Deutschland sollte von Österreich lernen

Leserbrief vom 13. November 2017 - 15:00

Zu: Wahlen in Österreich

Sebastian Kurz/ÖVP konnte mit einem strammen Rechtskurs und einem "Anti-Merkel-Modell" beachtlich punkten. Laut dem Salzburger Politikwissenschaftler Heinisch gibt es jetzt einen interessanten Gegenentwurf zur grenzenlosen Merkel.

Kurz hat die unerwünschte Einwanderung aufgegriffen und die Wendestimmung im Land am besten eingefangen. Auch unter jungen Wählern hat er viel Zustimmung erfahren, so Heinisch. Kurz gilt in der Flüchtlingspolitik als Hardliner, er will die illegale Zuwanderung auf Null begrenzen. Er kritisierte die deutsche Willkommenskultur, setzte in Österreich eine Obergrenze für Flüchtlinge und schließlich die Schließung der Balkanroute durch. Im Sommer 2016 schlug er sogar vor, Flüchtlinge im Mittelmeer abzufangen und sie direkt in ihre Heimat zurückzuschicken nach dem Vorbild der australischen Asylpolitik.

Vor allem diese harte Haltung in Einwanderungsfragen hat ihm die Wähler zugetrieben. Gegen seine Dynamik, Forschheit und den Willen, Probleme auch ernsthaft anzugehen, haben andere kaum Chancen. Er will eine machtbeschränkte EU, ihrer Schuldenübernahmepolitik erteilte er eine klare Absage. Von Frau Merkel wird er sich nichts sagen lassen. Merkel mit ihren Vertrags- und Rechtsbrüchen sowie Durchwursteln und Aussitzerei ist für Österreicher ein Schrecken.

Frau Merkel sagte nach der Wahl, in Richtung Kurz, "nicht nachahmenswert" und kein Vorbild für Deutschland. Das sagte die größte Wahlverliererin seit 1949 zu einem Wahlsieger. Realitätsverlust, Abgehobenheit oder Altersstarsinn? Gänzlich unbemerkt hat sie die Rücktrittsmoral abgeschafft, egal was verpatzt wurde; vorsorglich auch für sich. Die grundgesetzlich mögliche Kettenkanzlerschaft, die an feudale Herrschaftserbzeiten erinnert, gehört abgeschafft.

Das österreichische Rentensystem sollte ein Vorbild für Deutschland sein. Nach 45 Jahren Arbeit wird im Alter von 65 Jahren eine Rente in Höhe von 78 Prozent des früheren Einkommens, dazu noch 14 Mal im Jahr ausbezahlt. Männer erzielen dort eine Durchschnittsrente von 2000 Euro brutto, knapp tausend Euro mehr als bei uns. Auch Selbstständige, Freiberufler und Beamte müssen einzahlen, wobei der Staat dazu zahlt. Außerdem hat Österreich keine Nato- Verpflichtungen und keine Besatzungskosten für Alliierte zu tragen. Tu felix Austria: Du glückliches Österreich.

Josef Eder, Weil im Schönbuch