Carsten Claus: Abschied nach 18 Jahren an der Spitze

Staffelstab für den Vorstandsvorsitz der Kreissparkasse Böblingen an den bisherigen Stellvertreter Dr. Detlef Schmidt übergeben

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    Carsten Claus (links) übergibt den Staffelstab an seinen Nachfolger Dr. Detlef Schmidt Fotos: Simone Ruchay-Chiodi
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    Jahn Frohnmüller, Michael Tillmann, Roland Bernhard, Detlef Schmidt und Michael Fritz (von links) blickten auf die Zusammenarbeit mit Carsten Claus zurück

Börsenboom und Bankenkrise, Neuer Markt und Niedrigzinspolitik: Es waren 18 bewegte Jahre, in denen Carsten Claus die Kreissparkasse Böblingen geführt hat. Erfolgreich, wie ihm bei seinem Abschied der Verwaltungsratsvorsitzende Roland Bernhard wie auch die Verbandsspitzen bescheinigten.

Artikel vom 16. September 2017 - 10:00

Von Otto Kühnle

BÖBLINGEN. "Es war seine Sparkasse", verpackte Landrat Roland Bernhard das Lob schwäbisch-dezent in den Satz, dass Claus "seine Sache gut gemacht hat". Er habe auf dem Flaggschiff das Ruder fest in der Hand gehabt, das der "Großadmiral der Sparkasse" nun verlasse. Mit "Bedacht und langem Atem" habe er es geführt, den Blick weit nach vorne gerichtet und "stets gewusst, wie die Wirtschaft tickt". Die Filialstruktur habe er mit viel Augenmaß angepasst und "das Eigenkapital in den letzten sechs Jahren verdoppelt", es betrage nun 650 Millionen Euro. Beim Bau der neuen Zentrale sei "sehr viel Mut notwendig gewesen", und Claus sei ein bisschen auch Architekt gewesen mit seiner Detailkenntnis. Ehrenämter gebe es zuhauf, so der Landrat zum Ruheständler, freute sich aber, dass er im Aufsichtsrat der GWW bleibe.

Georg Fahrenschon würdigte als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes die Verdienste von Claus auf Bundesebene. Er habe als Vorsitzender des zentralen Werbeausschusses dafür gesorgt, den Markenauftritt zu bündeln und die Einkaufsmacht zu stärken. Claus habe die "Marke Sparkasse unbeschadet durch die Finanzkrise geführt und dafür gesorgt, dass auch Sparkasse drin war, wo Sparkasse drauf stand". Marke habe immer etwas mit gemeinsamer Grundhaltung zu tun und Claus habe die "Markenpositionierung zur richtigen Zeit geschafft", betonte er mit Blick auf die Bankenkrise. Claus habe einen klaren Kompass und habe die Bedürfnisse der Kunden verstanden.

In einer Talkrunde blickte sein Nachfolger Detlef Schmidt auf die Amtszeit von Claus zurück und Roland Bernhard bekannte, dass der Sparkassenchef auch stur sein konnte. Und schwäbischer als Schwaben, denn für das Pflaster im Innenhof des Neubaus habe er Beton statt Granit favorisiert. "Nur ich habe ihm die Treue gehalten, wir wurden aber überstimmt." Für den stellvertretenden Personalratsvorsitzenden Jan Frohnmüller war Claus "ein harter Brocken", der aber "ein offenes Ohr für die Belegschaft hatte" und sogar einen Sonderurlaubstag für das Sportabzeichen einführte - einzigartig in Deutschland. Michael Tillmann und Michael Fritz beschrieben Claus als Chef, der ihnen Vertrauen entgegenbrachte und viel Freiraum ließ.

Einen "markanten Kopf, der bundesweit eine Rolle gespielt hat", verabschiedete ihn Peter Schneider. Der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbandes bezeichnete Claus als wichtigsten Partner, der auch als Obmann der Vorstandschefs im Ländle aktiv war. Er habe die großen Linien im Auge gehabt und eine große Integrationsleistung vollbracht. Auch er habe eine gewisse Sturheit bei Claus kennengelernt: "Die Maler mussten bei der Kita der Sparkassenakademie so lange nachstreichen, bis das Rot der Sparkasse getroffen war." Claus sei ein ausgleichender Mensch und habe mit seiner "soliden Geschäftspolitik stabile Ergebnisse" erzielt.

"Erfolg und Misserfolg sind immer eine Gemeinschaftsleitung", hob Claus in seinem Dank an die Mitstreiter hervor. Bedankte sich für das Lob, das manchmal an der Grenze gewesen sei, ihm aber gut getan habe. Auf seine Karriere als Nordlicht angesprochen betonte er: "Unsere Heimat ist hier, hier fühlen wir uns wohl, hier werden wir bleiben." Nur dem Landrat wollte er nicht versprechen, richtig Schwäbisch zu lernen. "Es ist schwer, von Bord zu gehen" bekannte er, doch seine Nachfolger seien eine "gute Kombination für die nächsten Jahre". Und Claus erinnerte an den Grundsatz der Sparkassen, "nur so viel Geld zu verdienen, um den Menschen die Dienstleistung anbieten zu können".

► Wochenkommentar (Rückspiegel) von KRZ-Chefredakteur Otto Kühnle

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