Großer Andrang ist Ansporn für die Initiatoren

Rund 70 Interessierte strömten auf Einladung der Gruppe "Wir Alle sind die Stadt" zur Villa Lanz in Sindelfingen

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    Stadtbildprägend: die Villa Lanz über dem Klostersee Foto: Dannecker

Artikel vom 17. Juli 2017 - 17:48

SINDELFINGEN (red). Die Überraschung war groß: Fast 70 Besucher fanden am Freitag den Weg zur Villa Lanz in Sindelfingen. Sie ist eines der stadtbildprägenden Gebäude und bildet beim Blick über den Klostersee zusammen mit einigen älteren Gebäuden, der Martinskirche und der uralten Klostermauer, den bekanntesten Blick auf Sindelfingen. Zur Villa Lanz hatte eine kleine Initiative "Wir Alle sind die Stadt" zusammen mit dem Besitzer der Villa eingeladen.

Man hatte Glück mit dem Wetter, sodass die vielen Interessenten im Garten der Villa mit Blick auf den Klostersee und den Herrenwäldlesberg gemütlich sitzen konnten. Die Intention dieser Einladung war es, auf die Geschichte des Gebäudes und seine momentane Situation hinzuweisen. Zwar, so die Initiatoren der Veranstaltung, sei man in Sindelfingen sehr stolz auf die engagiert restaurierte Altstadt, übersehe dabei aber oft, dass die Stadt mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer eindrucksvollen und zeittypischen Architektur neu gestaltet wurde. Dies werde sowohl von der Stadtverwaltung wie auch dem Gemeinderat leider übersehen.

Die Villa Lanz, von der Witwe Sofie des "Hirschwirts" Julius Lanz erbaut, einst mit einem Café im Erdgeschoss ausgestattet, gehört zu dieser neuen Architektur, die einen regelrechten grünen Gürtel um die enge, verwinkelte Altstadt gelegt hatte. Mit ihrer Jugendstil- und Reformarchitektur bildete sie zusammen mit weiteren Wohnhäusern und deren Gärten ein fast parkähnliches Stadtquartier, das zum großen Bedauern viele verschwunden ist. Horst Weber und Klaus Philippscheck berichteten über weitere Beispiele für diese Architektur, für die vor allem der Sindelfinger Architekt Georg Bürkle stand. Die meisten dieser oft malerisch gestalteten Gebäude mussten einer neuen, gesichtslosen Architektur weichen. Die Referenten fassten diesen Prozess in die Worte: "Identitätsstiftende Gebäude verschwanden, während völlig verwechselbare Häuser entstanden."

Am Beispiel der Villa Lanz und ihrer Geschichte sollte von den Veranstaltern des Abends auf genau diese Prozesse hingewiesen werden. Dabei kritisierte der Fotograf Jimi Riegg das Desinteresse der politischen Gremien, sich in diese Debatte einzubringen und wies auf konkrete Situationen in Sindelfingen hin, die dringend intelligente und außergewöhnliche Gestaltungen bräuchten. Er plädierte dafür, darüber nachzudenken, wie interessierte Bürger sich in solche Themen einbringen könnten. Der Abend an der Villa Lanz mit seinen vielen Besucherinnen und Besuchern würde Mut dazu machen.

Die Villa Lanz war von der Initiative, zu der auch Jürgen Stauch und Ruggero Scodanibbio gehören, wegen ihrer Lage und ihrer Schönheit ausgewählt worden - aber auch, weil bekannt ist, dass der jetzige Besitzer die Villa gerne verkaufen möchte. Um dieses außergewöhnliche Gebäude sicher zu erhalten, wäre es - so die Initiative - die beste Lösung, dass die Stadt Sindelfingen in Kontakt mit dem Besitzer treten würde. Als Nutzung könnte man sich ein lebendiges Kulturcafé und den Einzug des Kulturamts vorstellen.

Die Möglichkeit, die Villa innen zu besichtigen und auch den kleinen Turm, den sogenannten "Belvedere", zu besteigen, wurde von vielen wahrgenommen und oft war dann zu hören: "Dies hatte ich mir schon seit vielen Jahren gewünscht." Die Initiative wird sich im September wieder öffentlich melden, um das Motto "Wir Alle sind die Stadt" weiter zu verfolgen.

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