Flugfeldklinikum? Ja, bitte!

Leserbrief vom 02. Januar 2018 - 16:00

Zur Debatte um die neue Flugfeldklinik.

Ich bin überrascht: Mehrmals pro Monat werden gebetsmühlenartig von den immer gleichen Personen Leserbriefe mit nahezu identischen Inhalten gegen das neue Flugfeldklinikum in den lokalen Zeitungen veröffentlicht. Man denkt, dass alle Argumente längst ausgetauscht, diskutiert und mit Zahlen, Daten und Fakten widerlegt seien. Das neue Klinikum sei zu klein, es sei zu laut und die Luft sei schlecht? Wer will das schon?

Zumindest hat sich das Flugfeld zwischenzeitlich als interessantes Wohngebiet etabliert. Schon jetzt wohnen dort über 3000 Menschen dauerhaft (und nicht nur im Mittel 5,8 Tage, wie im Krankenhaus), sind beliebte Kindertagesstätten angesiedelt und im Sommer voll besetzte Besucherterrassen in den gern besuchten Restaurants, die sich alle nicht über Lärm und Luft beklagen. Viele ambulante medizinische Dienstleister haben sich bereits rund um den neuen Klinikstandort angesiedelt, um später ein optimales Versorgungsnetzwerk für ihre Patienten anzubieten.

In den letzten Jahren sind in Deutschland mehr als 200 Kliniken geschlossen worden, weil sie veraltet, klein und unattraktiv für Patienten und Mitarbeiter waren. Jede Schließung hat zu einem gigantischen Aufschrei in der Bevölkerung geführt und vielen Entscheidungsträgern das Leben sehr schwer gemacht. Auf dem Flugfeld entsteht dagegen ein vom Land und Kreis gefördertes Klinikum mit optimaler Vernetzung aller Disziplinen, moderner Ausstattung und zentraler Erreichbarkeit für die Bürgerinnen und Bürger direkt vor ihrer Haustür. Die medizinische Versorgung der nächsten 50 Jahre ist damit für die Städte Sindelfingen und Böblingen so auf höchstem Niveau gesichert. Etwas wonach sich viele andere Städte die Finger lecken würden. Solche Vollversorgerkliniken mit kompletter Weiterbildungsermächtigung sind auch zu Zeiten des Fachkräftemangels, sowohl für Pflegekräfte, als auch für Ärzte ein wichtiges Kriterium und somit die Klinik ein interessanter Arbeitgeber in der Zukunft.

Die Größe der Klinik ist exakt den zu erwartenden Patienten und der demographischen Entwicklung angepasst. Direkt neben dem Arbeitsplatz in einem Personalwohnheim zu wohnen ist heute für die Mitarbeiter kein Argument mehr für, sondern eher gegen ein Krankenhaus. Das Grundstück ist gekauft und die Planungen sind schon weit fortgeschritten. Wahrscheinlich wird es 2018 schon möglich sein, das Krankenhaus virtuell digital zu begehen. Also, liebe Flugfeldklinikgegner, bitte nicht nur "bruddeln", sondern bringen Sie sich lieber für die Patienten und die Initiative des Kreisseniorenrates und der Kliniken direkt ein und werden Sie ehrenamtliche Patientenbegleiter. Auftaktveranstaltung ist im Übrigen am 16. Januar im Landratsamt!

Prof. Dr. Axel Prokop, Chefarzt der Unfallchirurgie, Sindelfingen