Jugendgemeinderat: Dürftige Wahlbeteiligung

Nur 9,5 Prozent von über 1649 Stimmberechtigten beteiligten sich an der Wahl zum Holzgerlinger JGR

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Nach schwieriger Bewerbersuche ging am Ende doch noch alles gut aus: 19 Bewerberinnen und Bewerber fanden sich für die 14 Plätze im Holzgerlinger Jugendgemeinderat. Bei der am Donnerstag zu Ende gegangenen Wahl erreichte die Beteiligung aber nur dürftige 9,5 Prozent nach 39 Prozent vor drei Jahren.

Artikel vom 20. Mai 2017 - 05:00

Von Chiara Sterk

HOLZGERLINGEN. Sieben Tage lang konnte per Onlineportal gewählt werden. Wahlberechtigt waren alle Holzgerlinger Bürger sowie alle Schüler an Holzgerlinger Schulen zwischen 14 und 21 Jahren. Bürgermeister Wilfried Dölker äußerte sich am Freitagabend auf einer kleinen Wahlparty im Jugendzentrum W3 zufrieden damit , dass sich so viele Kandiaten zur Wahl gestellt haben, kritisierte aber die Wahlbeteiligung: Lediglich 156 von 1649 Wahlberechtigten nahmen ihr Wahlrecht wahr.

Schleierhaft war Dölker, warum die Wahlbeteiligung gegenüber den Werten vor drei und vor fünf Jahren so abgesackt ist, und macht "eine große Müdigkeit" als Erklärung aus. Aber im Prinzip müssten die Jugendlichen nun halt damit leben: "Wer nicht bereit ist, sich einzubringen, darf sich auch nicht beklagen." Die Jugendgemeinderäte hätten jetzt den Auftrag, andere Jugendliche für Kommunalpolitik zu motivieren. Als Jahresetat hat der Jugendgemeinderat 10 000 Euro zur Verfügung. Die für die Wahl zuständige Jugendreferentin Dagmar Radler wollte sich noch nicht so leicht mit der geringen Wahlbeteiligung abfinden und kündigte an, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Stimmenkönig bei der Wahl ist Tyrell Bochanneck aus Holzgerlingen. Ganze 192 Stimmen sahnte der Schüler des Wirtschaftsgymnasiums Böblingens ab. Ihm folgt der Holzgerlinger Daniel Klein mit 175 Stimmen. Auf Platz 3 liegt Sarah Lorusso aus Holzgerlingen mit 154 Stimmen. Die 19-Jährige besucht das IB in Böblingen. Ihr folgt mit 150 Stimmen Lea Selemi aus Holzgerlingen, die derzeit ein Freies Soziales Jahr im Bereich Kultur absolviert. Gewählt ist Lisa Holderied als einzige Bewerberin aus Weil im Schönbuch. Die Gymnasiastin sammelte 147 Stimmen ein. 125 Stimmen erzielte die Auszubildende Kim-Lea Schmidt aus Holzgerlingen. Die Holzgerlingerin Milena Dos Santos Casaer, Schülerin des Schönbuch-Gymnasiums, sicherte sich 116 Stimmen. Eine Stimme weniger gab es für Jennifer Axt aus Holzgerlingen. Sie besucht ebenfalls das Schönbuch-Gymnasium. 101 Stimmen entfielen für den Holzgerlinger und Schüler der Otto-Rommel-Realschule Jan Harm Dieterle. Nicola Reichert, ebenfalls an der Otto-Rommel-Realschule, sammelte 93 Stimmen. Für die Holzgerlingerin Madelein Maldonado, die auch die Realschule besucht, stimmten 79 ab. Mit Niko Battiato aus Holzgerlingen ist auch die Berkenschule vertreten. Der 15-Jährige sicherte sich 59 Stimmen. Alketa Podrimaj aus Holzgerlingen, die ebenfalls an der Berkenschule ist, erreichte 51 Stimmen. Einziger Schüler aus Hildrizhausen, der einen Kandidatenplatz erreichte, ist Alexander Stepanenko. Er ist an der Realschule und konnte 50 Stimmen auf sich vereinigen.

Insgesamt sind also hauptsächlich Holzgerlinger in dem Gremium vertreten. Das war auch schon anders gewesen. "Obwohl sich fast 600 Jugendliche aus Weil im Schönbuch, Altdorf und Hildrizhausen hätten aufstellen lassen und wählen können, wurde dieses Angebot nicht wirklich angenommen", so Dagmar Radler. Manche hätten sich wohl gefragt, warum sie denn mitmachen sollten, da sie nicht in Holzgerlingen wohnen und auch ihre Freizeit nicht hier verbringen würden. Dagmar Radler bedauert diese Einstellung der auswärtigen Schüler, denn Schulen fungierten heute als zentraler Punkt im Leben der Schüler und stellen Weichen für später. Somit sei die Schule nicht nur Lern-, sondern auch Lebensort.

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