OB-Wahl Böblingen 2018

Johannes Söhner nimmt zweiten Anlauf

Nach acht Jahren tritt er erneut bei der Böblinger Oberbürgermeisterwahl gegen Wolfgang Lützner an - Montag Bewerbungsschluss

  • img
    Am Donnerstag präsentierte Johannes Söhner sein Programm als Kandidat um den Posten des Oberbürgermeisters von Böblingen Foto: Thomas Bischof

Mit dem Jugendreferenten des Evangelischen Jugendwerks hat sich das Bewerberfeld für die OB-Wahl am 4. Februar zu einem Quartett erweitert. Johannes Söhner nimmt unter dem Slogan "Ganz nah dran" einen zweiten Anlauf für den OB-Sessel.

Artikel vom 04. Januar 2018 - 16:00

BÖBLINGEN. Er sei kein "Profipolitiker, kein Jurist, kein Wissenschaftler", spielte der 52-Jährige auf seine Mitbewerber an. Er sehe sich als Dirigent, denn ein "OB muss wissen, wie ein Orchester harmoniert". Böblingen habe "viele geniale Solisten und einen vielstimmigen Chor", er verstehe das Amt nicht "von oben nach unten, ich will die Leute mitnehmen". Und genau dies habe er im Waldheim und bei seiner Arbeit in den Schulen gelernt: "Viele Leute wollen mitgestalten." Die, die sich für ihn in den kommenden vier Wochen ins Zeug legen wollen, waren am Donnerstagmorgen in das kleine Häuschen beim Seegärtle gekommen, das ihm als Hauptquartier dient. Die hatten auch die nötigen Unterschriften für seine Kandidatur gesammelt, "in einer Woche mehr als 150", bedankte er sich stolz bei seinen rund 25 Unterstützerinnen und Unterstützern.

In fünf Kapiteln hat der Diakon seine Vorstellungen zu verschiedenen Themenbereichen in seinem Wahlprospekt formuliert und sie bei der Präsentation verdeutlicht. So sieht er an "fast allen Schulen Probleme, auch an vielen Kitas". Die seien so heruntergekommen, dass "die Schüler im Winter mit Jacken in den Klassenzimmern sitzen und sogar kältefrei bekommen". Deshalb gelte es, dafür einen Verantwortlichen bei der Stadt zu benennen. Ein Personalproblem, wie oft angeführt, hätten alle, dies könne man lösen, idem man die Leute motiviere und begeistere. Bei einem Sanierungsstau von 120 Millionen Euro sieht er die Gelder falsch investiert, wenn nur drei Prozent für Schulen ausgegeben würden.

Auch müsse man überlegen, das letzte Kindergartenjahr kostenfrei zu machen, damit die Kinder weniger Sprachprobleme beim Übergang in die Schule hätten. "Bildung ist mehr als Schule, aber auch an Schulen geht ganzheitliche Bildung", verwies er auf das Engagement für Nachmittagsangebote von über 100 Ehrenamtlichen, mit denen Böblingen ein Leuchtturm sei. So könne man auch Migranten und Alleinerziehende einbinden.

Bei den Themen Wohnen und Verkehr sieht Söhner Böblingen vor dem "Infarkt". Es braucht Ideen, viele kleine Ideen", spielte er auf die Erfahrung an, dass ohne Ampeln der Verkehr flüssiger laufe als mit einer Steuerung. Mit gerade einmal fünf gebauten Sozialwohnungen habe Böblingen mit der Böblinger Baugesellschaft da bisher zu wenig getan. Auch wenn dies nun mehr werden sollen, will Söhner eher in einer Genossenschaft die Bürger einbeziehen. Beim Thema Fernwärme habe er beim Auslaufen des Konzessionsvertrages schon vor der EnBW gewarnt. Die Stadtwerke müssten transparenter werden, verwies er auf die Kosten, die alleine schon durch zwei Geschäftsführer anfallen.

Der Kreis und die Stadt seien wirtschaftlich gut drauf, "aber es gibt auch viele Verlierer, Leute, die in Rente gehen und aus Böblingen wegziehen müssen, weil es hier zu teuer ist". Auch junge Familien hätten da Probleme. Nachholbedarf sieht Söhner auch beim Thema Einzelhandel. "Geht man hier gerne einkaufen? Was tut die Stadt für die Händler?", fragte er rhetorisch.

Bürgernähe ist für den Vater zweier Kinder und Inhaber der Reiseagentur Jomotours kein Schlagwort, "sondern Aktion". Dazu müssten die Stadtteile gestärkt werden. Deshalb könne man auch Dagersheim nicht die Schule nehmen. Von dort sei sogar die Anbindung mit dem Bus nach Sindelfingen besser als die nach Böblingen. Am dortigen maroden Haus der Vereine, das auch noch viel Miete koste, lasse sich auch ablesen, dass zu wenig für die Vereine getan werde. "Es gibt in der Verwaltung keinen Ansprechpartner für die Vereine", will er auch hier Abhilfe schaffen.

Bei der Kultur fehle es der Stadt an "Orientierung für ein Gesamtbild der Kultur". Er sehe das Amt als Chance, wieder "Harmonie nach Böblingen zu bringen". Im Wahlkampf will er die Anliegen der Bürger mit einer Online-Umfrage aufnehmen. Zudem soll es an der Post bei den Mercaden eine Speakers Corner geben. In den sozialen Medien ist er ebenso unterwegs (www.johannes.Söhner.de). Und seine Wahlkampfzentrale soll "jeden Abend zu einer Art Bierkeller werden, alle sind willkommen". Er sei ein großer Vernetzer, und "wir gemeinsam können das besser", rief er seinen Sympathisanten zu. Bisher werde "die Stadt mehr verwaltet als gestaltet", er aber sei "ganz nah dran".