Humor: Jakob Bauer rettet Weihnachten - Teil 7

Ein Krimi-Adventskalender

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    Jakob Bauer hat in Mauren eine surreale Begegnung mit einem naseweisen Jungen

Artikel vom 07. Dezember 2017 - 10:40

In diesem abenteuerlich-amüsanten Adventskalender erzählt KRZ-Volontär Florian Ladenburger den neuesten Fall des Geheimagenten Jakob Bauer. In seinem ersten Fall in Böblingen ist Bauer gleich einer großen Sache auf der Spur, denkt der übereifrige Agent zumindest. Scharfe Kombinationsgabe und eine gute Spürnase sind bei diesem kniffligen Fall gefragt. Jakob Bauer versucht dennoch, Licht ins Dunkel zu bringen.

Teil 7: Die Jagd macht mal kurz Pause

Mein Name ist Jakob Bauer. Ich bin Geheimagent beim Kriminalistischen Rettungs-Zentrum (kurz KRZ) in Böblingen. Der israelische Auslandsgeheimdienst hat mir eine unmissverständliche Nachricht übermittelt: An Heiligabend soll in der Böblinger Stadtkirche ein Bomben-Attentat stattfinden. Um das zu verhindern brauchen die Israelis meine Hilfe. Ich habe nur noch 18 Tage Zeit. Meine heiße Spur führte mich zuletzt in die Ortschaft Mauren.

Ich wache aus einem traumlosen Schlaf auf, weil mich etwas in die Seite sticht. Ich öffne die Augen und blicke mich um. Ich sitze immer noch auf der Bank und blicke ins Maurener Tal. Ein kleiner Junge steht neben mir. Er piekst mich mit einem kleinen, aber langen Ast immer wieder in die Seite. "Bist du tot?", fragt mich der Junge und hört nicht auf mich zu pieksen. Er scheint wohl nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen zu sein. "Ich bewege mich und kann reden, offensichtlich bin ich nicht tot", sage ich. Der Junge blickt skeptisch und hört nicht auf mich mit seinem Stock zu pieksen. "Du könntest ein Zombie sein", erwidert er keck. "Es gibt keine Zombies", kläre ich ihn auf. "Woher weißt du das?", fragt der zurück. Ich blinzele. "Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass es Zombies gibt?", frage ich ungläubig. Der Junge piekst mich weiter mit seinem Stock und antwortet ohne mit der Wimper zu zucken: "Ich glaube gar nichts. Glauben heißt nicht wissen. Bisher habe ich noch keinen Beweis gesehen, der belegt, dass es keine Zombies gibt, also könntest du ein Zombie sein."
"Sag mal, wie alt bist du eigentlich?"
"Acht."
"Für dein Alter hast du ganz schön komplexe Gedankengänge."
"Das gleiche kann ich leider nicht von dir behaupten."
"Du bist ganz schön unverschämt."
"Und du lässt dir ziemlich viel gefallen" und piekst mir als Beweis mit seinem Stock ins Gesicht.
"Jetzt reichts mir aber", rufe ich, schnappe mir seinen Stock, zerbreche ihn in tausend kleine Teile, werfe sie auf den Boden, trampel darauf herum und schieße mein komplettes Magazin leer. Der Junge schaut mich teilnahmslos an und sagt: "Du hast soeben einen Stock erschossen."
"Gut kombiniert, Dr. Watson."
"Ich bin nicht Dr. Watson."
"Du bist so intelligent!", entgegne ich mit einem Schuss Ironie.
"Ich bin Herkules Pirol", entgegnet der Junge ohne jegliche Ironie.
"Du meinst Hercule Poirot? Den französischen Detektiv von Agathe Christie?"
"Er ist Belgier."
"Und du bist ein Klugscheißer. Er heißt trotzdem Hercule..."
"Das weiß ich", unterbricht er mich. "Aber du heißt ja auch Jakob Bauer und nicht Jack Bauer, wie der Serienheld aus Amerika."
"Ich weiß nicht, wovon du sprichst. Und woher kennst du meinen Namen?"
"Du trägst ein Namensschild "Hallo, ich bin Geheimagent Jakob Bauer" am Hemd."
Verdammt, das hatte ich vergessen vom letzten Treffen der Anonymen Agenten abzunehmen. Ich hole das schnell nach. Der Junge hat sich derweil einen neuen Stock geholt und piekst mir wieder in die Seite.
"Wenn du Geheimagent bist, kannst du mir dann sagen, ob eine Uhr im Halteverbot stehen bleiben darf?"
Eine knifflige Frage, auf die ich eine klare, wohlüberlegte Antwort habe: "Hä?"
"Das ist dir wohl zu hoch. Weißt du dann wenigstens warum Zahnpasta nicht al dente ist?", fragt er weiter, ohne die Piekserei zu unterbrechen. Was ist das nur für ein seltsamer Junge?
"Warum gibt es Kontaktlinsen, aber keine Kontaktspätzle?" war seine nächste Frage.
Jetzt habe ich ihn! Ich knalle ihm meine Antwort vor den Latz: "Es gibt Kontaktseiten!" Der Sieg ist mein! Doch der Junge schüttelt betrübt den Kopf. "Und du bist wirklich Geheimagent?" Entrüstet zeige ich ihm meine Marke. Er untersucht sie gründlich, scheint  von ihrer Echtheit überzeugt. Ich bin dennoch in meiner Ehre gekränkt. "Was gab es denn jetzt an meiner Antwort auszusetzen?" frage ich ihn. Er schaut mich aus traurigen Augen an. "Der Wortwitz funktioniert nur im gesprochenen Dialog. Im Schriftdeutsch kannst du den Homophon, also Gleichklang, von Seiten und Saiten nicht darstellen." Da hat er nicht ganz unrecht. Allerdings dachte ich bis zu diesem Zeitpunkt, dass wir uns in einem gesprochenen Dialog befinden, aber so wie es aussieht sind wir beide nur Figuren einer ausgedachten Geschichte. Kann das möglich sein? Es sieht hier alles so echt aus. Ich gehe ein bisschen umher, umarme Bäume und pflücke Blätter. Der Junge hat aufgehört mir in die Seite zu piekse. Da stolpere ich über eine Wurzel, stürze und knalle mit meinem Kopf gegen einen Stein. Mir wird schwarz vor Augen.

Fortsetzung folgt...

 

 

Dies ist schon der dritte Fall für Jakob Bauer.

2013 war er im bayerischen Eichstätt der Trüffel-Mafia auf der Spur. Den Film dazu gibt es hier zu sehen.

2014 jagte er im fränkischen Nürnberg erbarmungslose Entführer. Umgesetzt wurde dieser Fall in einem Hörspiel für den Radiosender afk-max, das 2015 mit dem BLM-Hörfunkpreis ausgezeichnet wurde.

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