterschieden im Baurecht zwischen England und Deutschland an. In Deutschland gibt es für Hochhäuser sogenannte Musterbaurichtlinien, an die sich die Bundesländer anlehnen und die die Bauherren auch einhalten. Kontrolliert wird das von den Kommunen.

Worauf wird bei unseren Hochhäusern in Sachen Brandschutz besonderen Wert gelegt?
Zum Beispiel darf in Deutschland die Wärmedämmung eines Hochhauses immer nur aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen. Ein Einfamilienhaus kann auch eine andere Dämmung haben, weil man davon ausgeht, dass das Flüchten hier leichter ist. Dann gibt es eine Reihe anderer Brandschutzvorschriften, von denen ich mir nicht sicher bin, ob diese in England auch bestehen: Brandmeldeanlagen, Steigleitungen, Sicherheitstreppenräume, Feuerwehraufzüge. Das wird regelmäßig kontrolliert. Die deutsche Gründlichkeit macht es also nahezu ausgeschlossen, dass sich so etwas bei uns wiederholt.

Wie verhält es sich mit hohen Mehrfamilienhäusern, die knapp unter die Hochhausgrenze von 22 Metern ragen?
In Deutschland haben wir ein abgestimmtes Sicherheitssystem. So gibt es Feuerwehr-Aufstellflächen, auf deren Freihaltung geachtet wird. Und die Drehleitern der Feuerwehr erreichen Höhen bis zu 22 Metern, so ist im Zweifel immer noch ein Rettungsweg offen. Wenn es, so wie in England, keinen Sicherheitstreppenraum gibt, dann wird es schwierig. In Deutschland ist dieser für Hochhäuser vorgeschrieben. Hier können Feuer und Rauch nicht vordringen.

Trotzdem ist ein Brand in einem Sindelfinger Hochhaus anno 2014 mit einem Toten vielen noch in schmerzhafter Erinnerung.
In deutschen Hochhäusern sind die Wohnungen brandschutztechnisch wie eine Zelle zu betrachten. Sie sind so gebaut, dass das Feuer die Nachbarwohnung nicht erreichen kann. Das war auch in Sindelfingen der Fall und der Brand hat trotz der Tragik bewiesen, dass diese Sicherheitsvorkehrungen gewirkt haben: Das Feuer hat nicht auf benachbarte Wohnungen übergegriffen.

Haben Sie nach dem tragischen Unfall damals trotzdem reagiert?
Ich habe als Kreisbrandmeister ein einheitliches Konzept entwickelt, wie man bei Hochhausbrandbekämpfung vorgeht. Darauf habe ich alle Führungskräfte der Feuerwehr im Kreis speziell geschult. Das einheitliche Konzept ist vor allem deshalb wichtig, da wir bei Hochhausbränden in der Regel immer mit mehreren Wehren zusammen im Einsatz sind. Solche Brände löscht man nur mit vereinten Kräften. Deswegen müssen wir uns gegenseitig helfen.

► Artikel über die Bilanz der Rauchmelderpflicht: "Mehr Fehlalarme, weniger Tote" (Bezahlbereich)

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Feuerwehr zu London-Brand: "In Deutschland ausgeschlossen"

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    Kreisbrandmeister Guido Plischek sieht deutsche Hochhäuser für einen Brand gut gerüstset. Archivfoto: Bischof

Guido Plischek ist Kreisbrandmeister im Landkreis Böblingen. Durch die vielen Vorschriften zum Brandschutz in Deutschland hält er es für ausgeschlossen, dass sich eine Brandkatastrophe wie zuletzt in einem Londoner Hochhaus mit über 70 Toten hierzulande wiederholt.

 

Artikel vom 19. Juni 2017 - 18:09

Herr Plischek, durch den Brand in London mit über 70 Toten sind viele Hochhausbewohner verunsichert. Besteht auch hier Grund zur Sorge?
So ein Brand dürfte sich in keinem deutschen Hochhaus wiederholen. Das fängt schon bei den Unterschieden im Baurecht zwischen England und Deutschland an. In Deutschland gibt es für Hochhäuser sogenannte Musterbaurichtlinien, an die sich die Bundesländer anlehnen und die die Bauherren auch einhalten. Kontrolliert wird das von den Kommunen.

Worauf wird bei unseren Hochhäusern in Sachen Brandschutz besonderen Wert gelegt?
Zum Beispiel darf in Deutschland die Wärmedämmung eines Hochhauses immer nur aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen. Ein Einfamilienhaus kann auch eine andere Dämmung haben, weil man davon ausgeht, dass das Flüchten hier leichter ist. Dann gibt es eine Reihe anderer Brandschutzvorschriften, von denen ich mir nicht sicher bin, ob diese in England auch bestehen: Brandmeldeanlagen, Steigleitungen, Sicherheitstreppenräume, Feuerwehraufzüge. Das wird regelmäßig kontrolliert. Die deutsche Gründlichkeit macht es also nahezu ausgeschlossen, dass sich so etwas bei uns wiederholt.

Wie verhält es sich mit hohen Mehrfamilienhäusern, die knapp unter die Hochhausgrenze von 22 Metern ragen?
In Deutschland haben wir ein abgestimmtes Sicherheitssystem. So gibt es Feuerwehr-Aufstellflächen, auf deren Freihaltung geachtet wird. Und die Drehleitern der Feuerwehr erreichen Höhen bis zu 22 Metern, so ist im Zweifel immer noch ein Rettungsweg offen. Wenn es, so wie in England, keinen Sicherheitstreppenraum gibt, dann wird es schwierig. In Deutschland ist dieser für Hochhäuser vorgeschrieben. Hier können Feuer und Rauch nicht vordringen.

Trotzdem ist ein Brand in einem Sindelfinger Hochhaus anno 2014 mit einem Toten vielen noch in schmerzhafter Erinnerung.
In deutschen Hochhäusern sind die Wohnungen brandschutztechnisch wie eine Zelle zu betrachten. Sie sind so gebaut, dass das Feuer die Nachbarwohnung nicht erreichen kann. Das war auch in Sindelfingen der Fall und der Brand hat trotz der Tragik bewiesen, dass diese Sicherheitsvorkehrungen gewirkt haben: Das Feuer hat nicht auf benachbarte Wohnungen übergegriffen.

Haben Sie nach dem tragischen Unfall damals trotzdem reagiert?
Ich habe als Kreisbrandmeister ein einheitliches Konzept entwickelt, wie man bei Hochhausbrandbekämpfung vorgeht. Darauf habe ich alle Führungskräfte der Feuerwehr im Kreis speziell geschult. Das einheitliche Konzept ist vor allem deshalb wichtig, da wir bei Hochhausbränden in der Regel immer mit mehreren Wehren zusammen im Einsatz sind. Solche Brände löscht man nur mit vereinten Kräften. Deswegen müssen wir uns gegenseitig helfen.

► Artikel über die Bilanz der Rauchmelderpflicht: "Mehr Fehlalarme, weniger Tote" (Bezahlbereich)

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