Kollektive Euro-Schulden

Leserbrief vom 07. Dezember 2017 - 17:30

Zur Entwicklung in Europa.

Trump kann doch noch mehr als tweeten. Er hat eine Steuerreform durchgepaukt, die mit der Senkung von Unternehmenssteuern von bislang 35 Richtung 20 Prozent ordentlich "Schmackes" hat. Bleibt vom Brutto mehr Netto übrig, wird das amerikanische Firmen animieren, mehr im Heimat- und weniger im Ausland zu investieren.

Auch europäische Unternehmen hören die amerikanischen Steuer-Signale. Kommt jetzt noch das amerikanische Steuer-Zuckerchen hinzu, wird das Standort-Fremdgehen für Unternehmen des alten Kontinents über den großen Teich reizvoller. Die bösen Amerikaner werden des protektionistischen Steuer-Dumpings bezichtigt. "America First"-Politik ist keine Erfindung von Trump. Schon seinem Vorgänger war das Hemd näher als der Rock. Jedoch wusste Mr. Nice Guy im Gegensatz zum finsteren Captain Ahab, wo er sein sympathisches Lächeln einsetzen musste, um US-Interessen freundlicher aussehen zu lassen.

Da die schützende Hand Amerikas über Europa zum Damokles-Schwert wird, will der neue starke Mann Europas, Emmanuel Macron, als Gegenmaßnahme mehr Europäische Integration wagen. Er träumt von Vereinigten Schuldenstaaten von Europa. Nicht mehr nur die Nationalstaaten, sondern immer mehr die höhere europäische Ebene soll Schulden machen und mit dem Gießkannenprinzip wirtschaftlich blühende Landschaften in Europa bewirken. So kann man keinen Einzelstaat mehr an den Schuldenpranger stellen. Für diese kollektiven Euro-Schulden müssen alle Euro-Länder wie bei einer Autoversicherung haften, selbst wenn sie national keine machen. Und hat man erst einmal dieser Kredit-Versicherung auf Gegenseitigkeit zugestimmt, gehen die Tore der Schulden-Hölle so richtig auf.

So wird in der EU diskutiert, jene Länder vom Reformhaken zu lassen, die angeschlagen sind oder bei denen zu strikte Sparmaßnahmen die konjunkturelle Genesung angeblich erschweren würden, zum Beispiel Italien. Die sind in die Schuldenfalle getappt, weil sie keine Reform-Hausaufgaben gemacht haben. Während Frankreich und Italien bei Schulden kräftig zulangen, machen Länder wie Deutschland und die Niederlande Haushaltsüberschüsse.

Amerika mag zwar vom grimmigen Captain Ahab navigiert werden. Aber die derzeitigen Seefahrer in Europa der Marke Käpt'n Iglo sind auch nicht besser.

Peter Sohns, Holzgerlingen