Thema Erdhebungen: "Das schadet dem ganzen Verfahren"

Nachgefragt bei Werner Schubert, dem Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Erdhebungen Böblingen

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    Werner Schubert / Foto: Bischof

Die Interessengemeinschaft Erdhebungen Böblingen (IGE-BB) vertritt rund 200 Bürger, deren Gebäude von fehlerhaften Geothermie-Bohrungen beschädigt worden sind. IGE-Geschäftsführer Werner Schubert nimmt Stellung zur Klage, die nun ein IGE-Gesellschafter gegen einen Nachbarn anstrengt.

Artikel vom 13. November 2017 - 18:24

Von Michael Stürm

Ein Geschädigter klagt gegen seinen Nachbarn, auf dessen Grundstück eine fehlerhafte Geothermie-Sonde gebohrt wurde . Was sagt die IGE dazu?

Davon halten wir gar nichts. Wir können die Ungeduld des Klägers nicht nachvollziehen.

Warum nicht?

Ein juristischer Alleingang zu diesem Zeitpunkt schadet dem ganzen Verfahren, das wir als IGE mit unserem Anwalt initiiert haben. Mit diesem Schritt wird eine außergerichtliche Klärung gefährdet.

Wie soll die aussehen?

Wir sind gerade dabei, die Allianz-Versicherung ohne langwierige Gerichtsverhandlungen dazu zu bewegen, dass diese die Betroffenen im Namen der Bohrfirma entschädigt. Dafür hat sie schon zwölf Millionen Euro bewilligt und für das nördliche Hebungsgebiet einen Gutachter beauftragt, der derzeit die Schäden erhebt.

Der Kläger, ein Gesellschafter der IGE, sagt, dass er nicht daran glaubt, in absehbarer Zeit eine Entschädigung zu erhalten. Außerdem bezweifelt er, dass die Summe dann ausreicht, seinen Schaden zu begleichen.

Dass die Schadenserhebung und die Auszahlung von Entschädigungssummen nicht von heute auf morgen über die Bühne gehen, ist klar. Gerade im nördlichen Gebiet, wo der Kläger auch wohnt, sind wir aber schon relativ weit. Dort stehen sechs Millionen zur Verfügung und die Situation ist überschaubarer als im Süden. Wir in der IGE können unserem Gesellschafter jedoch nicht vorschreiben, wie er sich in dieser Sache zu verhalten hat. Wir hätten uns aber gewünscht, dass er gemeinsam mit allen anderen Geschädigten an einem Strang zieht und die Strategie der IGE unterstützt.

Wie sieht diese Strategie aus?

Zunächst wollen wir erreichen, dass die Versicherung der Bohrfirma, in diesem Fall die Allianz, für den Schaden aufkommt. Falls das nicht zum Erfolg führt, sehen wir das Land in der Pflicht, als verantwortliche Genehmigungsbehörde der Bohrungen, für die Schäden aufzukommen. Gegen die Eigentümer zu klagen, auf deren Grundstücke gebohrt worden ist, wäre für uns erst der allerletzte Schritt. Schließlich haben die mit bestem Glauben und Gewissen gehandelt und können am wenigsten dafür, dass die Bohrungen schief gelaufen sind.

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