Bunter Rauch und farbenfrohes Fest beim Umzug in Herrenberg

Die Hexen vernebeln den hysterischen Stadtkern in Herrenberg: 21. Umzug der 1. Narrenzunft Herrenberg

  • img
    Schwere Sichtbehinderungen auf dem Herrenberger Marktplatz: Hexen aus dem ganzen Land waren auf Ausräuchern eingestellt Fotos: Schuh

Die Moderatoren auf dem Rathausbalkon arbeiteten gestern Nachmittag nur noch nach dem Aufstellungsplan: Von Sicht konnte zeitweise keine Rede mehr sein, weil die Hexen die Stadtmitte Herrenbergs zeitweilig regelrecht ausräucherten.

Artikel vom 13. Februar 2018 - 17:42

Von Hans-Dieter Schuh

HERRENBERG. Ein OB im Vollstress. Unten skandiert die Menge, angestachelt von Narrenpräsident Kurt Maly und Moderator Martin Flaisch, schon rhythmisch "Thomas! Thomas!" als Thomas Sprißler fünf nach zwei abgehetzt in den Sitzungssaal des Rathauses stürzt, das Fellchen am Häs noch schief und an ein paar Knöpfen nestelnd. Kurz zuvor hatte noch der Pferdemarkt - immerhin der 319. - samt Stutenprämierung seine ganze Arbeitskraft als Stadtoberhaupt gefordert. Und das, nachdem er eigentlich am Schmotzigen aus dem Rathaus vertrieben worden war.

Aber schon war er wieder ganz der Rathauschef. "Narri!", ruft er von oben, "Narro!", schallt's von unten hoch. Und lobt den Vorsitzenden der 1. Narrenzunft neben ihm auf dem Balkon. "Ihr hab mich zwei Jahre hier bei Regen stehen lassen, aber jetzt für solch ein Wetter gesorgt." Ja, in der Tat: Ein Wetter für Narren aller Länder. "Fünf Jahre lang", beklagt sich der Moderator und Mitgründer der 1. Narrenzunft 1996 bei der Presse, mussten die Hästräger - in Herrenberg immerhin um die 2000 - und auch die Zuschauer im Dauerregen aushalten. Und das, nachdem man bei der Herrenberger Zunft schon an überirdische Mächte glauben wollte, nachdem an Faschingsdienstagen von 1997 bis zum Jahr 2011 durchgängig die Sonne lachte.

50 Kilo Bonbons für alle

Im letzten Jahr färbten die Wetterunbilden gar auf den Vorstand des über 100 Mitglieder starken Vereins ab. Der Jammer über steigende Kosten für Sicherheit und Absperrungen war groß. Bei gleichzeitigem Unwillen des Publikums, zwei Euro Eintritt zu berappen. Im Lamento schien gar das Ende aller Umzüge nicht aus dem Bereich des Denkbaren zu fallen. Am Faschingsdienstag 2018 jedoch hat Kurt Maly nur ein Lächeln beim Blick in die Zukunft auf den Lippen: "Wir machen den Umzug, solange wir dran sind." Koste es was es wolle. Wenn 5000 Zaungäste zahlen, müsste die Kasse stimmen. Und gefühlt dürften sich über 10 000 in den engen Gassen gedrückt haben.

Präsi Kurt hat schon seine Stimme dem Fasching geopfert. Allein er und Martin Flaisch werfen 50 Kilo leckerste Bonbons dem Volk zum Fraß vor. Und geben nebenher vom Balkon aus Unterricht im richtigen Verhalten gegenüber den Hexen: den passenden Schlachtruf dreimal brüllen - also zum Beispiel bei der Lombakabell Dettenhausen "Lomba!" - "Seggl!" - und dann klatschen. "Bitte!" schreit Kurt ins Mikrofon. "Danke!" schallt es frech von unten zurück. Der OB stöhnt ein Bisschen wegen grünem Feinstaub und geht zum Verschnaufen vom Balkon in den Sitzungssaal zurück. Und muss sich die Frage gefallen lasen: "Ist das ein Arbeitstag für Sie?" "Ein intensiver", gibt er zurück. Narri, Narro. Bitte! Danke! Bis Faschingsdienstag 2019.

Verwandte Artikel