Können faire Geschäfte den freien Handel korrigieren?

Bundestagskandidaten diskutierten auf Einladung der Weltläden über das Thema "Fluchtursachen bekämpfen"

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Artikel vom 18. Juli 2017 - 12:18

SINDELFINGEN (red). Auf Einladung der Weltläden im Kreis Böblingen diskutierten im Stiftshof in Sindelfingen die Bundestagskandidat(inn)en Tobias Bacherle (Grüne), Marc Biadacz (CDU), Jasmina Hostert (SPD) und Richard Pitterle (Linke) über das Thema "Fluchtursachen bekämpfen". Kandidat Florian Toncar (FDP) war krank, die AfD der Einladung nicht gefolgt. Claudia Duppel und Hans-Werner Schwarz begleiteten die Diskussion vonseiten der Entwicklungszusammenarbeit.

In der lebhaft geführten Diskussion unter reger Beteiligung des zahlreich erschienenen Publikums schälten sich vor allem zwei Probleme heraus.

Die erste Fragenkomplex lautete: Wie lassen sich die Strukturen der internationalen Zusammenarbeit zwischen den reichen und armen Ländern ändern? Wie kann fairer Handel den freien Handel korrigieren? Es ist Aufgabe der Politik, Regeln dafür zu schaffen. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass die Grabsteine auf unseren Friedhöfen mit Hilfe von ausbeuterischer Kinderarbeit produziert und nach Deutschland eingeführt werden. Können die Politiker nicht per Gesetz einen niedrigeren Steuersatz für fair gehandelte Produkte beschließen? Der gute Wille einer Minderheit von Bürgern, die zum Beispiel in Weltläden einkaufen, reicht dafür nicht aus.

"Was kann und muss der einzelne Bürger tun, damit es auf der Welt gerechter zugeht?", hieß die zweite zentrale Frage. Angesichts der beschämenden Unterschiede zwischen arm und reich müssen die Deutschen sich fragen, wie sie ihren Lebensstil und ihr Kaufverhalten korrigieren. "Weniger Fleisch, mehr Fahrrad!", lautet eine Forderung. Eine andere: "Im Weltladen einkaufen, wo es nur fair gehandelte Produkte gibt!" "Vielleicht sollten wir auch den Mut aufbringen, bei Leuten, die wir kennen und kennen lernen, dafür zu werben oder eine Unterschriftensammlung zu unterstützen, die unseren Politikern übergeben wird", war ein weiterer Vorschlag, der in die Debatte geworfen wurde.

Wie dringend die Lösung dieser Probleme ist, betonte eingangs Diskussionsleiter, Jan-Philipp Schlecht, der Verleger der KREISZEITUNG Böblinger Bote: Wegen der strukturellen Ungerechtigkeiten und beunruhigend starken Zunahme der afrikanischen Bevölkerung finden immer mehr junge Afrikaner keinen Arbeitsplatz und suchen ihr Überleben anderswo, was die hauptsächliche Ursache für die Flucht nach Europa ist. Zumindest in dieser Erkenntnis waren sich Publikum und Bundestagskandidat(in- n)en einig.

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