OB-Wahl Böblingen 2018

OB-Wahl: Plakate größer gemacht als erlaubt

Rathaus hat Format auf den Wahltafeln korrigiert - zugunsten des Amtsinhabers

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    Mit unterschiedlichen Formaten grüßen die Bewerber von den Wahltafeln. Die mittlere Plakatgröße wurde erst nachträglich genehmigt. Bewerberin Fridi Miller macht mit vielen kleinen Klebern auf sich aufmerksam Foto: Thomas Bischof

Die schnelle Botschaft geht übers Plakat. Das ist auch bei der Oberbürgermeisterwahl derzeit nicht zu übersehen. Wo man hinschaut: Kandidaten-Konterfeis. Das Schaulaufen hat begonnen. Überall in der Stadt bitten die Kandidaten um Stimmen und werfen alles in die Waagschale, was die Gefühlswelt so hergibt -"Mit Herz für Böblingen", "Böblingen kann mehr" oder "Ganz nah dran".

Artikel vom 23. Januar 2018 - 17:18

BÖBLINGEN. Klar, dass dabei die Größe, mit der die Gesichtszüge auf das Wahlvolk niederprasseln, wichtig ist. Je nach Kassenlage sind derzeit in Böblingen zwei Formate fürs Basisplakat in Betrieb: Din A 1 für die bescheidenere Wahlkampfausstattung und Din A 0 für die, die's krachen lassen können. Auf der kleinen Ausgabe gibt es Präsentationsraum von 61x86 Zentimetern, auf die Besserbestallten wartet eine Wirkungsfläche von 86x122 Zentimeter.

Und nun zum kleinen Politikum, zu dem sich die Präsentation der Bewerber entwickelt hat. In den Außenbezirken der Stadt hat der Bauhof 19 Wahltafeln aufgestellt, die den Kandidaten die Gelegenheit bieten sollen, sich im friedlichen Nebeneinander den Wählern zu zeigen. Die Spielregeln waren vom Amt klar festgelegt: Kein Plakat darf größer als Din A 1 sein.

Nachdem die Plakatierertrupps ab dem 12. Januar um 18 Uhr offiziell loskleben durften, waren manche Bewerber irritiert: Amtsinhaber Wolfgang Lützner hatte sich größer gemacht als erlaubt, und prangte in vollem Din-A-0-Format von den Wahltafeln. Absicht, Fauxpas, nicht so gut instruierte Klebetrupps?

Keine "Lex Lützner"

Was auch immer. Von der Stadt gab's keine Rüge und den Hinweis, die großen Poster wieder abzulösen. Stattdessen hat man auf dem Rathaus einen eleganteren Weg gewählt. Eine Änderung der Plakatierungsgenehmigung: "Die Größe der Plakate für die Wahltafeln wird von DIN A1 auf DIN A0 geändert", steht in dem Schreiben des Ordnungsamtes, das am 16. Januar bei den Kandidaten per Post eintraf.

Eine nachträgliche Regeländerung zugunsten des Amtsinhabers? Tobias Heizmann, Erster Bürgermeister und gleichzeitig Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses, möchte darin keinen vorauseilenden Gehorsam der Verwaltung erkennen. "Wir haben mit dem Ordnungsamt intern beschlossen, dass wir nachgenehmigen", erläutert er. Heizmann weist ausdrücklich darauf hin, dass Wolfgang Lützner weder mit der Sache was zu tun habe, noch Einfluss darauf genommen habe. "Das war keine Lex Lützner", betont er. Die Entscheidung sei viel mehr das Ergebnis auf die Frage gewesen, ob man Strenge walten lassen und anweisen sollte, alle Plakate wieder herunterzureißen oder ob man "nicht alles ahnde", was an Verstößen aufläuft.

Milde, die laut Tobias Heizmann System hat. In der Verwaltung habe man sich generell zu einer gewissen Zurückhaltung entschlossen, wenn es um die Regelübertritte im Wahlkampf gehe, erklärt er. Schließlich würden die Wahlkampf-Teams aller Bewerber Vorgaben missachten. "Wir könnten da viel mehr machen - zum Frust aller", argumentiert er. Das würde dann auf ein "Katz-und-Maus-Spiel" mit dem städtischen Vollzugsdienst hinauslaufen, meint der Erste Bürgermeister. Stattdessen wolle man lieber "entspannt" reagieren und die Sache nicht eskalieren.

Bleibt nicht dennoch das klassische "Gschmäckle", wenn gerade der Amtsinhaber Nutznießer ist? Tobias Heizmann lässt Klartext nicht missen: Dass die anderen Bewerber aufgrund der nachträglichen Änderung einen gewissen Nachteil erfuhren, möchte er nicht in Abrede stellen: "Den Schuh zieh' ich mir an", sagt er.