Plädoyer für fest angestellte Musikschulkräfte

Lesermeinung

Leserbrief vom 13. Oktober 2017 - 16:00

Zur Abkehr von Honorarkräften an der SMTT in Sindelfingen

2009 hatte die Finanz- und Wirtschaftskrise den Automobilstandort Sindelfingen hart getroffen. Die Gewerbesteuer-Einnahmen befanden sich auf dem Stand der 60erJahre. Sogar die Wassermusik auf dem Klostersee fiel damals dem Rotstift zum Opfer. Das große Sparen war angesagt. In dieser prekären Situation wurde auf Empfehlung der Beratungsgesellschaft Rödl und Partner beschlossen, in der SMTT immer mehr auf Honorarkräfte auszuweichen. 60:40 hieß das Endziel.

Eine Situation, die ich als damalige Elternbeiratsvorsitzende mit großer Besorgnis gesehen habe. In meinem Jahresbericht musste ich im Februar 2011 mitteilen, dass weiterhin frei werdende Stellen mit Honorarkräften besetzt werden müssen. Zu diesem Zeitpunkt war ein Drittel des Lehrkörpers schon nicht mehr fest angestellt. Und es sollte peu à peu so weitergehen. Alle Einwände waren fruchtlos, immer mehr Lehrkräfte traf dieser - man kann schon sagen - schwere Schicksalsschlag. Man muss sich mal vergegenwärtigen, wie Menschen unter diesen Bedingungen arbeiten sollen. Es bedeutet Stress pur. Nach dem Unterricht bleibt kaum Zeit für ein Gespräch mit Schülern und Eltern - die nächste Musikschule muss angefahren werden. Dazwischen liegen oft viele Kilometer. Man muss pünktlich sein, die Verkehrssituation ist nicht immer ideal. Was für junge Lehrerinnen und Lehrer gerade noch machbar ist, wird für ältere Kollegen zur Pein. Zudem wird von jeder Musikschule Einsatz über die gegebenen Stunden hinaus erwartet: Musikschulfeste, Vorspiele, Konferenzen. Wie ist das zu schaffen?

Bei Krankheit wird die Situation brenzlig. Als Alleinverdiener kann man kaum eine Familie ernähren. In den Ferien fehlt das Einkommen - die Lehrkräfte müssen sich arbeitslos melden. So kann ich die Bemerkung von Markus Nau, dass für die Lehrkräfte unter diesen Umständen die Gefahr besteht, ins Prekariat abzusinken, nur dick unterstreichen. Ob diese Situation der Honorarkräfte allen Eltern der Schülerinnen und Schüler der SMTT bewusst ist?

Ich denke, es wird allerhöchste Zeit, dass hier Abhilfe geschaffen wird. Das fördert nicht nur die Lage und Motivation der Lehrkräfte, sondern auch die Qualität der SMTT. Das Jahr 2009 ist längst Vergangenheit und so appelliere ich an den Gemeinderat, auf die neue Zeit flexibel und möglichst schnell zu reagieren und alle Lehrkräfte der Schule für Musik, Theater und Tanz endlich wieder mit einer Festanstellung abzusichern.

Anne Graf, Sindelfingen