No nix Narrets

Kommentar

Artikel vom 13. Februar 2018 - 18:12

Von Eddie Langner

Rosenmontagsumzug in Böblingen: Aus den Mercaden kommt ein Schwung junger Leute nach dem anderen, greift in die Einkaufstüte und schüttet Hochprozentiges mit Orangensaft oder Limo zusammen. Andere benutzen die vor einem Blumenladen aufgestellten Verkaufstische als Öffner für ihre "Desperado"-Flaschen und lassen die Kronkorken achtlos auf dem Boden liegen. Irgendwer wird's schon wegräumen. Um 14 Uhr sind die Mercaden geschlossen - die Tumulte am Rosenmontag vergangenen Jahres waren der Geschäftsleitung eine Lehre.

Viele Umzugsgänger haben das offenbar nicht mitbekommen. Einer nach dem andern rüttelt an den verschlossenen Türen. Das Schild mit dem Hinweis auf die veränderten Schließzeiten liest offenbar niemand. Manche rütteln so heftig, dass die Türen tatsächlich kurzfristig nachgeben. Daraufhin stürmt eine kleine Gruppe triumphierend ins Innere - nur um zwei Minuten später wieder von der Security hinausgejagt zu werden. Das vergebliche Türe-Rütteln zieht sich bis in die Abendstunden. Man könnte fast darüber lachen, wenn es einen nicht zugleich so narret machen würde. Zwischenzeitlich müssen sogar Polizisten als Türsteher vor dem Kaufzentrum aushelfen. Saufen und Randale - so stellen sich offenbar nicht wenige Umzugsbesucher die Fasnet vor. Dass es auch anders geht, zeigen die Umzüge in anderen Städten und Gemeinden. Zum Beispiel in Weil der Stadt. Dort ist der Umzug am Sonntag vor allem eins: ein großes und friedliches Familienfest.