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Schönbuchbahn: Land sichert Geld für den Fahrzeugkauf zu

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    Während am Böblinger Bahnhof schon die neue Wagenhalle gebaut wird, ist noch nicht klar, mit wieviel Geld sich das Land an den neuen Zügen der Schönbuchbahn beteiligt Foto: Thomas Bischof

Die Schönbuchbahn kann rollen. Endgültig. Das Land hat signalisiert, dass es sich mit einem Zuschuss an den neuen Triebwagen beteiligt. Damit steht dem Kauf der Fahrzeuge nichts mehr im Wege. Nächste Woche ist Vertragsunterzeichnung.

Artikel vom 07. April 2017 - 13:00

Von Michael Stürm

KREIS BÖBLINGEN. Fast wäre die Unterschrift unter dem 51,3 Millionen schwere Fahrzeugpaket in letzter Minute geplatzt. Landrat Roland Bernhard bekannte am Freitag in der Versammlung des Zweckverbandes Schönbuchbahn, dass die für nächste Woche geplante Reise ins spanische Bilbao zum Waggonhersteller CAF kurz vor der Stornierung stand. Der Grund: Das Land hatte noch nicht zugesichert, dass es die Investition mit einem Zuschuss unterstützt. Die Unterschrift des Landrats unter dem millionenschweren Kaufvertrag hätte so signalisiert, dass der Landkreis auf das Geld aus Stuttgart verzichtet. Oder es wäre erst gar nicht zum Abschluss gekommen, weil sich der Landkreis ohne Finanzhilfe keine neuen Fahrzeuge leisten kann. Alte Dieselfahrzeuge, die auf gerade elektrifizierter Strecke fahren - eine Situation drohte, über die nicht nur die Eisenbahnwelt lachen würde.

Was tun? Guter Rat war teuer. Denn die Zeit drängte. Die spanischen Zugbauer, die die leichten und spurtstarken Fahrzeuge extra für die Schönbuchbahn entwickeln, müssen so schnell wie möglich loslegen, wenn die Waggons wie geplant im Jahr 2020 auf den Gleisen stehen sollen. Dem Landkreis gelang es schließlich in letzter Minute, vom Verkehrsministerium eine so genannte Unbedenklichkeitsbescheinigung zu erhalten. Diese sichert zu, dass die Schönbuchbahn-Fahrzeuge vom Land gefördert werden, auch wenn der Kaufvertrag bereits abgeschlossen ist. "Nun können wir guten Gewissens nach Spanien reisen", meinte Roland Bernhard gestern.

Eine Reise nicht ohne Restrisiko. Denn mit diesem Deal ist noch keine Aussage über die Höhe des Betrages gemacht, der aus Stuttgart fließen soll. Das Verkehrsministerium stellt zwar 60 Millionen Euro für die Fahrzeugbeschaffung der Stadt- und Nebenbahnen im Land in den nächsten drei Jahren zur Verfügung, doch die Konkurrenz ist groß und theoretisch könnten das Land auch mit der Überweisung eines symbolischen Betrages seinem Förderversprechen gerecht werden.

Die Mitglieder des Zweckverbandes haben daher gestern eine Marke gesetzt und beschlossen, im Wirtschaftsplan acht Millionen Euro Zuschuss aus Stuttgart einzuplanen - eine Million pro Fahrzeug. Ob diese dann auch fließen, ist nicht gesichert. "Ein ambitioniertes Ziel", räumt Roland Bernhard ein, verweist aber darauf, dass die rund 140 Millionen Euro, die der Ausbau der Schönbuchbahn insgesamt kostet, für den Kreis nicht zu stemmen seien, wenn sich das Land weigert, den Fahrzeugkauf mit einem namhaften Betrag zu unterstützen.

Bernhard ist optimistisch, dass das Geld fließt. "Die acht Millionen müssen nun im politischen Prozess errungen werden", sagt er. Damit hat er vor allem die Landtagsabgeordneten aus dem Wahlkreis im Visier, die nun in Stuttgart Druck machen müssten. Und noch einen Verbündeten wird der Landrat mobilisieren: den technologischen Fortschritt. Schließlich sollen die für die Schönbuchbahn neu entwickelten Fahrzeuge auch auf anderen Nebenbahnen des Landes zum Einsatz kommen. Bernhard hofft, dass diese Innovationsbereitschaft es dem Verkehrsministerium leichter macht, die Fördergelder in den Landkreis Böblingen zu überweisen.

Um die Bahn schneller zu machen, hat der Zweckverband am Freitag Bauarbeiten für 22 Millionen Euro bewilligt. Damit ist der Weg frei für die Beseitigung der Bahnübergänge an der Herrenberger Straße in Böblingen und in der Böblinger Straße in Holzgerlingen - mit 8,1 und 13,5 Millionen die beiden größten Straßenbaumaßnahmen, die mit dem Ausbau der Schönbuchbahn verknüpft sind.

Aufschrei aus Böblingen und Holzgerlingen

Sorgen bereitete den Verantwortlichen die Entwicklung der Preise. Beide Projekte sind insgesamt 2,4 Millionen Euro teurer als geplant. Das entspricht einer Preissteigerung von rund zehn Prozent. "Die Baupreise steigen, das ist keine gute Entwicklung", stellte der Landrat fest. Dass die Gesamtmaßnahme derzeit rund 500 000 Euro unter dem Planansatz liegt, ist nur einem bereits früher ausgeschriebenen Teilpaket zu verdanken, das deutlich günstiger als geplant vergeben wurde.

Vernehmliches Stöhnen wegen explodierender Kosten gab es auch aus Böblingen und Holzgerlingen. Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger und Bürgermeister Wilfried Dölker beschwerten sich darüber, dass das Land sich weigert, die Kostenanteile der Städte an den Baumaßnahmen als Härtefälle anzuerkennen und höhere Fördergelder zu überweisen. "Wir haben an dieser Bahn am meisten zu bezahlen", klagte Holzgerlingens Bürgermeister Wilfried Dölker.

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