Bundeswehr gestern und heute

Leserbrief vom 19. Mai 2017 - 13:00

Zum Thema "Diskussion um gefundene Wehrmachts-Devotionalien in Bundeswehr-Kasernen".

So oder ähnlich war das damals mit dem Liedgut und der Ausrüstung in der Grundausbildung und danach: Standard waren die Lieder "Auf Kreta bei Sturmwind und Regen" oder "Schwarz ist unser Panzer" und weitere Lieder aus vergangener Zeit. Die nachbarliche Luftwaffeneinheit sang das Lied "Kriminal Tango", was sich durchaus gut angehört hat.

Die Schuhe waren Stiefel ähnlich der von der Wehrmacht verwendeten "Knobelbecher". Das MG 1 war das Standard-Maschinengewehr der Wehrmacht. Bei der Ausbildung an dieser MG in der Bundeswehr waren noch Symbole der Wehrmacht angebracht. Unser Stahlhelm war ein Helm ähnlich der US-Soldaten, die in der Zeit in Vietnam einen unsinnigen Krieg geführt und hunderttausende Zivilisten umgebracht haben. Während der Grundausbildung musste der Helm beim Rauchen zum Gedenken an die gefallenen Landser abgenommen werden - obwohl die Ausbilder noch junge Soldaten waren!

Manche Stube war mit Bildern aus dem Playboy, wo halbnackte und nackte Frauen abgebildet waren, verziert. Aber es gab keine Bilder von der Wehrmacht, was bei den Stubendurchgängen und den Vorgesetzten wohlwollend gesehen worden ist.

Am Ende der Bundeswehrzeit zogen die W18 ein Hütchen auf mit der Aufschrift "Reserve hat Ruh". Gemeinsam - ob W18 oder Z2 - sangen wir in der privaten Kantine das Lied "Oh lebe wohl du wunderwunderschöne Bundeswehr wir kommen niemals mehr"! 1968 war kein einfaches Jahr für die Bundeswehr, da damals die CSSR überfallen worden ist und in der BRD durchaus die Angst umging, wie verhält sich die Nationale Volksarmee der DDR?

Zum Abschluss: Wir waren Bundeswehr-Soldaten, manches Liedgut war aus vergangener Zeit, aber wir waren niemals Nazis oder Hitleranhänger. Auch meine ich, dass die Werke eines Richard Wagner heute noch mit Lust und Liebe vernommen werden (auch von mir) obwohl Richard Wagner über die Juden nicht gut gesprochen hat und seine Werke von den Nazis bevorzugt gehört worden sind. Darum sollte man das Lied "Schwarzbraun ist die Haselnuß" nicht verdammen, weil es bei der Wehrmacht zum Liedgut gehört hat. Das Lied selbst kann nichts dafür. Darum Frau Verteidigungsministerin: Hören sie Richard Wagner weiter aber lassen sie der Bundeswehr manches alte Liedgut.

Dieter Mühlhaupt, Jettingen