KRZ-Anzeigenleiter Silvio Benadowitz hat den Terroranschlag von Barcelona unmittelbar miterlebt

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Artikel vom 18. August 2017 - 14:00

Von Kerstin Dolde

BÖBLINGEN/BARCELONA. "Ich möchte allen sagen: Ich bin in Sicherheit. Ich war nur eine Straße entfernt". Silvio Bernadowitz ist der Schock über den Terror von Barcelona deutlich anzumerken. Noch am späten Donnerstagabend teilte er über Facebook mit, dass es ihm gut gehe.

Der Anzeigenleiter der KREISZEITUNG hatte sich auf einen schönen Kurzurlaub in der pulsierenden Metropole gefreut. Der 31-Jährige war am Mittwochabend in Barcelona angekommen. "Ich habe mich sofort in das pulsierende Leben dieser Stadt verliebt", hatte er noch in einem ersten Facebook-Beitrag betont. Einen Tag später, am Donnerstag, erlebte er das Chaos und den Terror hautnah.

"Ich war mit einem Freund unterwegs", erzählt er am Freitag am Telefon. "Wir wollten gerade ins Haus rein, in dem er wohnt. Da kamen Polizeibeamte durch die Straße gerannt, sie trugen Maschinenpistolen. Das ganze Viertel wurde schnell evakuiert."

Bernadowitz und sein Bekannter hatten Glück: Sie sprangen ins Haus, schlossen die Tür. "Drei, vier Stunden durfte keiner mehr heraus", berichtete er. Das Warten sei unheimlich gewesen. "Wir harrten stundenlang auf dem Balkon aus, blickten runter. Die Information war erst ziemlich spärlich." Erst habe es geheißen, ein Auto sei in einen Laden gefahren. "Doch keiner wusste so richtig, was passiert war."

Sofort versuchte er, sich zu informieren. "Die spanischen Medien haben sich ziemlich gepusht, es ging hin und her." Wer die größte Schlagzeile hatte, sei damit herausgegangen. "Man merkte auch, dass der Termin der Abstimmung um die Unabhängigkeit der Katalanen näher rückt", erzählt der gebürtige Vogtländer. "Die katalanischen Medien und die Medien des restlichen Spaniens waren sich uneins und überboten sich."

Erst am späteren Donnerstagabend sei die Nachrichtenlage wieder geordnet gewesen. "Wir durften das Haus wieder verlassen." Die Einsatzkräfte, die Polizisten und alle Helfer hätten sehr professionell gearbeitet. "Sie waren ruhig und hatten die Lage voll im Griff."

Am nächsten Tag strömen die Touristen bereits wieder

Die gebuchte Unterkunft von Bernardowitz liegt direkt neben der Kathedrale. "Obwohl noch überall Polizeiaufgebot war und viele Straßen noch abgesperrt waren, ließ man mich dahin", sagt er. Und doch: "Der Schock am Donnerstagabend war auch für mich sehr groß. Der Terror war ein Schlag ins Herz der Spanier, ins Herz von Katalonien."

Am Freitagmorgen strahlte die Sonne vom Himmel, alles schien wie ein böser Traum. "Kaum zu glauben, ich stehe gerade auf Las Ramblas", berichtet Bernadowitz. Um ihn herum brodelte das Leben. "Der Alltag geht hier relativ geordnet wieder weiter. Der Boulevard ist offen, die Touristen strömen weiter herbei." Auch alle Läden um die Flaniermeile herum hatten geöffnet.

Natürlich gebe es sehr viel Polizei und Militär auf den Straßen. "Aber die haben sich so postiert, dass sie sich sehr im Hintergrund halten", erzählt Bernadowitz.

Während die Ermittler noch akribisch nach Spuren suchen, kommen Spaniens Politiker in das Zentrum der Metropole. "Der Ministerpräsident hat dafür seinen Urlaub unterbrochen und hält sich in der Stadt auf", berichtet Silvio Bernadowitz. Viele bekundeten ihre Solidarität mit den Opfern der Terrorattacke und den Einwohnern Barcelonas. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden 13 Deutsche bei der Terrorattacke in Spanien verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.

Am Sonntag will Silvio Bernadowitz wie geplant nach Hause nach Böblingen fliegen. Bis dahin versucht er, die Zeit in Barcelona zu genießen. So weit das eben geht, wenn der Terror gleich nebenan seine hässliche Fratze zeigt.

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