Renninger Krippe: Pfarrer Franz Pitzal lebt die Weihnachtsbotschaft

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    Pfarrer Franz Pitzal (links) bei der Eröffnung der Krippe mit Dieter Fischer. Der Malmsheimer fertigt Sanduhren an

Artikel vom 22. Dezember 2017 - 17:24

RENNINGEN (wei). Mit bewegenden und humorvollen Worten eröffnete Bürgermeister Wolfgang Faißt am vergangenen Sonntag die Krippe in Malmsheim, die unter dem Thema steht "Dein ist die Zeit." Er verglich die Weisen aus dem Morgenland mit drei Personen, die in bewegter Zeit sich zur Krippe aufmachen. "Ihre Gaben sind Liebe, die man teilen muss, sind Zeit, die man schenken soll, sind Hilfsbereitschaft, die in unserer Welt unverzichtbar ist. Nicht das Erzählte reicht - nur das Erreichte zählt!"

Bürgermeister Faißt vermittelte auch den Sanduhrenhersteller Dieter Fischer an die Krippenbauer. Pfarrer Franz Pitzal freut sich noch kurz vor Weihnachten wie ein Schneekönig. "Die Sanduhren rieseln auch richtig auf die Sekunde und sind sogar witterungsunabhängig", erzähl der betagte, aber immer noch umtriebige Kirchenmann, während er das Weihnachtswochenende in der Martinuskirche vorbereitet.

Wenn viele feiern, haben wenige viel zu tun. An kirchlichen Festtagen sind es die Pfarrer, die ordentlich eingespannt sind. Doch auch nach Weihnachten ist für den katholischen Pfarrer Franz Pitzal kein Müßiggang angesagt. Schließlich treibt er die Renninger Krippe um. Dazu gehört sogar der richtige Klebstoff: "Der sieht aus wie Honig, und wenn ich den auf die Griffel krieg' bekomme ich die Finger nicht mehr auseinander", schmunzelt Pitzal über den Klebstoff einer Renninger Automotiv-Modellbaufirma, die die Krippe zusammenhält.

Auch an diesem Wochenende ist Pfarrer Franz Pitzal der gute Engel und Hirte zugleich: Gestern Nachmittag bereitete er das Krippenspiel vor, an dem um die 90 Erwachsene, Jugendliche und Kinder am Samstag ab 17.30 Uhr mitwirken. "Für viele ist dies schon der Höhepunkt der Weihnachtstage. Die Kirche ist dann pratzelvoll, weil ein Schauspiel ohnegleichen, wenn die verkleideten Schafe, Hirten und Soldaten einziehen und dann das moderne Krippenspiel unterlegt mit eingängiger Musik", weiß Pitzal und hofft wieder auf viele Großeltern auf den Kirchenbänken.

Heuer hat Pitzal auch geschnitzte Engel aus Bethlehem und Kreuze aus Jerusalem organisiert. Sein aktuelles Buch mit dem Titel "Wie aus Krisen Aktionen entstehen" dokumentiert die Hilfe der Renninger Bürger. Druckfrisch ist auch das neueste Büchlein zu haben, eine Zusammenfassung aller 38 Krippen der letzten Jahrzehnte.

Nach dem Krippenspiel am Samstag und nach der Christmette an Heiligabend kann Pitzal nächtens oder am frühen Morgen an seinen Predigten schreiben. Doch bereits am ersten Weihnachtsfeiertag geht es nach dem Abendlob ab 17.30 Uhr mit Tony Marshall zum gemütlichen Ausklang und informativen Austausch ins Gemeindehaus. Diesmal gibt es einen Krippenwein. Das Etikett steuerte der evangelische Pfarrer von Heimsheim bei. Gelebte und getrunkene Ökumene eben. Und so wird jede Begegnung an der Renninger Krippe auch eine zutiefst menschliche, wie Pfarrer Pitzal weiß und auf viele spendenfreudige Besucher hofft.

Schließlich stehen vier Schwerpunktländer auf Pitzals Liste: Irak, Syrien, Myanmar und Südsudan. "Aktuelle Informationen und Briefe erschüttern mich", meint Pitzal, der mit Menschen aus 100 Ländern in Kontakt ist, um Projekte zu unterstützen.

Bei aller Religiosität darf die Würstchenbude vor der Martinuskirche auch wieder nicht fehlen. Sie wird von Bürgern betrieben und hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt auch an diesem Wochenende. Jede freie Minute ist Franz Pitzal am Wochenende an der Krippe und gespannt auf die Besuchergruppen, die mitunter auch auf Schusters Rappen auf einen Sprung an der Krippe vorbei schauen. "Die Besuchergruppen, die von weither mit dem Bus anreisen, sind eher nach Neujahr an der Krippe", kennt Pitzal die Gepflogenheiten der Krippengänger. Spontane Besuche statten insbesondere Familien der Renninger Krippe ab: "Sie sind noch auf der Suche nach einem besinnlichen Programmpunkt." Und den hat die Renninger Krippe allemal zu bieten, wie Pitzal auch bei den Führungen betont. "Die Krippe ist nicht nur ein Ort der Begegnung, wo sich viele alte Bekannte treffen. Auch die Weihnachtsbotschaft sowie zeitgeschichtliche und historische Bezüge haben zentrale Bedeutung."

Dafür stehen die einzigartigen Bauten der Renninger Krippe und die von Pfarrer Pitzal eingeladenen Gäste. Zum Beispiel der Heimatforscher Gerhard Raff, der am zweiten Weihnachtsfeiertag ab 17.30 Uhr beim Abendlob auftritt oder der Kabarettist Ernst Konarek, der am Freitag, 29. Dezember, beim Weihnachtsabend ab 18 Uhr vorbeischaut.

Doch der Renninger Pfarrer hat noch einen ganz anderen Ausflugstipp parat. Denn nach Leinberg im Allgäu sind im Hutmuseum derzeit viele Teile der Renninger Krippe entliehen - so groß ist die Sammlung aus fast vier Jahrzehnten Schaffenskraft. Die 70 Krippen aus der Rankbachstadt sind laut Pitzal allemal einen Besuch im Allgäu wert.

 

  Zur Person:
1936 geboren in Tschechien.Seit 1946 in Deutschland. Nach Abschluss der Schulzeit in Leinzell bei Schwäbisch Gmünd erlernte er den Beruf des Uhrenremonteurs. Danach war Pitzal zwei Jahre im Bischöflichen Jugendamt in Wernau als Diözesan-Jungscharführer. Im Spätberufenen-Seminar Abrosianum in Bad Cannstatt machte Pitzal das Abi-tur nach, studierte Theologie in Tübingen und München, unter anderem bei Hans Küng und Joseph Ratzinger. 1971 zum Priester geweiht. 1973 Nach der Vikarszeit in Kornwestheim wurde Pitzal Pfarrer in Renningen. Bis heute ist er auch Leiter der Seelsorgeeinheit Renningen-Rutesheim-Weissach, der etwa 9000 Katholiken angehören.
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