Klimakatastrophe ist bei Verkehrspolitikern ein Fremdwort

Leserbrief vom 17. Juli 2017 - 15:54

Zum Thema "A81-Radwegquerung".

Dagersheimer, die mit dem Fahrrad nach Böblingen fahren, sind gezwungen, die Autobahnbrücke linksseitig zu befahren. Das ist besonders bei dunkler Jahreszeit sehr gefährlich, da der Rad-Fußweg zu schmal ist, gegenkommende Radler und Kfz stark blenden, und Brillenträger bei Regen dann sowieso nichts mehr erkennen. Ein Radler-Zusammenstoß mit Sturz über die rasierscharfen Metall-Leitplanken auf die Fahrbahn ist nur eine Frage der Zeit.

Landratsamt wie auch Regierungspräsidium wurden gebeten, mit dem Ausbau der A81, wenn die Brücke sowieso abgerissen wird, für eine ausreichende, zumindest normgerechte Wegbreite für Fußgänger und Radfahrer im Gegenverkehr zu sorgen. Schließlich werden in Zeiten des Klimawandels und der Pedelecs die Radfahrer stark zunehmen. Die erstaunliche Antwort aus der Kommunalpolitik war: Wir hüten uns davor, die Radwege über die Autobahn zu verbreitern oder aus Sicherheitsgründen gar einen rechtsseitigen Radweg zu fordern. Zwar würden wir gerne die Mehrkosten an der Brücke von circa 100 000 Euro bezahlen, aber es gibt im Fernstraßengesetz einen §12, laut diesem müssten die Kommunen dann noch zusätzliche Millionen Euro für die neue Autobahnbrücke berappen.

Für einen Radweg über die Autobahn das zwanzig oder gar fünfzigfache zu bezahlen ist absurd. Aber statt mit Verkehrsminister Dobrindt das Gespräch zu suchen und für sichere Radwege eine günstige Verhandlungslösung zu finden, wird resigniert. Jetzt wird eine achtspurige A81 gebaut, aber die Radwege nach Dagersheim und Sindelfingen werden nicht mal normgerecht verbreitert. Das Wort Klimakatastrophe ist bei unseren Verkehrspolitikern immer noch ein Fremdwort.

Hubert Bohner, Böblingen