Gärtringen außer Rand und Band

Trocken, kalt und kunterbunt: Umzug mit 75 Gruppen zieht viel Volk auf die Gärtringer Straßen

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    Grün in Grün: die Sendelfenger Sumpfhexa Fotos: Simone Ruchay-Chiodi

Artikel vom 09. Februar 2018 - 18:42

Von Mareike Andert

GÄRTRINGEN. Giftgrüne, schwarze und knallorangene Rauchschwaden wehen über den Marktplatz. Knallige Guggenmusik und vibrierende Bässe ertönen. Glocken schellen. Der beißende Geruch nach Feuer liegt in der Luft. Konfetti und jede Menge Süßigkeiten fliegen auf die Straße. 75 Gruppen sind dieses Jahr mit dabei beim Faschingsumzug in Gärtringen am Freitagnachmittag.

Die Gärtringer Schlachtbullen führen den Zug an mit den Bronnawächtern. Die Menge am Straßenrand grüßt mit einem lauten und dreifachen: "Schlacht - Bull". Der momentan einzige Keaspälter kann nicht mitlaufen, "da er für später kochen muss", erzählt Sandra Gfrörer, die als Schlachtbulle mitläuft.

Traditionell auch dabei die Gacho Krächzer aus Gechingen, die ordentlich mit Guggenmusik einheizen. Zum ersten Mal machen dieses Jahr die Schwenninger Wikinger mit, die auch ein Highlight zu bieten haben: Sie spucken riesige Feuersäulen in die Luft. Gut gelaunte Hexen klauen Schnürsenkel, malen Gesichter an, strubbeln Stroh in die Haare oder baden gleich die ganze Person im Stroh- oder Konfettiwagen. Die Ruß-Hexen aus dem Gäu schlagen wilde Purzelbäume auf dem Kopfsteinpflaster, flankiert vom Gejohle der Zaungäste. Mit am Start sind auch zahlreiche Rohrauer Saadmänner.

"Kraftakt für den Verein"

Die eine oder andere Gruppe animiert auch den allerletzten am Straßenrand, das Tanzbein zu schwingen: "Die Hände nach oben und tanzen", schallt es über den Marktplatz. Zahlreiche Hexengruppen begeistern mit ihren waghalsigen Pyramideneinlagen. Ordentlich knallen lassen die Esslinger ihre Peitschen. Viele dieser Narrengruppen laufen jedes Jahr mit und sind gut verbunden mit der Gärtringer Narrenzunft.

Der Spaß für die Schaulustigen ist ein "richtiger Kraftakt für unseren Verein", sagt Sandra Gfrörer. Das närrische Treiben ist ganz schon kräftezehrend. "Da sind alle rund um die Uhr im Einsatz. Aber mich freut es, wenn der Straßenrand voll ist und die Leute Spaß haben und wir einen tollen, abwechslungsreichen Umzug bieten." Die lockere Stimmung, die tanzenden Leute geben ihr Recht. Auch Bürgermeister Thomas Riesch ist da: "Mir gefällt die Fasnet. Toll was die Narrenzunft da auf den Weg bringt. Das ist ein Wahnsinnsevent jedes Jahr für Gärtringen."

Fast pünktlich startete der Umzug mit einem lauten Knall: die Hauptstraße entlang an der Kirche vorbei, zum Marktplatz bis zum Feuerwehrhaus. Vorsorglich sind die Bäume, die entlang der Hauptstraße wachsen mit Bauzäunen abgesperrt. Die Straße ist rechts und links gesäumt von Familien, Müttern mit Herzen auf der Backe, verkleideten Kinder und Jugendlichen. Vom putzigen Faultier über den Feuerwehrmann bis zum rosa Einhorn und Pirat ist alles vertreten. Viele auch ganz ohne Kostüm. "Weil wir Spaß haben wollen", sind Fritz, Nicole und Gunda zum Zuschauen gekommen und lassen ihre Piccolos knallen: "Alles wird gut, solange wir wild sind", ist Gundas Motto. Nicole freut sich über die vielen Masken und schönen Kostüme. Neugierig sitzen auch einige Senioren aus dem Samariterstift am Fenster und beobachten das farbenfrohe und abwechslungsreiche Spektakel aus Dämonen, Hexen, Waldgeistern und Funkenmariechen. Alles passend zum diesjährigen Faschingsmotto: "Wir rocken Gärtringen".

Gärtringen rockt auch nach dem Umzug noch weiter bei der Hallenfasnet mit der Boiz Bänd. Aber auch am Straßenrand feiern unverfrorene, fröhlich singende Menschen zwischen Konfetti, jeder Menge Müll, Bierflaschen und Süßigkeiten noch weiter.

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