Weil der Stadt profitiert von Internet-Projekt

Bundesweit einmaliges Angebot: Online-Portal für den Nahraum

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    Lebensqualität als Summe aller Angebote vor Ort: Über fünf Jahre hinweg war Weil der Stadt Gegenstand eines bundesweit einmaligen Projektes, das die lokalen Leistungen auf einem Internetportal ins Wohnzimmer holen sollte Foto: Bischof

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Diese Erkenntnis liegt dem nach fünf Jahren zu Ende gegangenen Internet-Projekt "LebensQualität" zwar zu Grunde. Das bundesweit einmalige Projekt unter Federführung des Sindelfinger "Entwicklungszentrum Gut altwerden" konnte die Erwartungen allerdings im Praxistest nicht erfüllen.

Artikel vom 14. November 2017 - 16:00

Von Matthias Weigert

WEIL DER STADT. Darin waren sich Bürgermeister Thilo Schreiber mit Dr. Dietmar Becker auf der Bilanzpressekonferenz im Ratssaal am Dienstag einig. Allerdings hätten die Weil der Städter viele wichtige Erfahrungen gemacht und noch dazu den bisherigen Projektleiter langfristig an die Keplerstadt binden können. Denn Martin Weweler ist seit Mai der Leiter der Sozialstation, angestellt bei der Keppler-Stiftung.

"Das Internet ist das Tor zur Welt, aber leider nicht das Stadttor für Weil der Stadt", brachte Weweler die Erkenntnisse des kostspieligen Projektes auf den Punkt, bei dem es viele Vorbehalte möglicher Partner gab und die Beteiligung trotz vieler Hilfestellungen schleppend verlief. "Den Löwenanteil von 320 000 Euro steuerten die Auerbach Stiftung, der Generali Zukunftsfond sowie der Caritasverband Stuttgart bei", betonte Becker, der fast nichts unversucht ließ um Händler und Handwerkerer, Vereine und Vorstände von der gemeinsamen Kommunikationsplattform zu überzeugen. Die wesentlichen Kennzeichen des Pilotprojektes sind der schnelle und leichte Zugang zu den Dienstleistungen, die bürgernahe Aufbereitung der Angebote sowie der ständige Zugang durch Smartphone und Tablet - unterstützt von einem Kümmerer vor Ort, der das Internetportal von und für Weil der Städter hegt und pflegt. "Immerhin über einen Zeitraum von über vier Jahren wurde so ein Portal aufgebaut, das all diese Kriterien erfüllte", betonte Becker nach Abschaltung des Internetportals. Doch was bleibt? Gut angenommen und genutzt wurden laut Weweler Leistungen, die über das Bürgerschaftliche Engagement erbracht wurden, nämlich das Seniorenmobil und die Tauschbörse. Beides wird deshalb unter anderer Trägerschaft fortgeführt.

Die Stadt übernahm die Büro- und Sachkosten in Höhe von rund 25 000 Euro und engagierte sich im Laufe der Jahre immer stärker. "Leider fiel der Startschuss des Projektes in meinen Amtsantritt, da hatte ich natürlich viele verschiedene Baustellen", räumt Schreiber ein, der aber dann einen ebenso langen Atem bewies wie einige Gemeinderäte, die sich an dem Projektprozesse beteiligten. "Viele, die sich nicht auf das Projekt einließen, haben schlicht und einfach den Mehrwert für ihren Verein oder ihr Geschäft nicht erkannt", weiß Schreiber. Einig ist sich die Unterstützerrunde des Projektes darin, dass das Pilotprojekt Erkenntnisse lieferte und seiner Zeit voraus war. Sobald die heutige Jugend ins Greisenalter komme, werde auch der lokale Nahraum via Internet ausgekundschaftet.

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