Betrunkene Fahrerin nietet Baum um

Richter in Ferienstimmung: Milde Strafen nach Unfallflucht in Holzgerlingen

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Richter Werner Grolig zeigte sich jüngst im Böblinger Amtsgericht schon in Ferienstimmung. Mit 60 Tagessätzen à 10 beziehungsweise 15 Euro und einem Entzug der Fahrerlaubnis für vier Monate blieb Grolig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Einen zweiten Führerschein gab's gleich im Gerichtssaal zurück.

Artikel vom 03. Januar 2018 - 08:06

Von Holger Schmidt

HOLZGERLINGEN. Angeklagt waren zwei Rumäninnen wegen Trunkenheit im Verkehr und Fahrerflucht. Zugetragen hatte sich das Geschehen am 25. Juni in der Holzgerlinger Alemannenstraße. Nach Mitternacht wurde eine Anwohnerin durch einen lauten Knall aufgeschreckt und entdeckte einen umgestürzten Baum in der Garageneinfahrt. Sie rief ihren Mann und der die Polizei. Der Mann sah noch, wie ein offenbar beschädigter Mercedes vor- und zurückgesetzt und dann abgestellt wurde. Danach fuhren zwei Frauen mit einem Taxi davon.

Licht ins Dunkel brachte die Halterfeststellung durch die Polizei. An der angegebenen Adresse in Böblingen öffnete Oxana W. (Namen geändert) die Tür. Sie roch stark nach Alkohol und die junge Frau gab sofort zu, mit dem Auto von Böblingen nach Holzgerlingen gefahren zu sein und dort vor der Wohnung ihres Verlobten an den Baum. Ein Gewächs von immerhin vier Metern Höhe, das wohl auf tönernen Füßen stand, wie Werner Grolig scherzhaft mutmaßte. Schaden: 450 Euro.

1,7 Promille im Blut

Auf sehr wackeligen Beinen stand auch die Unfallverursacherin. Fast 1,7 Promille ergab ein drei Stunden später durchgeführter Blutalkoholtest. Einen solchen musste auch W.s ältere Schwester Natalia über sich ergehen lassen. Sie wurde - schlafend - ebenfalls in der Böblinger Wohnung angetroffen und ihr gehörte das beschädigte Fahrzeug. Außerdem wurde sie von der Zeugin beim Zurücksetzen des Fahrzeugs am Unfallort beobachtet. Natalia W. wehrte sich mit Händen, Füßen und vielen Beleidigungen, als die Polizeibeamten mit ihr ins Krankenhaus fuhren. Kein Wunder angesichts von 1,8 Promille.

Dass eine zierliche Person wie sie sich damit überhaupt noch auf den Beinen halten konnte, erstaunte selbst den Richter. Unter Berücksichtigung ihres bislang blütenreinen Vorstrafenregisters und angesichts der wenigen gefahrenen Meter beließ es Grolig in ihrem Fall bei einer kleinen Geldstrafe und unter Tränen nahm sie ihren Führerschein entgegen.

Anders die vor Gericht schweigende, jüngere Schwester. Ihr ebenfalls als Zeuge geladener Verlobter versuchte sie entgegen seiner bei der Polizei zu Protokoll gegebenen Aussage als Fahrerin zu entlasten. Es sei doch die Schwester gefahren und den Alkohol habe sie zu großen Teilen erst nach dem Unfall in Holzgerlingen konsumiert. "Gericht veräppeln ist strafbar", ließ Werner Grolig diese Einlassung nicht gelten. Trotzdem kam auch Oxana W., wie ihre Schwester nach eigenen Angaben ohne nennenswertes Einkommen, mit einer geringen Geldstrafe und dem Entzug der Fahrerlaubnis für vier Monate davon. "Das ist angesichts dieser Promillezahl sehr günstig", unterstrich Grolig, der zudem ein im Raum stehendes Alkoholproblem attestierte.

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