Gefunden, aufgepäppelt und wieder ausgewildert: Wie zwei Weil der Städter Adoptiveltern auf Zeit für einen Spatz wurden

Von Matthias Weigert

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    Inniger Moment: Dominik Heinkele mit Adoptivspatz Rosie
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    Kurz vorm Abflug: dieses Foto entstand, als Heinkele und Götz Rosie wieder in die Freiheit entließen
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    Der Spatz am Kinn ersetzt (leider) nicht den Rasierapparat
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    Geduldig und behutsam päppelten Dominik Heinkele und Eva-Maria Götz die kleine Rosie auf
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    Verängstigt und zerzaust: der Spatz kurz nachdem ihn seine Adoptivltern gefunden haben
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    Was bin ich? Specht oder Spatz?

Wenn Dominik Heinkele und Eva-Maria Götz in der Weil der Städter Altstadt jetzt die Spatzen auf den Dächern pfeifen hören, könnte auch Rosi dabei sein. Der junge Spatz, den sie leblos auf dem Dachboden fanden, adoptierten, aufpäppelten und wieder glücklich auswilderten.

Artikel vom 13. August 2017 - 10:08

WEIL DER STADT. Verstrickt in einem Gewirr von Schnüren fand die Weil der Städter Künstlerin den kleinen Piepmatz auf dem Dachboden. Der Vogel hatte sich wohl Federn herausgerissen, jedenfalls sah er völlig zerfleddert aus.
Auf einem Teller unter einem Nudelsieb präsentierte sie Dominik Heinkele das leblose Tierchen. Beileibe nicht nicht weil der Metzgermeister ist, sondern weil der Künstlerfreund im Privatleben ein Herz für Tiere hat und natürlich gleich gern beim Aufpäppeln mithelfen wollte, zumal sein Metzgergeschäft in der Pforzheimer Straße ganz in der Nähe ist.
Da war natürlich guter Rat teuer. Und die Adoptiveltern auf Zeit informierten sich bei den Umweltverbänden BUND und Nabu auch nach der Leibspeise eines Jungvogels. Denn Spatzen werden nicht als Körnerfresser geboren. Mit einer Spritze bekam das auf Rosi getaufte Tierchen sodann einen Brei aus gekochtem Eigelb, Dinkelmehl und Wasser eingeflößt. „Ordentliche Kraftnahrung, die aber leider das Gefieder verklebte“, schmunzelt Dominik Heinkele über die anschließend nötige Pflegeeinheit. Der Aufwand hat sich gelohnt. Nach den ersten Flugversuchen landete Rosi auch auf der Hand und suchte Nestwärme unter den ausgebreiteten Händen. Später gab es Hirsekönner und noch später pickte Rosi allerlei Körner selbst auf.
In einem Käfig auf dem Balkon  konnte Rosi dann die Luft der Freiheit schnuppern, als andere Spatzen vorbeischauten und trotz Gitter Kontakt knüpften. Und dann haben die Pflegeeltern einfach das Türchen offen gelassen. In einem großen Bogen flog Rosi in den Garten und landete auf dem Boden. Beim zweiten Versuch hat es dann besser geklappt.
„Nach drei Tagen kam mal ein Schwarm vorbei und ein Spatz blieb sitzen. Da redet man sich dann schon ein, dass das unser Spätzle war“, lacht der 44-Jährige und freut sich über das Happy End.

Fotos: Heinkele/Götz

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